Einer umfassenden Einführung zur Funktion und zusätzlichen Beschreibung wichtiger Grundlagen und Entwicklungen in unserem Energiesystem folgt eine kurze Darstellung, welche Bedeutung der Lausitzer Braunkohle heute und künftig zukommt.

Bitte beachten Sie: Die Darstellungen im Rahmen der Serie „Einfach erklärt“ sind stark vereinfacht und sollen auch Laien ein Verständnis für die aktuelle Debatte um die Energiewende und die Lausitzer Braunkohle ermöglichen. Wir empfehlen zum besseren Verständnis, die Serie beginnend mit Teil 1 und dann logisch aufsteigend zu nutzen.

1. So funktioniert unser Energiesystem

Vereinfacht dargestellt, stehen sich in Deutschland die Erzeuger und Verbraucher von Energie immer in einem Gleichgewicht gegenüber. Auf einer Seite speisen Erzeuger genau die Energie in das System ein, die auf der anderen Seite von den Verbrauchern gerade benötigt wird.

So funktioniert unser Energiesystem

Energie wird dabei heute aus fossilen oder erneuerbaren Energieträgern sowie aus Kernkraft erzeugt. Zu den fossilen Energieträgern zählen z.B. Kohle, Gas und Erdöl. Aus ihnen wird in Kraftwerken Energie erzeugt. Erneuerbare Energien werden mit Windkraftanlagen aus Wind und mit Solaranlagen aus der Sonnenenergie gewonnen. Während die Kraftwerke ständig Energie ins System einspeisen können, liefern Wind und Sonne Energie immer abhängig vom Wind, der gerade weht und dem aktuell verfügbaren Sonnenschein.
Die Energie wird auf der anderen Seite vorwiegend durch Privathaushalte und die Wirtschaft (Unternehmen, Industrie etc.) verbraucht. Nachts, wenn alle schlafen und weniger Unternehmen arbeiten, ist der Energieverbrauch geringer und steigt tagsüber mit der Aktivität der Wirtschaft an. Morgens und abends wird zudem in den Privathaushalten mehr Energie verbraucht, bevor die Menschen zur Arbeit gehen bzw. nachdem sie von selbiger heimkehren.

Beide Seiten werden durch das Stromnetz verbunden. Hier müssen die Betreiber immer für ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch sorgen. Wird entweder mehr oder aber weniger Energie ins Stromnetz eingespeist als auf der anderen Seite bei den Verbrauchern benötigt wird, bricht das Stromnetz zusammen. Elektrische Energie kann in den Verbundnetzen nämlich kaum gespeichert, sondern nur zwischen Erzeuger und Verbraucher verteilt werden. Der eingespeisten Energie muss deshalb zu jedem Zeitpunkt ein gleich großer Verbrauch gegenüberstehen. Deshalb sorgt ein ausgeklügeltes System für ein beständiges Gleichgewicht im Stromnetz und jederzeit für eine einheitliche Frequenz. Im europäischen Stromsystem beträgt diese Frequenz 50 Hertz.

Der Energie-Mix aus fossilen und erneuerbaren Energien und derzeit noch der Kernkraft, der ins Stromnetz eingespeist wird, muss also immer genau auf den aktuellen Verbrauch abgestimmt werden. Wird von einem Energieträger mehr Energie geliefert, muss ein anderer Energieträger entsprechend reduziert werden. Dabei muss aber jederzeit und zuverlässig so viel Energie lieferbar sein, wie von den Verbrauchern benötigt wird.
Das Stromnetz wird also in dieser vereinfachten Darstellung von drei Akteuren bestimmt: den Energieerzeugern, den Verbrauchern und den Betreibern des Stromnetzes.

