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Teil 3: Die Energiewende und die Lausitzer Braunkohle

Einer Erklärung und Kritik zur Energiewende folgt eine Betrachtung der verschiedenen Interessen- und Lobbygruppen, bevor auf die heutige Situation der Lausitzer Braunkohle und ihre Möglichkeiten im Rahmen der Energiewende eingegangen wird.

Das erfahren Sie hier

  • Das steckt hinter der Energiewende
  • Warum die Energiewende nicht funktioniert
  • Wieso die Öffentlichkeit über die Probleme hinweg getäuscht wird
  • Warum ein Ausstieg aus Atom- und Kohle unmöglich ist
  • Folgen verschiedener Entscheidungen zur Zukunft Lausitzer Braunkohle

 

Bitte beachten Sie: Die Darstellungen im Rahmen der Serie „Einfach erklärt“ sind vereinfacht und sollen auch Laien ein Verständnis für die aktuelle Debatte um die Energiewende und die Lausitzer Braunkohle ermöglichen. Wir empfehlen zum besseren Verständnis, die Serie beginnend mit Teil 1 und dann logisch aufsteigend zu nutzen.

Gliederung

1. In eigener Sache

2. Die Energiewende

2.1. Die Energiewende und ihre Ziele
Die Ziele der Energiewende
Endenergie und Strom (Elektroenergie)

2.2. Aktueller Stand und Probleme der Energiewende
Wind- und Solarenergie
Bioenergie
Wasserkraft
Erdwärme

2.3. Die Entwicklung von Wind- und Sonnenenergie
Die Schwankungen und das Stromnetz
Der ungewisse Netzausbau
Probleme der Speicherbarkeit

PumpspeicherkraftwerkeMethanisierung oder Power to GasElektromobilitätBatteriespeicher

Die Versorgungssicherheit
Grüner Strom

2.4. Wie sieht das Ausland die deutsche Energiewende?

2.5. Kritik zur Energiewende
Die Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien
Atom- und Kohleausstieg
Senkung der Emissionen
Energiewende ins Nichts

3. Die getäuschte Öffentlichkeit

Interessengruppen

WirtschaftEnergieindustrieGewerkschaftenPolitikUmweltverbändeMedienBevölkerung

4. Energiewende und Lausitzer Braunkohle

4.1. Die Klimaproblematik

4.2. Der Packesel der Erneuerbaren

4.3. Verzicht auf Atom- und Kohlestrom

4.4. Situation in der Lausitz
Das sinnlose Opfer
Ausstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten
Hoffnungsträger Forschung

5. Fazit

 

1. In eigener Sache

Aufgrund vieler Hinweise und Rückmeldungen wollen wir in Teil 3 noch einmal die Energiewende vertiefen und darauf eingehen, welche Folgen unterschiedliche Entscheidungen zur Zukunft der Lausitzer Braunkohle für die Lausitz, ganz Deutschland und die Welt haben würden. Das bedarf einer entsprechenden Ausführlichkeit. Ab Teil 4 widmen wir uns dann konzentriert ausgewählten Themenfeldern rund um die Lausitzer Braunkohle wie z.B. Heimatverlust und Umsiedlung, Klimaeffekten und Landschaftswandel. Ebenso möchten wir nochmals darauf hinweisen, dass der Verein Pro Lausitzer Braunkohle e.V. mit der Serie „Einfach erklärt“ kein Expertenwissen vermittelt. Vielmehr bemühen wir uns, allen Menschen sehr komplexe Zusammenhänge um Energie und Lausitzer Braunkohle einfach verständlich zu vermitteln. Wir freuen uns sehr über Kritik und Anregungen und verstehen diese Beiträge auch als Prozess, wir prüfen alle Hinweise und nehmen diese gern auch nachträglich auf, wenn es zum Verständnis beiträgt. Insofern kann es sein, dass Beiträge dieser Serie Ergänzungen oder Korrekturen erfahren.

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2. Die Energiewende

Grundsätzlich verstehen die Menschen unter der Energiewende, dass wir in Deutschland unsere Energie künftig nur noch aus umweltfreundlichen Energieträgern gewinnen wollen. Viele meinen, dass wir dabei mit den vielen Windrädern und Solaranlagen auf einem guten Weg sind und haben durch Medienberichte über Forschungsprojekte oder erste Tests auch den Eindruck, dass wir schon bald Energie aus Wind und Sonne speichern und damit auf Atom- und Kohlestrom verzichten können. Aufgrund dieses von Politikern und Medien geschaffenen Meinungsbildes sind bundesweit geschätzt 85% der Bevölkerung für den Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom. Leider ist das Meinungsbild falsch und geht meilenweit an den Realitäten vorbei. Ein Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom ist schlichtweg unmöglich oder aber mit katastrophalen Folgen für uns verbunden. Zudem sind wir trotz etlichen Milliarden an Kosten bei der Energiewende im Grunde kaum einen Schritt vorwärts gekommen. Der Hauptteil dieser Kosten betrifft dabei die ca. 23 Milliarden Euro pro Jahr für die sogenannte EEG- Umlage. Sie ist durch alle, auch durch die ärmsten Stromverbraucher, zu zahlen und stellt eigentlich eine sittenwidrige Umverteilung des Geldes von unten nach oben dar. Auch der Hartz IV-Empfänger finanziert die Solaranlage der Eigenheimbesitzer mit. So schadet eine Energiewende, die nicht vorwärts kommt, vor allem den Ärmsten in Deutschland. Das die Energiewende tatsächlich ins Nichts führt, beweist die aktuell veröffentlichte Studie von McKinsey, nach der viele Ziele der Energiewende bis 2020 kaum noch erreichbar sind. Wir werden die Gründe für diese Nachricht, die viele erschrecken mag, hoffentlich aber zumindest zum Nachdenken anregt, in diesem Gliederungspunkt darstellen.

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2.1. Die Energiewende und ihre Ziele

Die Energiewende an sich ist keine deutsche Erfindung. Schon im 19. Jahrhundert wurde in England über die Endlichkeit der Kohlevorräte und Spätfolgen fossiler Energieträger diskutiert. Vereinfacht geht es bei der Energiewende darum, fossile und nicht erneuerbare Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle sowie Atomenergie durch vermeintlich umweltfreundliche erneuerbare Energieträger wie Windenergie, Sonnenenergie, Meeresenergie, Bioenergie oder Erdwärme, zu ersetzen. Man ging davon aus, dass die erneuerbaren Energieträger quasi unbegrenzt zur Verfügung stehen. Das stimmt leider nicht, sie sind aus technischen und geologischen Gründen nicht unbegrenzt verfügbar und in Deutschland zum Teil schon heute ausgeschöpft. „Bioenergie“ ist z.B. in Deutschland kaum noch steigerungsfähig, da die verbleibenden Agrarflächen zwingend für die Nahrungsmittelproduktion benötigt werden.
Auch wenn die Thematik schon lange diskutiert wird, steht Deutschland mit seiner Form der Energiewende heute weltweit absolut allein da. Andere europäische Länder, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatten, haben die Förderung Erneuerbarer Energieträger inzwischen stark beschränkt (z.B. Spanien und Italien) oder ganz aufgegeben (z.B. Tschechien). Es wird zwar auch im Ausland weiter in Erneuerbare Energien investiert, aber meist nur dort, wo es Sinn macht – z.B. in Windkraft bei den skandinavischen Staaten mit vielen windstarken Küsten oder in Solarkraft im sonnigen Mittelmeerraum. Nur Deutschland leistet sich den Luxus, Erneuerbare Energieträger mit absehbar geringem ökonomischen Sinn weiter zu forcieren. Allerdings wurden die Förderungen und der Ausbau zwischenzeitlich schon etwas eingedämmt. Die deutsche Energiewende hat ihre Wurzeln vor allem im Jahr 2000, als mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die ersten staatlichen Förderungen z.B. für Energie aus Solaranlagen und Windrädern festgeschrieben wurden. In diese Zeit fiel auch eine erste Entscheidung zum Atomausstieg, die später revidiert und dann nach dem Tsunami in Fukushima doch weiter vorgezogen wurde.

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Die Ziele der Energiewende

Ziel der Energiewende in Deutschland ist es, bis zum Jahr 2050 Energie hauptsächlich aus Erneuerbaren Energien zu beziehen. Damit einher geht das Ziel, den Energieverbrauch durch eine sparsame und effiziente Nutzung stark zu reduzieren. Im Jahr 2010 beschloss die Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen bis 2050 entscheidend zu reduzieren – also sich nach und nach von Kohle, Öl und Gas zu verabschieden. Erst nach der Festlegung dieser Ziele kam es im Jahr 2011 zum Tsunami an der japanischen Ostküste und zum GAU (größter anzunehmender Unfall) mit Kernschmelze im japanischen Kernkraftwerk Fukushima, der bisher noch keine Strahlentoten forderte. Dem folgte in Deutschland eine Entscheidung zum vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022. Seitdem sind in der deutschen Energiewende folgende Ziele definiert, die offiziell immer noch Bestand haben:

  • Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022
  • Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch bis 2020 auf 18 Prozent, bis 2030 auf 30 Prozent, bis 2040 auf 45 Prozent und bis 2050 auf 60 Prozent.
  • Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf 35 Prozent bis 2020, auf 50 Prozent bis 2030, auf 65 Prozent bis 2040 und auf 80 Prozent bis 2050.
  • Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent, bis 2030 um 55 Prozent, bis 2040 um 70 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent (gegenüber dem Basisjahr 1990).
  • Reduktion des Primärenergieverbrauchs bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent.
  • Steigerung der Energieproduktivität um 2,1 Prozent pro Jahr in Bezug auf den Endenergieverbrauch.
  • Reduktion des Stromverbrauchs bis 2020 um 10 Prozent und bis 2050 um 25 Prozent (gegenüber 2008).
  • Reduktion des Wärmebedarfs in Gebäuden bis 2020 um 20 Prozent und Reduktion des Primärenergiebedarfs um 80 Prozent bis 2050. Die Sanierungsrate für Gebäude soll von ein auf zwei Prozent verdoppelt werden.

Wir betrachten hier vor allem die grundlegenden Ziele der Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien und der Reduzierung von Treibhausgasemissionen.

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Endenergie und Strom (Elektroenergie)

Zum besseren Verständnis der Energiewende ist es wichtig, den Unterschied zwischen Endenergie und Strom (Elektroenergie) zu verstehen. In der deutschen Öffentlichkeit wird leider nur der Bereich Elektroenergie diskutiert, was verschiedene Gründe haben kann. Zum einen sind in diesem Bereich Veränderungen, z.B. durch Solaranlagen und Windräder, sichtbarer, zum anderen kann man hier den Eindruck gewinnen, dass wir mit den Erneuerbaren Energien schon viel erreicht haben. Leider macht dieser Bereich nur 20% des gesamten deutschen Energieverbrauchs aus, des sogenannten Endenergieverbrauchs. Die folgende Grafik stellt den gesamten Endenergieverbrauch Deutschlands im Jahr 2012 dar:

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Quelle: Berechnung des ifo-Instituts

Zur Erklärung: Im Grunde wird der Endenergieverbrauch in die Bereiche Wärme, Verkehr und Strom aufgeteilt. Da in der öffentlichen Diskussion lediglich der Bereich Strom betrachtet wird, in dem Erneuerbare Energien einen Anteil von ca. 25% haben, ist in der Bevölkerung weitgehend unbekannt, dass der Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten deutschen Energieverbrauch nur 12,2 % beträgt. Da gegenüber 2012 z.B. der Anteil des Kohlestroms wieder zugenommen hat, können wir heute davon ausgehen, dass über 85% des deutschen Energieverbrauchs aus fossilen Energieträgern stammen. Den großen Brocken fossiler Energieträger macht also nicht der vieldiskutierte Strom aus, sondern er steckt im Verkehr und der Wärme. Wie ist nun aber der aktuelle Stand der Energiewende und wie ist die Erreichung der Ziele zu werten?

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2.2. Aktueller Stand und Probleme der Energiewende

Wir betrachten zur Vereinfachung mit der Entwicklung des Anteils Erneuerbarer Energien und der Reduzierung der Treibhausgase die wesentlichen Ziele der Energiewende, die auch für Entscheidungen um die Zukunft der Lausitzer Braunkohle maßgeblich sind. Dazu ist es hilfreich, vorab die wichtigsten Erneuerbaren Energieträger in Deutschland etwas genauer unter die Lupe zu nehmen:

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Wind- und Solarenergie

Die in Deutschland so heiß diskutierten und in der Öffentlichkeit sichtbaren Energieträger liefern heute ca. 2,8 % der gesamten Endenergie in Deutschland. Dabei wurden beide Energieträger in jüngster Vergangenheit vor allem im Strombereich in ihrem Ausbau deutlich gebremst. Die Solarenergie mit einer Kürzung der staatlichen Förderung im Jahr 2011 und im vergangenen Jahr auch die Windenergie durch eine Beschränkung des weiteren Windräder-Ausbaus. Beide Regelungen machen vor allem aus zwei Gesichtspunkten Sinn. Sowohl Wind- als auch Sonnenenergie fallen mit sehr starken Schwankungen an, Windenergie zudem vorrangig im dünner besiedelten Norden mit eher weniger Energiebedarf. Fällt viel Energie an, muss sie durch ein effektives Netz dorthin verteilt werden, wo sie benötigt wird, z.B. vom strukturschwächeren Norden in den wirtschaftlich stärkeren Süden Deutschlands. Fällt andererseits viel Energie zu Tageszeiten an, wenn diese nirgendwo benötigt wird, muss sie exportiert oder zwischengespeichert werden, um dann später im Bedarfsfall zur Verfügung zu stehen. Weder heute noch in den kommenden Jahren werden das deutsche Stromnetz oder Speichertechnologien dazu in der Lage sein. Darauf gehen wir bei einer Betrachtung der Speichermöglichkeiten noch genauer ein.

Was im Bereich der erneuerbaren Energien kaum betrachtet wird, ist auch deren Umweltbilanz. Einerseits ist zur Herstellung der Anlagen ebenso Prozessenergie notwendig, die Emissionen verursacht, andererseits werden Materialien verwendet, die bereits jetzt absehbare Probleme mit sich bringen. Dazu zählen z.B. seltene Erden oder Kupfer bei Windrädern. Zudem weiß heute niemand, wie die Anlagen einmal entsorgt werden sollen. Ob Rotorblätter mit ihrer komplexen Materialzusammensetzung oder schadstoffhaltige Solarmodule (z.B. Telluride), die Entsorgungsproblematik und auch deren Kosten sind ungeklärt und es gilt als wahrscheinlich, dass es sich dabei zum Großteil um Sondermüll handeln wird.

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Bioenergie

Egal ob für Strom, Wärme oder Sprit – bei Energie aus Biomasse haben wir es mit einem bedeutenden ethischen Problem zu tun. Es geht um die Konkurrenz der beschränkten Agrarflächen für die Produktion von Energie oder Nahrungsmitteln. Der Spruch „Heizen statt Weizen“ schildert das Problem. Im Jahr 2013 haben 37 Länder der Welt mit heftigen Hungerprotesten gegen die Zunahme der Verwendung von Agrarflächen zur Energieproduktion in den USA reagiert. Bei der weiteren Zunahme der Weltbevölkerung stellt sich künftig ohnehin das Problem der ausreichenden Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln.

Eine im Jahr 2013 unter dem Titel „Bioenergie – Möglichkeiten und Grenzen“ veröffentlichte Studie der renommierten Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ kommt zu dem Schluss, dass Bioenergie in Deutschland bereits jetzt fast ausgereizt ist. Die Agrarflächen, die in Deutschland nicht zur Erzeugung von Bioenergie genutzt werden, werden dringend zur Herstellung von Nahrungs- oder Futtermitteln benötigt. Bioenergie scheidet somit aus, wenn es künftig um eine weitere Steigerung der Erneuerbaren Energieträger in Deutschland geht.

Bereits heute verbrennt Deutschland Energiepflanzen in großem Maß und führt Futtermittel aus dem Ausland ein – für die Landwirte ist die Lieferung der Zutaten für Bioenergie einfach lukrativer, sodass viele auch die notwendige Fruchtfolge zum Erhalt der Böden außer Acht lassen. Die Monokultur der Energiepflanzen, vorrangig Mais, zerstört die Böden und laugt sie aus und steht im krassen Gegensatz zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Bio ist also nicht gleich Bio!

Phänomene wie der Sandsturm an einer Autobahn Richtung Ostsee, der viele Tote forderte und über den ausführlich in den Nachrichten berichtet wurde, sind auf ausgelaugte Böden infolge der Konzentration auf Bioenergie zurückzuführen. Ähnliche Probleme treten auch in anderen Regionen auf. Bei der Ausweitung der Bioenergie wirken sich zudem ironischer Weise auch Förderungen für Wind- und Sonnenstrom negativ aus. Diverse Agrarflächen sind bereits heute durch Solaranlagen oder Windräder zugestellt, weil sich die Förderung aus der EEG-Umlage für Landwirte attraktiver als die landwirtschaftliche Nutzung darstellte.

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Wasserkraft

Wasserkraft gilt ebenso als weitgehend ausgereizt, selbst in den Alpen. Alles, was ohne große Eingriffe in die Umwelt möglich ist, wird bereits genutzt. Bei den wenigen Vorhaben für die Erweiterung dieses Energieträgers wie z.B. den Neubau von Pumpspeicherwerken finden sich wegen der notwendigen Eingriffe in die Landschaft schnell Bürgerinitiativen zusammen, um dies zu verhindern. Zudem wird dieser Energieträger ausgerechnet durch die Vorfahrt von Sonnen- und Windkraft im deutschen Stromnetz immer unwirtschaftlicher.

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Erdwärme

In Deutschland gibt es nur wenige Regionen, in denen Erdwärme nennenswert nutzbar ist. Sie kann im Energiemix nur eine sehr nachrangige Rolle spielen und im Grunde vernachlässigt werden. Sie ist zudem mit nicht vorhersehbaren Risiken verbunden. So steht im pfälzischen Landau das erste deutsche Geothermiekraftwerk, bei dem es nach den ersten zwei Bohrungen zu seismischen Aktivitäten und beständigen Bodenhebungen kam. An vielen Häusern entstanden nachhaltige Schäden und die Bevölkerung ist verunsichert – bereits heute blickt dieses Kraftwerk, in das vor wenigen Jahren 21 Millionen Euro investiert wurden, einer ungewissen Zukunft entgegen.