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2. Energiespeicher – Herausforderung der Zukunft

Heute ist eine Speicherung von Energie im Stromnetz in großen Maßstäben nicht möglich. Wird also zu viel Energie erzeugt, kann diese nicht für Zeiten mit Energiemangel zwischengespeichert werden. Deshalb müssen die erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne auch künftig immer durch andere Energieerzeuger ersetzt werden können, wenn Wind und Sonne ausbleiben. Mit dem beschlossenen Atomausstieg können das in den erforderlichen Kapazitäten in Deutschland nur Kohle- bzw. Gaskraftwerke leisten. Zwar wird eifrig an der Erforschung von Speichertechnologien für große Energiemengen geforscht. Experten gehen heute aber davon aus, dass erst nach 2020 überhaupt Aussagen möglich sind, welche Speichertechnologien für eine Anwendung im großen Energiesystem die richtigen sind. Diese müssen dann aber erst entwickelt und für die Anwendung umgesetzt werden. Niemand kann heute sagen, wann Energiespeicher im großen Maßstab zur Verfügung stehen und die Sicherheit der Kraftwerke überflüssig machen können. Selbst wer heute davon ausgeht, dass wir in 20-30 Jahren eine solche Lösung haben werden, betreibt Kaffeesatzleserei.

Heute können lediglich Pumpspeicherwerke bei einem Energieüberschuss diesen nutzen und Wasser aus einem Fluss oder Unterbecken in ein Oberbecken pumpen, um dann bei Energiemangel das Wasser abfließen zu lassen und die daraus erzeugte Energie wieder ins Stromnetz abzugeben. Das spielt aufgrund der wenigen Anlagen dieser Art sowie des lediglich kurzfristigen Ausgleichs für die wachsenden Anforderungen an eine langfristige Speicherung allerdings kaum eine Rolle.

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3. Der Energiemix im Wandel

Das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) regelt seit seiner Einführung im Jahr 2000 den Wandel des deutschen Energiesystems weg von Kernkraft und den fossilen hin zu den erneuerbaren Energieträgern, das sind neben Wind und Sonne auch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Die langfristige Bedeutung dieses Vorhabens ist mit einem Blick auf Klima und Umwelt unbestritten. Das EEG beinhaltet vor allem zwei zentrale Vorteile zur Förderung erneuerbarer Energien:

1. Vorfahrt ins Stromnetz: Erneuerbare Energien haben im deutschen Stromnetz Vorfahrt und sind immer vorrangig einzuspeisen. Sobald der Wind weht und die Sonne scheint, müssen die Netzbetreiber also zuerst die resultierende erneuerbare Energie ins Stromnetz aufnehmen.

2. Sicherheit für die Erzeuger: Wer Windkraftanlagen oder Solarparks betreibt, erhält dank des EEG für die folgenden 20 Jahre nach der Inbetriebnahme einen Preis für die erzeugte Energie garantiert. Das gilt vollkommen unabhängig davon, ob diese Energie auch tatsächlich benötigt wird. Damit sollen Erzeuger von erneuerbarer Energie eine Sicherheit für ihre Investition in entsprechende Anlagen erhalten.

Das EEG wurde bereits im Jahr 2000 beschlossen und seitdem mehrfach angepasst. Es hat zu einem erheblichen Ausbau insbesondere der Windkraft- und Solaranlagen geführt. Da somit auch immer mehr Strom aus erneuerbaren Energieträgern Vorfahrt ins Stromnetz hat, müssen andere Energieträger entsprechend flexibel auf die Schwankungen bei Windkraft und Sonnenschein reagieren, um das Gleichgewicht im Energiesystem zu gewährleisten.

Die Zunahme erneuerbarer Energien hat bereits heute einen starken Einfluss auf den Energiemix. Strom wird wie alle Güter einer Volkswirtschaft auf einer Art Strommarkt gehandelt – und hier bestimmt der Preis die Reihenfolge, in der Energieträger zum Einsatz kommen. Günstige Energieträger werden von den Netzbetreibern sozusagen zuerst eingekauft – und bei Mehrbedarf im System dann auch die Kostenintensiveren. Die Reihenfolge der Energieträger mit ihren Preisen auf dem Strommarkt von günstig nach teuer gestaltet sich heute wie folgt:

  • Braunkohle
  • Atomenergie
  • Steinkohle
  • Gas
  • Sonderposition: Pumpspeicherwerke