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2.3. Die Entwicklung von Wind- und Sonnenenergie

Da ethische Probleme einer bedeutenden Ausweitung der Energieproduktion aus Biomasse entgegen stehen und auch andere Energieträger künftig keine Rolle für ein Vorwärtskommen der Energiewende spielen, betrachten wir hier vor allem die aktuellen und künftigen Möglichkeiten einer Steigerung des Anteils im Bereich der Wind- und Sonnenenergie. Dazu sind die zwei besprochenen Grundlagen zu klären: wie sieht es mit dem Ausbau des Stromnetzes aus und wie mit der Speicherbarkeit.

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Die Schwankungen und das Stromnetz

Wind- und Sonnenstrom fallen mit extremen Schwankungen an. 2011 waren in Deutschland knapp 23.000 Windkraftanlagen mit einer beeindruckenden Gesamtleistung von knapp 30 Gigawatt installiert, das entspricht in etwa der Leistung von 30 Atomkraftwerken (die Leistung eines Atomkraftwerks beträgt etwa 1 Gigawatt). Das hört sich erst einmal toll an. Leider gibt es beim Wind aber immense Schwankungen, sodass selten mal über 20 Gigawatt ins Stromnetz fließen und mal gar nichts, meist nur wenige Gigawatt. So betrug über das Jahr hinweg die durchschnittliche Leistung all dieser Anlagen gerade einmal 5 Gigawatt und die gesicherte Leistung, die also wirklich jederzeit zur Verfügung stand, lediglich 1 Gigawatt. Selbst dieses 1 Gigawatt ist fraglich, so kam es im Jahr 2014 trotz des weiteren Ausbaus der Windkraftanlagen mehrfach zu unvorhersehbaren Flauten, bei denen die gesamte deutsche Windkraft gerade mal eine Leistung von wenigen Megawatt brachte. Selbst das windnahe Kasseler Institut IWES gab zu, dass in Deutschland Windflauten bis zu 14 Tagen möglich sind. In diesen Zeiten steht also selbst die angeblich gesicherte Leistung von 1 Gigawatt bei weitem nicht zur Verfügung.
Beim Sonnenstrom sieht es ähnlich aus. So waren in 2011 knapp über 1 Millionen Anlagen installiert, deren Nennleistung bei knapp 25 Gigawatt lag. Deren durchschnittliche Leistung betrug gut 2 Gigawatt, die gesicherte Leistung liegt beim Sonnenstrom bei Null, da nachts keine Sonne scheint. Auch im Winter, wenn die Module verschneit sind, liefern sie fast gar keinen Strom. Nur Mittags ist ihre Leistung relativ hoch. Die täglichen Schwankungen zwischen Null und bei extremem Sonnenschein knapp 13 Gigawatt sind genauso immens wie beim Windstrom. Die Gesamtleistung wird bei beiden Energieträgern nicht im Ansatz erreicht.

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Trotz fortlaufendem Zubau an Windrädern ist der Windertrag an manchen Tagen fast null, bei der Solarenergie sieht es noch krasser aus: Egal, wieviel zugebaut wird, im Winter ist es immer dunkel.

Da Wind- und Sonnenstrom als Erneuerbare Energien aufgrund des EEG Vorfahrt im Stromnetz haben (wie im Teil 2 der Serie „Einfach erklärt“ ausführlicher dargestellt), wird dieser Strom mit seinen immensen Schwankungen immer zuerst ins Stromnetz eingespeist und die Netzbetreiber müssen durch viele Regelmechanismen für Stabilität sorgen. Dazu werden z.B. Atomkraft- und Kohlekraftwerke entsprechend rauf- und runtergefahren. Die Stärke der Schwankungen stellt Netzbetreiber vor immer größere Probleme. Zudem fallen sowohl für den zusätzlichen Aufwand im Stromnetz als auch für den erhöhten Verschleiß der Kraftwerke im Zuge zunehmender Regulierungen Kosten an, die die Wirtschaftlichkeit der Anlagen verschlechtern, den Wirkungsgrad senken und damit auch Emissionen erhöhen.

Bereits heute gibt es bei sogenannten Stromspitzen, wenn also viel Wind- und Sonnenstrom anfallen, einen Stromüberschuss im deutschen Stromnetz. Das liegt an verschiedenen Aspekten. Einerseits können die Kraftwerke nicht vollkommen heruntergefahren werden. Viele Kraftwerke lassen sich nur auf eine bestimmte Leistung herunterregeln oder müssen am Stromnetz bleiben, da sie z.B. auch Fernwärme für Städte produzieren, die beständig benötigt wird. Zudem müssen die Kraftwerke Netzdienstleistungen erbringen, z.B. die Spannungs- und Freqeuenzhaltung sowie die sogenannte Blindleistung regeln, da ansonsten das Stromnetz zusammenbricht. Zu dieser Leistung sind die Erneuerbaren nicht fähig und sie muss auch dann erbracht werden, wenn zuviel Strom im Netz vorhanden ist. Insoweit können viele systemrelevante Kraftwerke gar nicht vom Netz genommen werden. Andererseits müssen die Netzbetreiber auch schnell auf die Kraftwerke zurückgreifen können, wenn Wind und Sonne ausbleiben. Geschieht dies überraschend und es wäre kein Kraftwerk im Standby, kann es ebenso schnell zum Zusammenbruch der Stromversorgung kommen.

Aus diesem Grund und durch den starken Ausbau der Erneuerbaren kommt es in Deutschland in den Spitzenzeiten der Erneuerbaren immer wieder zu Stromüberschuss. Um die Stabilität im Stromnetz zu gewährleisten, wurde dieser Stromüberschuss bislang ins Ausland abgeschoben. Dazu wurde der Strom nicht nur verschenkt, sondern sogar noch Geld dazugegeben, damit das Ausland ihn auch abnimmt. Das ist volkswirtschaftlich gesehen der blanke Wahnsinn! Denn ausgerechnet in diesen Zeiten, wo ein Stromüberschuss durch die Vorfahrt der Erneuerbaren Energien entsteht, erhalten die Betreiber dieser Anlagen jederzeit einen Preis für ihren Strom laut EEG. Letztendlich bezahlt die deutsche Bevölkerung also doppelt: zuerst an den Anlagenbetreiber für den vermeintlich umweltfreundlichen Strom und dann noch einmal ans Ausland, damit der Stromüberschuss nicht die Versorgung gefährdet. Für unsere Nachbarländer ist das allerdings kein Vorteil, da auch sie Probleme mit den durch Deutschland verursachten Schwankungen in ihren Stromnetzen haben. Der billige Strom aus Deutschland gefährdet Kraftwerksstandorte in Nachbarländern und schadet ihnen ökonomisch, so hat er z.B. in den Niederlanden den kompletten Markt der Gaskraftwerke kaputt gemacht. Inzwischen gibt es erste Bemühungen, sich gegen den Überschuss aus Deutschland abzuriegeln und uns das hausgemachte Problem auch zu überlassen. In diesem Fall müssten Anlagen für Erneuerbare Energie zwangsweise vom Netz. Die Betreiber der Sonnen- und Windkraftanlagen erhalten dennoch für ihren dann nicht produzierten Strom einen Preis laut EEG garantiert. Bezahlt wird auch dies durch den Stromkunden, also durch uns alle.

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Der ungewisse Netzausbau

Eine Hilfe könnte im Ausbau des Stromnetzes bestehen, indem z.B. Windstrom aus dem Norden in den Süden geleitet wird. Dazu sind seit 2011 vier zentrale Trassen von Norden nach Süden in Planung, deren Realisierung aber noch nicht absehbar ist. Gegen den Ausbau der Stromtrassen gibt es seit Jahren Proteste betroffener Anwohner, so dass Planungsverfahren entsprechende jahrelange Prozesse benötigen können, bevor überhaupt mit der Umsetzung begonnen werden kann. Deshalb ist heute nicht absehbar, wann und ob diese Trassen in Betrieb gehen können. Zudem haben auch die Bundesländer Interessenlagen, die einem raschen Ausbau der Stromtrassen zum Teil entgegen stehen. Darauf gehen wir im Folgenden bei den Interessen- und Lobbygruppen noch näher ein. Selbst beim Ausbau des Stromnetzes bleiben die Probleme der zunehmenden Schwankungen und der Speicherbarkeit bestehen.

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Probleme der Speicherbarkeit

Die größte Herausforderung für die Energiewende besteht darin, Strom speicherbar zu machen. Weil dazu keine ausreichenden Möglichkeiten in Sicht sind, wurde der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland auch gebremst. In den Medien ist dennoch immer wieder von zuversichtlichen Forschungsprojekten und Pilotversuchen sowie ganz praktischen Projekten die Rede. Viele Berichte suggerieren, dass Strom heute schon speicherbar ist und wir bei der Erforschung auf einem guten Weg sind. Selbst der Energiekonzern e-on stellt in einem Werbespot die Frage, ob Energie heute schon speicherbar ist und beantwortet sie mit ja. Bei vielen Menschen erweckt das den Eindruck, dass wir heute schon in großem Stil Energie speichern können. Das ist leider nicht so. Doch wie sieht es tatsächlich aus? Dazu betrachten wir bestehende Speichermöglichkeiten und die vermeintlichen Hoffnungsträger in der Forschung:

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Pumpspeicherkraftwerke

Pumpspeicherkraftwerke sind heute die einzigen großtechnischen Anlagen, die Strom speichern können. Wenn zu viel Strom im Netz verfügbar und dieser entsprechend billig ist, pumpen sie mit diesem Strom Wasser von einem Unterbecken oder einem Fluss in ein Oberbecken. Die Energie des Stroms wird dann sozusagen im hochgepumpten Wasser zwischengespeichert. Wird dann bei mehr Energiebedarf mehr Strom benötigt als im Netz verfügbar ist, wird das Wasser aus dem Oberbecken abgelassen und mittels Turbinen aus der Wasserkraft Energie erzeugt und diese ins Stromnetz abgegeben. Bei diesem Prozess gehen ca. 25 % der ursprünglichen Energie verloren. Der Betrieb der Pumpspeicherwerke lohnt sich nur, wenn die Differenz der Preise bei Stromüberschuss zum Hochpumpen und bei Strommangel zum Produzieren groß genug ist. Leider sorgt die Vorfahrt für Erneuerbaren Energien im deutschen Stromnetz dafür, dass Pumpspeicherkraftwerke immer seltener zum Einsatz kommen. Die zunehmenden Schwankungen führen zudem auch bei Pumpspeicherkraftwerken zu mehr Regelaufwand und Verschleiß. Ausgerechnet dieser Kraftwerkstyp, der als einziger nennenswert Wind- und Sonnenstrom speichern könnte, steht heute wirtschaftlich immer mehr unter Druck.
In Deutschland gibt es derzeit 35 Pumpspeicherkraftwerke. Wie können sie den derzeit verfügbaren Wind- und Sonnenstrom speichern? Die Ergebnisse sind erstaunlich. Die Leistung des Sonnen- und Windstroms im Jahr 2011 lag zusammen bei durchschnittlich 7 Gigawatt. Dieser jährliche Durchschnitt wäre also die maximale Leistung, die mit Hilfe einer Speichertechnologie ständig verfügbar sein könnte. Das ifo-Institut hat berechnet, wie viele Pumpspeicherkraftwerke notwendig wären, um diese 7 Gigawatt stetig zu ermöglichen: es wären über 3.500 Pumpspeicherkraftwerke, die Kosten wären utopisch und die geologischen Möglichkeiten sind in Deutschland auch gar nicht vorhanden. Wirtschaftlicher erscheint es bei einer Gewährleistung von 4 Gigawatt, hier wären knapp 440 Pumpspeicherkraftwerke notwendig. Aber auch das ist in Deutschland schon aufgrund der notwendigen Standortfaktoren nicht einmal im Ansatz realisierbar, von den Kosten von 100 Milliarden Euro einmal ganz abgesehen. Zudem sprechen wir hier darüber, dass nur ein Teil des Sonnen- und Windstroms, der aktuell gerade einmal 2,8% der deutschen Endenergie ausmacht, speicherbar gemacht wird. Der künftige Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Zunahme ihres Anteils ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Damit ist klar, dass Pumpspeicherkraftwerke für die Energiewende keine Lösung bringen.

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Methanisierung oder Power to Gas

In den Medien taucht unter dem Stichwort „Power to Gas“ immer öfter ein vermeintlicher Hoffnungsträger als Speichermöglichkeit auf. Bei dieser Speichertechnologie wird Strom zu Gas (Methan) gemacht, aus dem dann durch Verbrennung in Gaskraftwerken wiederum Energie produziert werden kann. Das Kernproblem ist, dass bei diesem Prozess 75% der Energie verloren gehen. Auch wenn Millionen und Abermillionen in die Forschung investiert werden, handelt es sich hier um technische Beschränkungen, bei denen keine bedeutenden Steigerungen zu erwarten sind. Bei Pumpspeicherkraftwerken sind es nur 25% Verlust. Wenn aber aus 100 % Erneuerbaren Energien am Ende eines solchen Prozesses nur ein Viertel der Energie übrig bleibt, verteuert sich der Strom um ein Vierfaches. Hans-Werner Sinn, einer der bedeutendsten Wirtschafts-Sachverständigen Deutschlands und Chef des renommierten ifo-Instituts, stellt schon heute fest, dass diese Möglichkeit schon aus ökonomischen Gründen als Speichertechnologie im nennenswerten Umfang ausscheidet. Trotzdem werden Forschungsprojekte in Deutschland weiterhin mit vielen Millionen Euro gefördert.

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Elektromobilität

Ein weiteres großes Vorhaben in Deutschland bestand in der Elektromobilität. Hier hat BMW mit dem Modell BMW i3 einen vermeintlichen Vorreiter auf den Markt gebracht. Ziel ist dabei, die Autos mit Strom aus dem Stromnetz zu „tanken“ und so Erneuerbare Energie zu verwerten. Um mit dieser Speichermöglichkeit die besprochene Leistung von 4 Gigawatt aus Sonnen- und Windstrom zu gewährleisten, wären 22 Millionen BMW i3 notwendig, allein deren Batteriesätze würden zusammen 254 Milliarden Euro kosten. Wollte man den gesamten bereits heute verfügbaren Wind- und Sonnenstrom speicherbar machen, müsste der deutsche Autobestand vervierfacht werden und dürfte nur aus Elektroautos bestehen. Übrigens ist auch das Problem der Elektroautos, die sich nicht durchsetzen, ein Problem der Speicherbarkeit. Da noch kein Prinzip entdeckt wurde, Energie in ausreichenden Mengen oder Größenordnungen zu speichern, sind Elektroautos mit ihren sehr beschränkten Reichweiten keine Alternative für die Mobilität. Was im Kleinen nicht funktioniert, wollen wir jetzt aber schon im Großen anstreben – auch darin ist ein Paradox in der Diskussion um die Energiespeicher zu erkennen.

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Batteriespeicher

Im September 2014 ging mit großem Medienecho das erste kommerzielle Batterie-Kraftwerk in Deutschland ans Netz. Auch hier erweckten Medienberichte den Eindruck, dass diese Lösung mit den Durchbruch bei der Speicherbarkeit Erneuerbarer Energien bringen könnte. Das ist leider nicht so. Das neue Kraftwerk verwendet in keiner Weise innovative Technik. Die Lithium-Ionen Batterien gibt es schon lange und diese Technologie ist für große Mengen Energie nicht geeignet. Die Lithiumvorräte der Welt würden nicht ausreichen, um genug Batterien herzustellen, die zur Speicherung der Erneuerbaren notwendig wären. Zudem ist die Lebenszeit der Batterien auf einige Jahre begrenzt, wie wir das auch von Autobatterien kennen. Im Gegensatz dazu können Pumpspeicherkraftwerke 100 Jahre und länger laufen. Die Technologie ist alles in allem viel zu teuer. In das neue Batterie-Kraftwerk wurden 11 Millionen Euro investiert, es soll jetzt 135 Einwohner im Verbund mit Windrädern etc. autark versorgen. Schon diese Zahlen machen die fehlende wirtschaftliche Dimension offensichtlich. Dennoch werden in Deutschland auch hier Millionen an Forschungs- und Fördergeldern investiert.

Alle diese Zahlenbeispiele bestätigen die aktuelle Aussichtslosigkeit bestehender und in Erforschung befindlicher Technologien. Dazu gibt es sogenannte intelligente Netze und viele weitere Ansätze. Allerdings haben alle Projekte eines gemein: sie sind für die großtechnische Speicherung, wie sie die deutsche Energiewende benötigt, ungeeignet. Experten gehen heute davon aus, dass man trotz aller Forschungsanstrengungen noch bis 2020 brauchen wird, um überhaupt erst zu wissen, welches Prinzip für großtechnische Speicheranlagen geeignet sein könnte. Dieses Prinzip muss dann erst noch erforscht und für entsprechende Großanlagen entwickelt werden. Keiner kann sagen, wie lange das braucht und ob das überhaupt in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gelingt. Es kann auch sein, dass dieses Prinzip in den nächsten Jahrzehnten nicht entdeckt wird. Seit 130 Jahren forscht die Welt daran und hat bis heute keine Lösung gefunden. Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass man Energie im großen Stil überhaupt nicht speichern kann. Natürlich hofft die Welt hier in der Forschung auf den Faktor „Zufall“ und eine überraschende Innovation. Genaue Planungen mit Speichertechnologien sind heute aber unmöglich.

Die aufgezeigten Beispiele für Speichermöglichkeiten zeigen, dass selbst der aktuell geringe Anteil Erneuerbarer Energien an der deutschen Endenergie unmöglich zu speichern ist – oder zu Kosten, die Deutschland in den Bankrott katapultieren würden. Warum werden dennoch Erfolgsnachrichten zu Speichertechnologien vermeldet und der Bevölkerung große Fortschritte vorgegaukelt? Auch dazu gibt es im Bereich Interessen- und Lobbygruppen mehr zu erfahren.