Der Kraftwerkseinsatz nach dem Merit-Order-Prinzip

Der Kraftwerkseinsatz nach dem Merit-Order-Prinzip

Der Preis, den ein Energieerzeuger auf dem Markt erhält, entspricht dabei immer dem Preis des teuersten benötigten Energieträgers. Wenn so viel Energie nachgefragt wird, dass die Leistung der Kraftwerke für Kohle, Atom und Gas benötigt wird, erhalten auch die Erzeuger von Kohle- und Atomstrom den höheren Gaspreis auf den von ihnen gelieferten Strom. Reicht bei weniger Bedarf die Leistung der Braunkohle- und Atomkraftwerke aus, erhalten diese den günstigeren Preis für Atomstrom, während die Steinkohle- und Gaskraftwerke gar keinen Strom liefern. Je mehr Energie nachgefragt wird, desto stärker profitieren also die Erzeuger der günstigen Energieträger. Für Erzeuger erneuerbarer Energie gilt dies nicht, sie erhalten jederzeit den garantierten Festpreis.

Da erneuerbare Energien Vorfahrt haben und in immer größerer Menge in das Energiesystem eingespeist werden, sinkt der Bedarf an den anderen Energieträgern. Augenblicklich bedeutet das, dass insbesondere Energie aus Erdgas aufgrund ihrer höheren Kosten immer seltener nachgefragt wird. Gaskraftwerke werden damit immer unwirtschaftlicher und aus dem Markt gedrängt.

Braunkohle als günstigster Energieträger hatte hingegen in den vergangenen Jahren immer den größten Anteil aller Energieträger an der deutschen Stromerzeugung und wird in den kommenden Jahren in jedem Fall den größten Anteil unter den konventionellen Energieträgern behalten. Da durch die zunehmende Menge erneuerbarer Energie aber immer seltener teure Energieträger zum Zuge kommen und somit auf dem Strommarkt dann auch alle anderen Energieträger einen geringeren Preis erhalten, verdienen auch günstige Energieträger immer weniger.

Anteile der Energieträger 2013

Eine Sonderrolle kommt den Pumpspeicherwerken zu. Sie nutzten früher meist billigen Nachtstrom, um Wasser ins Oberbecken zu pumpen und lieferten ihre Energie dann tagsüber genau zu den Zeiten, in denen kurzfristig viel Energie benötigt und auch teurer vom Netzbetreiber eingekauft wurde. Sie sind noch heute die einzigen großtechnischen Anlagen, die durch ihre Funktionsweise Energie zwischenspeichern und wieder freisetzen können. Je größer die möglichen Preisdifferenzen, desto besser konnten sie also ihre Funktion erfüllen. Durch die Zunahme erneuerbarer Energie im System nehmen heute die Preisschwankungen ab, auch in Zeiten mit großem Energiebedarf wird weniger zusätzliche Energie benötigt und zudem müssen auch Pumpspeicherwerke durch das Auf und Ab bei Wind und Sonne immer flexibler reagieren. Ihr wirtschaftlicher Betrieb gestaltet sich durch die Veränderungen in Energiewirtschaft und Energiepolitik immer schwieriger, sodass die Zukunft der aktuell einzigen ernstzunehmenden Speichertechnologie infrage steht.

Eine weitere einschneidende Änderung erfährt der Energiemix schon heute durch den Atomausstieg . Mit dem Abschalten der ersten Atomkraftwerke und dem finalen Ausstieg im Jahr 2022 muss ein Energieträger ersetzt werden, der noch 2013 mit gut 15 % einen genauso großen Anteil an der deutschen Stromerzeugung hatte wie Energie aus Wind, Sonne und Wasser zusammen.