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Die Versorgungssicherheit

Im Rahmen der Energiewende wird auch der Begriff der Versorgungssicherheit immer häufiger diskutiert. Versorgungssicherheit bedeutet, dass jederzeit der Strom im Stromnetz zur Verfügung steht, der durch Wirtschaft und Privathaushalte benötigt wird. Genau an dieser Stelle wird auch deutlich, wie absurd die Forderungen grüner Politik und der Umweltverbände nach Atom- und Kohleausstieg sind. Die gesicherte Leistung aus Sonnen- und Windstrom beträgt zusammen 1 Gigawatt, trotz unzähliger Anlagen mit knapp 55 Gigawatt theoretisch möglicher Gesamtleistung. Da Strom nicht speicherbar ist, muss er bei Ausbleiben von Wind und Sonne zu jedem Zeitpunkt von anderen Energieträgern lieferbar sein. Würden wir z.B. die Kraftwerke abschalten und müssten sie beim immer wieder sprunghaften Ausbleiben Erneuerbarer Energie erst anschalten und hochfahren, käme es zum Zusammenbruch des Stromnetzes und wir hätten zumindest zeitweise das vorindustrielle Zeitalter zurück.
Selbst bei einem beträchtlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien – und sollte es eine derzeit unmögliche Verdopplung oder Verdreifachung der Anlagen sein, würde sich an diesem Zahlenspiel kaum etwas ändern. Viel zu gering ist die gesicherte Leistung aus Erneuerbaren Energien. Zur Erinnerung hier noch einmal die Anteile der zur Versorgungssicherheit relevanten Energieträger an der deutschen Endenergie:

  • Wind- und Sonnenstrom 2,8 %
  • Atomstrom 3,3 %
  • Kohlestrom 8,9 %

Im ohnehin geringen Anteil an Sonnen- und Windstrom ist auch deren überschüssig und unnötig produzierte Energie enthalten. Es gibt auch immer wieder Stunden, in denen beide Energieträger so gut wie keinen Strom liefern, Flauten mit sehr geringen Erträgen über zwei Wochen hinweg sind bei Sonnen- und Windstrom Realität. Die ungewisse Stromproduktion der Erneuerbaren kann den mehr als vier Mal so starken Bereich aus Atom- und Kohlestrom nicht ersetzen, das ist einfach auszurechnen. Selbst Veränderungen bei der Energieeffizienz und Reduzierungen des Energieverbrauchs helfen nicht. Oft ist in diesem Zusammenhang von flexiblen Gaskraftwerken die Rede. Nur leider gibt es hier in Deutschland keine ausreichenden Gasreserven, es ist zudem deutlich teurer und die einzige Lösung läge in russischem Erdgas, das gleichzeitig Abhängigkeit von einer diktatorisch geführten Staatsform mit sich bringt. Der Ukraine-Konflikt zeigt, was diese Abhängigkeit bedeuten kann.

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Grüner Strom

Viele Menschen wollen gutgläubig ihren Beitrag zur Energiewende und zur Entwicklung von Wind- und Sonnenenergie leisten. Immer mehr Energieanbieter führen Tarife wie Ökostrom oder Grünen Strom. Wenn Wind und Sonne ausbleiben, erhalten allerdings auch diese Haushalte ihren Strom aus dem nächstgelegenen Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerk. Den vermeintlich jederzeit umweltfreundlichen Strom aus der Steckdose gibt es nicht. Ganz im Gegenteil hat der Anteil an Kohlestrom zugenommen, auch bei Haushalten mit solchen vermeintlich umweltschonenden Tarifen. Für die Lausitzer ist das ganz einfach: wer neben der Kohle wohnt, der bekommt auch Kohlestrom.

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2.4. Wie sieht das Ausland die deutsche Energiewende?

Wir Deutschen halten uns gern für richtungweisend und laufen voran, davon ausgehend, dass die Anderen uns folgen. Bei der Energiewende ist das nicht anders. Immer wieder wird die Energiewende als „Exportschlager“ propagiert. Dabei lohnt es allerdings, sich auch einmal umzudrehen. Wir stehen mit unserer Form der Energiewende in Europa und der Welt absolut allein. Im Ausland schüttelt man über die Deutschen den Kopf. Wirtschafts- und Energieminister Gabriel brachte das in diesem Frühjahr auf den Punkt: „Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht …. Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte.“ Davon war in den deutschen Medien wenig zu hören oder zu lesen. Selbst Japan hat inzwischen den Ausstieg vom Atomausstieg geplant und wird seine 44 Atomkraftwerke voraussichtlich wieder in Betrieb nehmen. In China geht jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz und jeden Monat ein Atomkraftwerk. Weltweit befinden sich über 500 Atomkraftwerke im Neubau, in der Planung oder Vorplanung. Allein in Europa ist Deutschland von 142 Atomkraftwerken umstanden. Andere europäische Staaten mit vergleichbaren Ansätzen wie Deutschland haben längst reagiert, die Förderung Erneuerbarer Energien eingedämmt oder gänzlich ausgesetzt und ihre Energiepolitik den Realitäten angepasst. Auch Braunkohle ist gerade für führende Industrienationen als wichtiger Energieträger akzeptiert, der Versorgungssicherheit und günstigen Strom gewährleistet. Das betrifft nicht nur die USA und China, sondern auch unsere direkten Nachbarn in Osteuropa. Erneuerbare Energien werden wie bereits beschrieben dort gefördert, wo sie Sinn machen. Das ist z.B. auch bei Erdwärme in Island der Fall, wo dazu keine tiefen Bohrungen mit folgendem Erdbebenrisiko realisiert werden müssen. Die deutsche Energiewende aber möchte niemand haben, es gibt nichts zu exportieren.

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2.5. Kritik zur Energiewende

Wenn uns das Ausland für bekloppt hält, haben sie dann dort unsere Ziele und Maßnahmen nicht richtig verstanden? Wie kann man das mit der positiven Berichterstattung zur Energiewende in Deutschland in Einklang bringen? Dazu ist es sinnvoll, die wichtigsten Ziele der deutschen Energiewende zu bewerten.

Die Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien

Haushaltsstrom ist schon heute in Deutschland doppelt so teuer wie in Frankreich. Die EEG-Umlage führt dazu, dass selbst Hartz IV-Empfänger die Solaranlagen auf Eigenheimen oder im Besitz vermögender Investmentfonds mit bezahlen müssen. Die Industrie wurde lange bei der Beteiligung an den Kosten der Energiewende geschont, das wurde von der EU jetzt allerdings untersagt, sodass jetzt auch der Strom für die deutsche Industrie deutlich teurer werden dürfte. Dabei sind die deutschen Industriestrompreise bereits jetzt die zweithöchsten in Europa. Der Industriestrom in Deutschland ist fast doppelt so teuer wie in den USA. Industrie und Bevölkerung teilen sich die 23 Milliarden Euro jährliche EEG-Umlage momentan in etwa hälftig. Während die Bevölkerung die Preissteigerungen beim Strom vor allem wegen dem allgemein vorherrschenden positiven Meinungsbild zur Energiewende in Politik und Medien bislang recht wortlos geschluckt hat, wird die Industrie entsprechende Maßnahmen ergreifen. Für viele Unternehmen sind Energiekosten entscheidend bei der Auswahl des Standortes oder der Planung von Investitionen. Schon jetzt entscheiden sich Unternehmen wegen niedrigerer und auf Jahrzehnte garantierter Energiekosten zur Verlagerung oder Investition ins Ausland. Was die weitere Verschärfung durch die EU-Regelung für den Industriestandort Deutschland bedeutet, wird sich erst in den nächsten Jahre zeigen. Eines steht aber fest: ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien erfordert aufgrund der im EEG festgeschriebenen garantierten Vergütung für erneuerbaren Strom weitere Milliarden, die auf Bevölkerung und Industrie umgelegt werden müssen.
Neben dieser Gefährdung des Wohlstands stellt sich die Frage, welche Erneuerbaren Energieträger noch großartig ausgebaut werden sollen. Wir haben bereits aufgezeigt, dass dies nur bei Solar- und Windanlagen möglich, aber wegen des fehlenden Ausbaus des Stromnetzes und fehlender Speichermöglichkeiten sinnlos ist. Eine weitere Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien sorgt sogar für mehr Unsicherheiten in der Energieversorgung sowie zusätzliche Kosten und Emissionen bei den Kraftwerken. Neben den Problemen der Netzbetreiber mit zunehmenden Schwankungen drängt die Vorfahrt für Erneuerbare Energien Gaskraftwerke aus dem Markt und macht den wirtschaftlichen Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken immer schwieriger. Trotzdem werden in Deutschland pro Jahr weitere 2,5 Gigawatt neue Windkraft gefördert. Unterm Strich steht zu bezweifeln, dass bei Betrachtung der gesamten Umweltbilanz überhaupt Emissionen eingespart werden.

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Atom- und Kohleausstieg

Nach dem beschlossenen Atomausstieg, an dem in Deutschland kein Weg mehr vorbei zu führen scheint, ist ein Kohleausstieg schlichtweg unmöglich, wenn Deutschland seinen Energiebedarf selbst decken möchte. Das wird schnell an den Anteilen einzelner Energieträger und ihrem möglichen Beitrag zu einer sicheren Stromversorgung deutlich. Was die grüne Propaganda auch nie erwähnt: ein Kohleausstieg wäre zudem klimapolitisch völlig wirkungslos. Die Emissionen sind auf europäischer Ebene durch den Emissionshandel geregelt. Das bedeutet, in der EU ist bereits für kommende Jahre und Jahrzehnte festgelegt, wieviel CO2 in Europa emittiert werden darf. Unternehmen, die CO2 emittieren, müssen dafür entsprechende Zertifikate erwerben und somit einen Preis für die Klimafolgeschäden bezahlen. Würde man in der Lausitz Braunkohlekraftwerke stilllegen, würden deren Zertifikate frei – und könnten z.B. durch unsere Nachbarn Polen oder Tschechien erworben werden. In der Lausitz würde eine ganze Industrieregion sterben – und nur wenige Kilometer weiter könnten unsere Nachbarn dafür umso mehr Kohlestrom produzieren. Auch das Argument der Umweltverbände, Landschaftszerstörung und Heimatverlust zu vermeiden, wäre ad absurdum geführt. Das würde dann nur ein Land weiter stattfinden. In Deutschland lässt sich damit aber offensichtlich Stimmung und Meinung machen und erfolgreich ein großes Medienecho produzieren. Es könnte aber noch besser kommen: da wir dann keinen heimischen Energieträger mehr zur Verfügung hätten, müsste Deutschland Energie importieren. Das kann Atomstrom aus Frankreich oder Skandinavien sein, oder sogar Kohlestrom aus Osteuropa. Die zunehmende Absurdität ist offensichtlich. Solange beim Netzausbau und der Speicherbarkeit keine Lösungen für Erneuerbare Energien existieren, zeugt die Forderung nach einem Atom- und Kohleausstieg also schlichtweg von ökonomischer Unkenntnis. Leider ist von dieser Erkenntnis in der deutschen Öffentlichkeit noch wenig spürbar.

Wer übrigens Gaskraftwerke für die Lösung hält, begibt Deutschland auf diesem Weg in direkte Abhängigkeit Russlands. Mit einem Blick auf den Ukraine-Konflikt wird sich unser Volk davor ganz sicher hüten. Deutschlands eigene Gasreserven sind zu gering, Fracking-Gas mit seinen Wirkungen aufs Grundwasser technologisch zu umstritten, die Kapazitäten an Gaskraftwerken derzeit auch schlichtweg nicht vorhanden. Zudem wissen wir heute, dass Greenpeace & Co. nach dem Ausstieg aus dem Atom- und Kohlestrom dann auch den Ausstieg aus dem Gasstrom fordern werden. Immerhin erzeugen Gaskraftwerke auch klimaschädliches CO2.

Wer rechnet, merkt aber auch so ganz schnell, dass ein Verzicht auf Kohlestrom nach dem Ausstieg aus dem Atomstrom unser Land wirtschaftlich ins Aus und in politische Abhängigkeiten katapultiert.

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Senkung der Emissionen

Ein besonders interessantes Ergebnis bringt die Betrachtung der Reduzierung von Emissionen mit sich. Hier wollte Deutschland das klimaschädliche CO2 bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40% reduzieren. Mit knapp über 20% wurden bereits Anfang der 2000er Jahre die Vorgaben des Kyoto-Protokolls erreicht und man wähnte Deutschland auf einem guten Weg. Seitdem geht es kaum voran und heute ist hinter vorgehaltener Hand längst klar, dass Deutschland sein Ziel im Jahr 2020 weit verfehlen wird. Dabei ist nirgends in den Medien zu finden, was eigentlich die bisherige Einsparung an Emissionen ausmacht. Zur Wende wurden in der damaligen DDR jährlich 300 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und zur Energiegewinnung genutzt. Nach der Wende brach die marode Ostwirtschaft in sich zusammen, die neuen Bundesländer wurden zu großen Teilen deindustrialisiert. Auch in der Lausitz sind viele Betriebe verschwunden, der Energiebedarf brach entsprechend zusammen. Seit Jahren werden in den Ostrevieren nur noch 60 bis 70 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr gefördert. Die Differenz – rund 230 Millionen Tonnen Braunkohle, die in etwa 230 Millionen Tonnen eingespartem CO2 pro Jahr entsprechen – korreliert auffällig mit der gesamten Einsparung Deutschlands seit 1990. Die bislang eingesparten Emissionen sind demnach vor allem ein Ergebnis der Deindustrialisierung Ostdeutschlands. Alle anderen Maßnahmen zur Energiewende tragen offensichtlich wenig Früchte und der Westen hat demnach bislang kaum einen Beitrag geleistet. Damit wird das Ziel der 40% bis 2020 umso unrealistischer. Selbst eine Deindustrialisierung der Lausitz – wie sie ein Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle nach sich ziehen würde – hätte bei der aktuellen Fördermenge an Braunkohle keine ausreichenden Effekte.

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Energiewende ins Nichts

So titelte die Wirtschaftsexperte Hans-Werner Sinn einen Vortrag zur Energiewende Ende 2013. Er weist nur anhand einfacher Berechnungen nach, wie unmöglich die deutsche Energiewende umzusetzen ist. Mit ca. einer Stunde Laufzeit kann dieser Beitrag, den wir unbedingt empfehlen, im Internet verfolgt werden: IFO Mediathek: Energiewende ins Nichts.

Auch andere Sachverständige teilen die Meinung, dass die deutsche Energiewende gefährlich für den Wohlstand unserer gesamten Nation ist. Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, bezeichnete die Energiewende als „größte Kapitalvernichtung seit dem zweiten Weltkrieg“. Bei intensiver Recherche findet man viele Energieexperten, Physiker, Fachleute mit ähnlichen Meinungen. Dies soll nur untermauern, dass wir hier nicht eigene Tendenzen bedienen, sondern einen recht umfassenden Blick auf die Kritik zur Energiewende bedienen wollen. Auch hier stellt sich wiederum die Frage: Warum werden diese kritischen Stimmen in der öffentlichen Diskussion so wenig behandelt?

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3. Die getäuschte Öffentlichkeit

In Deutschland, so wird geschätzt, lassen sich 85 % der Bevölkerung für den Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom begeistern. Die Energiewende wird durchweg als positiver Vorgang wahrgenommen, die Probleme kaum reflektiert. Wer sich gegen die Energiewende ausspricht, macht sich schnell verdächtig, ein „ewig Gestriger“ und uneinsichtiger Mensch zu sein, der Klimawandel und mögliche Umweltfolgen leugnet. Wer für die weitere Nutzung der Braunkohle für Energie ist, ebenso. Inzwischen besteht in der Bevölkerung ein verfestigtes Meinungsbild, dass Deutschland internationaler Vorreiter bei der Energiewende ist und alles gut auf den Weg gebracht wurde. Durch die öffentliche Berichterstattung besteht bundesweit außerhalb der Kohlereviere auch weitgehend Einigkeit, dass die Kohle schlecht sei. Da der Atomausstieg bereits beschlossen ist und diese Entscheidung von allen Seiten akzeptiert bzw. zumindest hingenommen wurde, geht es nun also um den Kohleausstieg. Wieso aber werden bei der öffentlichen Diskussion um die Energiewende und den Ausstieg aus der Kohle ökonomische Realitäten und naturwissenschaftliche Grundsätze nicht beachtet? Hier sind wir wieder bei der Erkenntnis, dass kein weiterer Bereich derart von Lobbyismus und Meinungsbildern geprägt ist wie der Energiebereich.

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Interessengruppen

Bei einer Beschäftigung mit der Thematik begegnet man verschiedensten Meinungsbildern und Interessen. Um die Vielfalt und denkbare Motivationen zu veranschaulichen, haben wir versucht, nur einige Interessengruppen ausschnittweise zu beschreiben:

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Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft geht sehr unterschiedlich mit dem Thema der Energiewende um. Es geht dabei nicht um Unterstützung oder Ablehnung, die Interessen sind deutlich vielschichtiger. Zum einen geht es grundsätzlich um die Kosten der Energiewende, mit denen die Wirtschaft bislang weitgehend verschont wurde. Allerdings entscheiden sich bereits jetzt erste Konzerne aufgrund der ungewissen Energiezukunft und der absehbaren hohen Energiepreise in Deutschland fürs Ausland. Ein Beispiel ist der bayrische Konzern Wacker Chemie, der sich für die USA entschied, weil ihm dort im Vergleich zu Deutschland ein Drittel der Energiekosten auf 20 Jahre garantiert wurden. Wie sich die EEG-Umlage auf die deutsche Wirtschaft weiter auswirkt, zeigt die Zukunft.