Das EEG und die deutsche Energiewende werden in einem folgenden Teil dieser Serie ausführlicher betrachtet und hier nur kurz kritisch gewürdigt. Heute verfügen 65 Länder weltweit über ähnliche Gesetze, die oft ganz unterschiedlich ausgerichtet sind. Folgen des deutschen EEG sind eine deutliche Steigerung des Strompreises, da die Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien letztendlich über Energiepreise von allen zu bezahlen sind. Selbst wenn Erzeuger erneuerbarer Energie nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, erhalten sie den garantierten Preis für erzeugten Strom. Ein großes Problem stellt in diesem Zusammenhang zudem der Ausbau des Stromnetzes dar, um z.B. die im Norden Deutschlands anfallende Windkraft künftig auch in den Süden des Landes verteilen zu können. Ein direkter Effekt des EEG auf das Klima kann sehr skeptisch gesehen werden, da die Emission des klimaschädlichen CO2 auf europäischer Ebene geregelt wurde – was hier an solchen Emissionen eingespart wird, kann dann also andernorts in Europa emittiert werden, sodass der Gesamteffekt fürs Klima gleich Null ist. Außerdem muss der Strombedarf Deutschlands jederzeit gesichert werden – auch wenn Sonne und Wind ausbleiben. Deshalb gewinnt bei einer weiteren Steigerung des Anteils erneuerbarer Energie und Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen für konventionelle Energieerzeuger auch die Versorgungssicherheit an Bedeutung – zumindest so lange Energie noch nicht gespeichert werden kann.

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4. Grundlast, Mittellast und Spitzenlast

Grundlast, Mittellast und SpitzenlastZur Erklärung der Bedeutung Lausitzer Braunkohle im Energiesystem werden oft die Begriffe Grundlast, Mittellast und Spitzenlast verwendet. Darunter ist folgendes zu verstehen:

Grundlast: Die Grundlast ist die Energiemenge, die kontinuierlich und jeden Tag 24 Stunden lang benötigt wird.

Mittellast: Tagsüber steigt der Energiebedarf durch die Tätigkeit der Wirtschaft an, diese Steigerung wird als Mittellast bezeichnet.

Spitzenlast: Sie beschreibt kurze Zeiträume mit sehr hohem Energiebedarf, wie z.B. den Feierabend in Wintermonaten, wenn private Haushalte in kurzer Zeit viel Energie verbrauchen.

Als grundlastfähige Energieträger bezeichnet man solche Energieträger, die rund um die Uhr sicheren Strom produzieren können. Dazu zählen aufgrund fehlender Speicherbarkeit nicht Wind und Sonne, sondern z.B. konventionelle Kraftwerke für Kohle, Gas oder Kernenergie.

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5. Die Bedeutung Lausitzer Braunkohle

Energieerzeugung aus Lausitzer Braunkohle bringt für die Gesellschaft Vor- und Nachteile mit sich. Von diesen vollkommen unabhängig erfüllt sie aber wesentliche Funktionen im Energiesystem, die bei der kohlekritischen Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit wenig Beachtung erfahren.

Versorgungssicherheit: Ein Viertel des deutschen Stroms stammt aus der Braunkohle, etwa jede zehnte verbrauchte Kilowattstunde aus der Lausitzer Braunkohle . Die kleine Lausitz versorgt ein Zehntel Deutschlands mit Strom. Lausitzer Braunkohlekraftwerke liefern rund um die Uhr zuverlässig große Mengen an Strom. Sie gewährleisten sowohl der Wirtschaft als auch der Bevölkerung eine sichere Stromversorgung. Sie leisten den entscheidenden Beitrag zur jederzeitigen Sicherung der Grundlast, auch nachts bei Windstille. Diese Aufgabe kann in Deutschland aus heutiger Sicht auch langfristig kein anderer Energieträger übernehmen, da der Atomausstieg beschlossen ist und für Erdgas in Deutschland nicht einmal die notwendigen Kapazitäten bestehen.

Chance für die Energiewende: Lausitzer Braunkohle ermöglicht durch eine zunehmende Flexibilität die Energiewende. Die Lausitz verfügt über den weltweit modernsten Braunkohle-Kraftwerkspark. Heute können Lausitzer Kraftwerke in Minutenschnelle auf Veränderungen im Energiemix reagieren und ihre Leistung um ca. zwei Drittel reduzieren oder steigern. Damit machen sie im Stromnetz schnell Platz für erneuerbare Energien, sorgen aber bei deren Ausbleiben genauso schnell wieder für Versorgungssicherheit.

Unabhängigkeit: Braunkohle ist der einzige heimische fossile Energieträger. Der Umfang der Lagerstätten kann Deutschland noch 200 Jahre unabhängig machen – z.B. von russischem Erdgas oder amerikanischem Fracking-Gas. Wir wissen heute, dass Energie als zentraler Faktor für den Erfolg einer Nation beständig an Bedeutung zunimmt. Ein Verzicht auf Lausitzer Braunkohle bedeutet auch Verzicht auf Unabhängigkeit von den großen Energielieferanten.

Preisstabilität: Lausitzer Braunkohle wird subventionsfrei abgebaut und ist der günstigste Energieträger im deutschen Markt. Sie gewährleistet die Bezahlbarkeit von Energie. Viele Menschen kritisieren schon heute die teuren Strompreise in Folge der Finanzierung der Energiewende und der Förderung der erneuerbaren Energien. Beim Verzicht auf Lausitzer Braunkohle würden die Energiepreise weiterhin deutlich steigen.

Netzstabilität: Die Zunahme erneuerbarer Energien, die abhängig von Wind und Sonne in einem ständigen Auf und Ab ins Stromnetz eingespeist werden, stellen die Netzbetreiber vor immer größere Herausforderungen. Sie müssen trotz der zunehmenden Dynamik immer ein Gleichgewicht und die einheitliche Frequenz von 50 Hertz im deutschen Stromnetz gewährleisten. Die leistungsstarken Braunkohlekraftwerke übernehmen heute für die Netzbetreiber Schlüsselfunktionen, um für eine Stabilität im Stromnetz zu sorgen und Zusammenbrüche desselben zu vermeiden. Zu dieser Leistung ist abgesehen von der verabschiedeten Kernenergie heute kein weiterer Energieträger in der Lage.

Forschung und Entwicklung: In Lausitzer Kraftwerken wird gemeinsam mit verschiedenen technischen Hochschulen und Instituten geforscht, um die Kraftwerke noch klimafreundlicher und flexibler zu gestalten. Es werden neue Technologien entwickelt und angewandt, die weltweit zum Klimaschutz beitragen können. Da Braunkohle als günstiger und verfügbarer Energieträger auf der Erde weiter auf dem Vormarsch ist, sind Erkenntnisse aus der Lausitzer Forschung und Entwicklung so wichtig. Sie helfen nicht nur Deutschland bei der Erfüllung der Klimaziele, sondern können auch anderen Ländern den Weg zu einer machbaren Energiewende ebnen.

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6. Nachteile der Energiegewinnung aus Braunkohle

In der öffentlichen Diskussion werden vor allem die Nachteile der Energieerzeugung aus Lausitzer Braunkohle betont. Während einige Nachteile unbestritten sind, stellt sich Vieles bei genauer Betrachtung und in den tatsächlichen Auswirkungen oft ganz anders dar. Die wichtigsten, öffentlich diskutierten Nachteile werden hier kurz bewertet, aber in späteren Folgen dieser Serie noch einmal ausführlich dargestellt.

Schadstoffemission: Energieerzeugung aus Braunkohle setzt klimaschädliches CO2 frei, das für die Erderwärmung verantwortlich gemacht wird. Dafür gibt es zwei Lösungen: den Ausstieg aus der Braunkohle oder die Vermeidung der CO2-Emission. Die CCS-Forschung versucht, das CO2 aus den Abgasen zu filtern, zu nutzen bzw. zu speichern und so als künftigen Rohstoff zu erhalten. Sie ist wichtig, weil CO2 auch bei vielen Prozessen z.B. in der Stahlindustrie oder Baustoffindustrie freigesetzt wird. Damit geht die Bedeutung von CCS fürs Klima weit über die Energieindustrie hinaus. Leider hat die deutsche Politik beeindruckt von Bürgerprotesten und aufgrund unterschiedlicher Länderinteressen keine verlässlichen Grundlagen für die Entwicklung einer solchen Technologie geschaffen, sodass die weitere CCS-Forschung in anderen Ländern erfolgt. Die Bemühungen der Forschung um eine Technologie für die Lösung der CO2-Problematik sind aber weltweit ungebrochen – und mit einem Blick aufs Weltklima und die Vielzahl der industriellen Prozesse, bei denen CO2 emittiert wird, sind sie auch eine entscheidende Antwort. Der Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle, die nach heutigen Schätzungen für ca. 0,8 % der weltweiten CO2-Emissionen zuständig ist, bliebe fürs Weltklima nicht einmal spürbar.