Zum anderen profitiert die Wirtschaft auf höchst unterschiedliche Art und Weise von der Energiewende. Milliarden an Fördergeldern oder Umlagen haben den Bereich Erneuerbare Energien finanziert und in Deutschland entsprechende wirtschaftliche Strukturen unterstützt. Ob mit Biomasse, Solar- oder Windkraft, ob mit Herstellung, Betrieb oder Forschung, die deutsche Energiewende hat viel Geld in diese Ausrichtung gepumpt. Auch Förderungen z.B. für die Elektromobilität oder Energieeffizienz treffen auf starke Branchen, die aus eigenen wirtschaftlichen Interessen die Energiewende unterstützen. Deshalb findet man auch in der Wirtschaft viele Stimmen für die Energiewende, auch wenn sie global betrachtet den Industriestandort Deutschland immer mehr gefährdet.

Energieindustrie

Selbst die großen Energiekonzerne sind in Deutschland höchst unterschiedlich ausgerichtet. So verfügt „e-on“ über keine Braunkohlekraftwerke. Dieser Konzern betreibt zwar Steinkohlekraftwerke, hatte für die Zukunft aber vor allem auf Erdgas gesetzt, das momentan durch die Vorfahrt der Erneuerbaren Energien aus dem Markt gedrängt wird. Deshalb setzt sich e-on für eine Subvention von Gaskraftwerken ein und ist natürlich gegen die Braunkohle. Vattenfall hingegen verfügt in der Lausitz über den weltweit modernsten Kraftwerkspark für Braunkohle. Mit der Energiewende haben sich neben den großen Konzernen viele Anbieter von Wind- und Solarkraft herausgebildet. Verschiedene Stadtwerke haben in Gaskraftwerke oder andere Technologien investiert und können diese oft nicht wirtschaftlich betreiben. Die Netzbetreiber wiederum wollen ein stabiles Stromnetz und den Netzausbau voranbringen. Die Gesamtproduktion der Energieversorgung in Deutschland betrug 2012 ca. 571 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt). Es geht um viel Geld in unterschiedlichsten Ausrichtungen, die Interessen für oder gegen einzelne Arten von Strom sind in der Energieindustrie extrem vielschichtig. Aus diesem Grund existieren gerade aus dieser Branche so viele Zahlen, Studien, Beiträge und vermeintliche Expertenmeinungen, die zu gleichen Themen teils gegensätzliche Ergebnisse darstellen.

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Gewerkschaften

Selbst die Gewerkschaften als Arbeitnehmervertreter verfolgen unterschiedliche Interessen. So werden die Interessen der Beschäftigten im Bergbau von der IG BCE vertreten, die sich z.B. für eine Weiterführung der Braunkohletagebaue einsetzt. Das kann bei der IG Metall ganz anders aussehen, die Beschäftigte in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie vertritt, von denen viele auch im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig sind.

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Politik

Im politischen Bereich zeigt gerade die Lausitz, wie kompliziert sich die Interessenlage darstellen kann. Auf regionaler Ebene können sich selbst Vertreter der grünen Politik aus wirtschaftlichen Erwägungen und Heimatverbundenheit für die Braunkohle aussprechen, auch wenn diese heute eher das große Feindbild für grüne Politik ist. Eine Instanz höher, auf Länderebene, zählt dann oft die Wirtschaftskraft des Landes. So setzen sich die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen für die Braunkohle ein, da sie in der Lausitz dank dieser über eine starke Industrieregion verfügen, die von der Braunkohle lebt und dem gesamten Land Wohlstand beschert. So kann eine Partei wie Die Linke auf Landesebene die Notwendigkeit der Braunkohle anerkennen, obwohl sie auf Bundesebene dagegen ist. Jedes Bundesland steht sich so selbst am nächsten. Im Norden ist eher die Windkraft zu Hause, dort arbeitet man logischer Weise massiv gegen die Kohle. In Bayern war lange die Atomkraft bestimmend, aus der nun ausgestiegen wird. Dort verfügt man über die weltweit modernsten Gaskraftwerke, die momentan aber aufgrund des hohen Gaspreises von den Erneuerbaren Energien und der günstigeren Kohle aus dem Markt gedrängt werden. Bayern könnte über einen Ausbau der Stromnetze natürlich auch mit günstiger Energie aus ostdeutscher Braunkohle versorgt werden. Es setzt sich aber für eine eigene Energieindustrie mit Beschäftigung im eigenen Bundesland ein – und deshalb eher für Subventionen der Gaskraft. So verfolgt jedes Bundesland unterschiedliche Interessen. Länderübergreifend hat die grüne Politik in der Braunkohle ein Argumentationsfeld entdeckt, ihre Zielgruppe wieder zu erreichen. Lange machte sich grüne Politik vor allem im Kampf gegen die Atomkraft aus. Seit Merkels Entscheidung zum schnellen Atomausstieg hat die grüne Politik das wesentliche Alleinstellungsmerkmal und ihr Gründungsthema verloren. Seitdem kämpfen sie mit fallender Zustimmung und der Suche nach einem neuen Konsens – den man nun im Kampf gegen die Braunkohle gefunden zu haben glaubt. Ein Blick auf die Wahlen zeigt, wie sich das auswirkt. Sowohl bei den Landtagswahlen in Sachsen als auch in Brandenburg hat grüne Politik deutlich Stimmen eingebüßt, vor allem in der Nähe der Braunkohle – also bei den Betroffenen und jenen in der Lausitz, die sich wirklich auskennen – war der Stimmenanteil grüner Politik so gering, dass sie bei ähnlichen landesweiten Ergebnissen nie in den Landtag gekommen wären. Stimmen werden dann eher in Ballungsräumen und Medienzentren wie Potsdam gesammelt, wo die öffentliche Diskussion ein Meinungsbild gegen Kohle stärker prägen kann. Bundesweit ist die Unkenntnis um die Energiewende und die Rolle der Kohle allerdings größer, worauf grüne Politik jetzt hofft. Aus diesen vielfältigen kommunalen, landes- und bundespolitischen Interessen versucht Bundespolitik dann, einen Kompromiss zu bündeln. Es gibt zudem unterschiedlichste Verbände und andere Lobbygruppen, die beständig auf die Politik einwirken. Je nachdem, wie stark einzelne Bereiche der Wirtschaft, Lobbygruppen, die Öffentlichkeit etc. Einfluss nehmen, verschiebt sich so der große Kompromiss in die eine oder andere Richtung. Auch deshalb scheint die von der Politik gemachte deutsche Energiewende heute ein so komplexes Konstrukt, das längst naturwissenschaftlichen Gesetzen und ökonomischem Fachwissen widerspricht.

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Umweltverbände

Die Umweltverbände, allen voran der Umweltkonzern Greenpeace, gründen in Deutschland ihr Geschäftsmodell auf grüner Ideologie. Obwohl Greenpeace weltweit agiert und 40 Büros in vielen Ländern unterhält, kommen nach eigenen Angaben 580.000 von insgesamt 3 Millionen Fördermitgliedern allein aus Deutschland. Damit ist Deutschland wichtigster Finanzier der Organisation.
Nach dem erfolgreichen Einsatz für den Atomausstieg in Deutschland hat sich Greenpeace jetzt vor allem den Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle auf die Fahnen geschrieben. Für den Kohleausstieg ist Greenpeace extrem öffentlichkeitswirksam und konzentriert seine Propaganda derzeit stark auf diesen Bereich – und scheint damit auch erfolgreich zu arbeiten. Die Energiewende spricht die Deutschen an, mit dem Thema lassen sich offensichtlich viele Unterstützer akquirieren. In der Wirtschaftsregion Lausitz hingegen spielen Umweltverbände eine eher untergeordnete Rolle. Die bestehenden regionalen Interessengruppen haben ihre Arbeit gebündelt und machen vor allem mit medienwirksamen Aktionen auf ihre Meinung aufmerksam – genau wie Greenpeace dies in großen Zusammenhängen tut. Ein Beispiel dafür war die Menschenkette im August über die Lausitzer Neiße, für die durch Greenpeace, weitere große Verbände und die regionalen Aktivisten mit immensem Aufwand international geworben wurde und am Ende angeblich 7.000 Aktivisten zusammen kamen, unter denen sich wenige Lausitzer befanden. In den bundesweiten Medien wurde sowohl im Vorfeld als auch nach der Aktion intensiv berichtet.

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Medien

Alle Einflüsse der bis hierhin aufgeführten Interessengruppen prasseln auf die Medien ein. Die komplexe Thematik der Energiewende wird von den wenigsten Journalisten verstanden, ebenso wenig sind meist die Hintergründe und Fakten für bestimmte Informationen und Nachrichten überprüfbar. Wenn dann etwas oft genug erzählt wird, gerät es schnell zu einer gesetzten Wahrheit. So verhält es sich mit der Energiewende, mit der Deutschland voran geht und der Welt zeigt, wie man die Umwelt rettet und dabei auf Atomstrom verzichtet. In diese Wahrheit passt auch der Ausstieg aus der Braunkohle. In vielen Medien gerät in Verdacht, wer sich dagegen positioniert oder kritisch äußert. Wirtschaftliche Notwendigkeiten, wie die weitere Energieerzeugung aus Braunkohle beim Atomausstieg, werden kaum akzeptiert. Jener, der sie äußert, wird schnell als Lobbyist abgetan. Berichte über die negativen Auswirkungen fossiler Energieträger oder das Engagement von Umweltschützern, die ebenso von Lobbyisten gestreut werden, machen schneller Schlagzeilen.