Heimatverlust: Der Abbau der Braunkohle in großflächigen Tagebauen erfordert bei deren Erweiterung immer wieder die Umsiedlung von Gemeinden, verbunden mit vielen persönlichen Schicksalen. Das ist ein schwerer Eingriff in Lebensentwürfe und soziale Strukturen. In der Lausitz wird der Prozess einer Tagebauerweiterung deshalb in einem hochdemokratischen Prozess über Jahre hinweg vorbereitet. Dabei werden Betroffene und Vertreter der Gemeinden sowie Wirtschafts- und Umweltverbände einbezogen. Menschen, die Haus und Hof verlieren, werden nicht nur entschädigt. Mit dem sogenannten „Lausitzer Weg“ wird versucht, neue Heimat zu schaffen. So werden Dörfer umgesiedelt und nach den Wünschen der Betroffenen gestaltet, die dann oft von neugewonnenen Strukturen wie Kita oder Schule, Bürgerzentrum oder Sportplatz profitieren. In der Realität arrangiert sich die große Mehrheit der Betroffenen gut mit der Situation – was man an der stabilen Struktur in den neu entstehenden Gemeinden nachweisen kann. Der Prozess der Umsiedlung ist zur Absicherung der Energie für die Allgemeinheit erforderlich, das wurde auch vom Bundesverfassungsgericht so entschieden. In der Lausitz haben wir sicher noch die besondere Situation, dass hier die gesamte Region von der Braunkohlewirtschaft abhängig und kein weiter ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor vorhanden ist. Ein Aus der Lausitzer Braunkohle hätte eine massive Abwanderung insbesondere junger Menschen zur Folge – dieser Heimatverlust würde nach Schätzungen Zehntausende betreffen. Auch das relativiert in der Lausitz die Diskussion um Heimatverlust.

Landschaft: Der Braunkohletagebau verändert die Landschaft. Umweltverbände arbeiten mit Schreckensszenarien aus dunklen Erdmassen und zerstörten Landschaften wie auf einem weit entfernten, trostlosen und unbewohnbaren Planeten. Natürlich wird jahrhundertealte Erde abgetragen, um die Braunkohle darunter zu fördern. Eine Schädigung der Kulturböden lässt sich nicht vermeiden. Das Grundwasser muss abgesenkt werden und davon wird auch das Umfeld der Tagebaugebiete betroffen. Was verschwiegen wird, sind aber die Verpflichtungen und darüber hinausgehenden Bemühungen um die Rekultivierung der sogenannten Bergbaufolgelandschaften. So entstehen nicht nur Seengebiete und landwirtschaftlich nutzbare Flächen, sondern auch Naturschutzreservate, Erlebnisparks und Tourismusgebiete. In der Lausitz werden heute im Bereich der Bergbaufolgelandschaften weltweit einzigartige Forschungsprojekte betrieben. Selbst die braune Spree hat mit heutigen Tagebauen nichts zu tun und ist eine Folge fehlender Maßnahmen bei alten Tagebauen aus DDR-Zeiten. Übrigens: im Gegensatz zu allen anderen Energieträgern muss bei der Braunkohle schon vor dem Abbau die vollständige Rekultivierung geregelt sein und die Mittel dafür werden bereits in der Zeit des Abbaus bereit gestellt. Während niemand weiß, was einmal mit den unzähligen Solarpanelen samt ihren Schadstoffen passiert, sind bei der Braunkohle bereits vor Beginn des Abbaus alle Folgen festgelegt.

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Auch das sollte man wissen

Anteil erneuerbarer Energien

Der Anteil erneuerbarer Energie am deutschen Strom beträgt heute insgesamt nicht einmal 25 %. Dennoch macht ein unkontrollierter weiterer Ausbau keinen Sinn, er wurde deshalb auch von der Bundesregierung geregelt. Selbst wenn in bestimmten Zeiten mit viel Wind und Sonne der Energieverbrauch zu 100% aus erneuerbaren Energien gedeckt werden könnte, müssen die Kraftwerke im Betrieb bleiben, um bei einem Nachlassen von Sonne und Wind sofort wieder die Lücke schließen zu können. Da die Kraftwerke also gebraucht werden, liefern sie schon zwangsläufig einen gewissen Anteil der Energie – und solange ihre Bedeutung für das deutsche Stromnetz so grundlegend sind, müssen sie auch wirtschaftlich arbeiten können. Die starke Lobby der erneuerbaren Energien möchte natürlich gern ungebremst ausbauen, zumal das EEG für 20 Jahre sichere Einnahmen garantiert. Das müssen aber alle Menschen zahlen und es macht für die Allgemeinheit keinen Sinn, solange keine Speichertechnologien vorhanden sind.

Ausbau Stromnetz

Der Ausbau des Stromnetzes wird in Deutschland zwar vorangetrieben. Heute weiß aber niemand, wann die wichtigen Trassen von Nord nach Süd und Ost nach West tatsächlich fertiggestellt sind. Auch hier ist von langjährigen Planungsprozessen auszugehen. Zudem kollidieren Länderinteressen, da z.B. Bundesländer im Süden gern eigene, neue Kraftwerke und damit Wirtschaftskraft hätten Windenergie aus dem Norden oder Braunkohlestrom aus dem Osten. Wir wissen heute nicht, wann das Stromnetz als Grundlage zur Verteilung erneuerbare Energien fertig sein wird.

Speicherbarkeit von Energie

Auch wenn Werbespots suggerieren, Energie sei heute schon speicherbar, trifft das für das Energiesystem nicht zu. Energie lässt sich lediglich in kleinen Mengen und sehr kleinen Kreisläufen und mit entsprechenden Verlusten speichern. Im großen Maßstab können das nur Pumpspeicherwerke. Wann großtechnische Speichertechnologien zur Verfügung stehen werden, kann niemand sagen. Experten gehen davon aus, das ca. 2020 Aussagen möglich sind, welche Technologien die richtigen sein könnten. Diese müssen dann aber erst entwickelt und umgesetzt werden, was weitere Jahrzehnte in Anspruch nehmen kann. Nach heutigem Stand der Dinge wird aber bis zu deren Umsetzung sichere Energie wie aus der Lausitzer Braunkohle gebraucht. Wer heute meint, wir könnten in 20 Jahren ganz sicher auf Lausitzer Braunkohle verzichten, der ist schlichtweg unseriös.

Die Rolle der Umweltverbände

Greenpeace & Co. machen gegen Lausitzer Braunkohle mobil. Viele Argumente, z.B. auf das Weltklima oder den Heimatverlust bezogen, relativieren sich bei genauer und sachlicher Betrachtung. Zudem blenden viele Menschen in der aktuellen Debatte aus, was die logische Konsequenz für Deutschland ist: zuerst forderten die Umweltkonzerne den Ausstieg aus der Atomenergie (erst durch Fukushima wurde dieser Ausstieg unabhängig von den Umweltverbänden Realität), jetzt aus der Kohle – Insider wissen längst, dass später das Gas folgen soll. Gewollt ist ein Verzicht auf alle fossilen Energieträger. Deutschland wäre im Energiebereich deindustrialisiert, Hunderttausende Arbeitsplätze vernichtet, alle würden den Strom immer teurer bezahlen – und bei Notwendigkeit hätten wir keine Versorgungssicherheit mehr. Dann würden wir Braunkohlestrom aus Ost oder Südeuropa oder sogar Atomstrom aus Skandinavien nutzen müssen. Die Industrien in Europa wären dankbar für diesen deutschen Sonderweg. Hier lohnt ein Blick in viele andere Länder und deren Umgang mit ihrem Energiesystem, wobei man immer die Möglichkeiten und Besonderheiten des jeweiligen Landes betrachten muss. In jedem Fall lohnt es sich, die Argumente der Umweltverbände, die ihren eigenen Interessen folgen, im Sinne des Allgemeinwohls zu hinterfragen.

Wenn in dieser vereinfachten Darstellung von Energie die Rede ist, so ist damit immer Elektroenergie gemeint.

 

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