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Bevölkerung

Bei der Bevölkerung sind in Sachen Energiewende zwei Auswirkungen interessant: die Vermögens- und die Meinungsbildung. Die Energiewende hat für eine der größten Vermögensumverteilungen von unten nach oben gesorgt. Insbesondere mit der Photovoltaik haben sich Eigenheimbesitzer mit Anlagen auf ihrem Dach oder Investoren aus dem reichen Süden mit Solarparks vorwiegend im Osten die attraktiven, festgeschriebenen Renditen aus den EEG-Umlagen gesichert. Über die Erhöhung der Strompreise aufgrund der EEG-Umlage wird das von allen Bürgern bezahlt, selbst vom Hartz IV-Empfänger in einer Plattenbausiedlung.

In der Meinungsbildung bestimmen Politik und Medien das Geschehen. Die Atomkatastrophe in Fukushima zog vor allem in der deutschen Medienberichterstattung eine Welle nach sich, die vor allem Risiken der Atomkraft und Themen der Umweltverbände reflektierte. Es war ein Musterbeispiel, wie Medien Meinung bilden. Deutschland beschloss schließlich übereilt den Atomausstieg. Dass heute 142 Atomkraftwerke nebenan in Europa verteilt stehen und weltweit keine der wichtigen Industrienationen auf Atomkraft verzichtet, wurde nicht reflektiert. Auch nicht, dass die meisten Atomkraftwerke direkt nebenan am Rhein in Frankreich stehen und mit den üblichen westlichen Passatwinden somit genau dort, wo sie im Falle einer Katastrophe den größtmöglichen Schaden in Deutschland verursachen. Die deutsche Bevölkerung glaubt zum Großteil bis heute, mit dem Atomausstieg weltweit ein gutes Beispiel zu geben und voranzugehen. Dabei steht längst fest, dass ganz, ganz wenige, die zuerst folgten, inzwischen auf den Weg der offensichtlichen Vernunft zurückgekehrt sind. Ähnliche Tendenzen wie bei der damaligen unreflektierten Berichterstattung zum Atomstrom sind heute in der Berichterstattung zur Lausitzer Braunkohle zu erkennen. Damit wird Meinung gemacht – die wiederum in der Bevölkerung viel Zuspruch findet, im festen Glauben an das Gute der deutschen Energiewende. Diese Meinung wird sich erst dann und sicher drastisch ändern, wenn die Bevölkerung die negativen Auswirkungen bereits gefällter Entscheidungen zu spüren bekommt. Das wären im Falle von Atom- und Kohleausstieg immens steigende Energiekosten sowie zunehmende Probleme bei einer sicheren Stromversorgung, vor allem aber die Deindustrialisierung ganzer Regionen und der Verlust von Wohlstand. Leider wird über diese möglichen Folgen aktuell in der Öffentlichkeit wenig berichtet oder diskutiert.

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4. Energiewende und Lausitzer Braunkohle

Die Energiewende in Deutschland zielt klar darauf ab, auch die Lausitzer Braunkohle als Energieträger abzulösen. Der Grund besteht vor allem in der Emission des vermeintlich klimaschädlichen CO2 bei der Erzeugung von Strom aus Braunkohle. Die Frage ist nur, wie lange die Braunkohle noch benötigt wird – oder ob eine technologische Innovation die Emissionen vermeiden kann. Bei genauer Betrachtung ist aber auch dieses Thema nicht so klar, wie es öffentlich meist dargestellt wird.

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4.1. Die Klimaproblematik

Niemand kann bestreiten, dass ein Klimawandel existiert. Das tut er aber schon immer. Auch in der jüngeren Geschichte unseres Planeten gab es einen beständigen Wechsel von Warm- und Kaltzeiten. Selbst vor tausenden Jahren, als es noch keine Industrie und keine von ihr verursachten Emissionen gab, betrieben die Wikinger an Grönlands Küsten Ackerbau und Viehzucht.

Aber auch ein Blick in die vergangenen Jahre relativiert manche Schreckensnachricht. Seit mindestens 15 Jahren steigt trotz Zunahme der durch den Menschen verursachten CO2-Emission die globale Mitteltemperatur nicht mehr an. Auch eine Zunahme an Wetterkatastrophen wird jeder seriöse Meteorologe verneinen. Vor wenigen Jahren wurde in dem Ozonloch eine große Gefahr gesehen, auch mit dieser wurden CO2-Emissionen und deren vermeintliche Klimaschäden aus der Kohleenergie in einen engen Zusammenhang gebracht. Im September 2014 verwies ein UN-Bericht darauf, dass sich die Ozonschicht wieder erholt und schon bald die Werte von vor 35 Jahren erreicht werden. Der Verzicht auf ozonschädliche Stoffe und Chemikalien, vor allem FCKW, wird vor allem als Ursache für diese positive Entwicklung gesehen. Dennoch warnen Umweltpolitiker auch in diesem Zusammenhang weiter vor CO2-Emissionen.

Auf der anderen Seite belegen Forschungen einen langfristigen Temperaturanstieg seit Beginn der Industrialisierung. Hier kann ein Zusammenhang mit den Emissionen bestehen, die bei vielen industriellen Prozessen entstehen. Wir wissen heute, dass ca. 25% des bei der Stromerzeugung aus Braunkohle emittierten CO2 in der Erdatmosphäre verbleiben. Auch wenn es als klimaschädlich eingestuft wird, ist der Wissenschaft bis heute kein experimenteller Beweis gelungen, dass CO2 in der Erdatmosphäre zur Klimaerwärmung beiträgt.

Das Klima wandelt sich also ständig, unklar ist bis heute der menschliche Anteil daran. Wir haben uns aber auch entschieden: Die Emissionen müssen gesenkt werden, um eventuell mögliche Auswirkungen auf das Klima zu vermeiden. Doch selbst aus diesem Grund lohnt ein Einsatz für eine Zukunft mit Lausitzer Braunkohle. Denn in der Lausitz steht der modernste Braunkohlekraftwerkspark der Welt. Warum sollte man ausgerechnet diesen mit seinem technologischen Fortschritt vernichten, während andernorts in der Welt beständig neue Kohlekraftwerke in Betrieb gehen und andernorts Kohlekraftwerke mit veralteten Technologien und ohne eine begleitende Forschung deutlich mehr Emissionen verursachen? Für das Weltklima wäre tatsächlich etwas gewonnen, wenn dieser moderne Kraftwerkspark erhalten bleibt, in der Lausitz weiter mit Forschungsprojekten an der Reduzierung von Emissionen und eventuellen Klimaschäden gearbeitet wird und andere diese Erkenntnisse nutzen.

Zudem ist heute klar, dass die Lausitzer Braunkohle, unabhängig davon, ob sie weiter gefördert wird oder nicht, überhaupt nichts mit einer Verbesserung oder Verschlechterung des Weltklimas zu tun hat. Dies wird in den nächsten Gliederungspunkten ausgeführt.

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4.2. Der Packesel der Erneuerbaren

Lausitzer Braunkohle ist heute sozusagen der Packesel der Erneuerbaren. Mit vielen Innovationen und in Forschungsprojekten wurden die Lausitzer Kraftwerke flexibel gemacht. Dabei wird immer weiter geforscht, um die Regelbreite noch zu erhöhen. Die Lausitzer Kraftwerke reagieren heute minutenschnell und machen so Platz für Strom aus Sonne und Wind, wenn er denn kommt. Die Technologie der Lausitzer Kraftwerke ist fortschrittlich und viele Innovationen sind weltweit beispielgebend. Sie können auch in anderen Ländern dazu beitragen, Braunkohlekraftwerke flexibler zu gestalten und so Erneuerbaren Energien mehr Chancen einzuräumen. Der Netzbetreiber nutzt die Lausitzer Kraftwerke und ihre Regelbarkeit zudem immer stärker, um die deutschen Stromnetze stabil zu halten. Auch wenn grüne Politik dies nicht hören mag: die Energiewende käme ohne die vielen Innovationen auch der Lausitzer Braunkohle noch viel schleppender voran, als sie das ohnehin tut.
Vor diesem Hintergrund wird Braunkohle heute als Brückentechnologie bezeichnet. Mit der Energiewende haben wir sozusagen diese Brücke betreten, ohne das Ufer zu sehen. Dennoch hat die Politik unterschiedliche Vorstellungen, wie lange diese Brücke notwendig ist. Inzwischen gibt es aber auch hier erste Erkenntnisse, dass eine seriöse Aussage dazu noch gar nicht möglich ist. Sie kann erst erfolgen, wenn Erneuerbare Energie speicherbar und die stabile Stromversorgung mit Erneuerbaren über ein ausgebautes Stromnetz gewährleistet ist. Auch im Land Brandenburg wurden immer wieder Jahreszahlen für den Ausstieg aus der Braunkohle benannt. In einer aktuellen Äußerung verzichtet Ministerpräsident Dietmar Woidke aber darauf und betont die Notwendigkeit der Braunkohle-Brücke, bis Erneuerbare Energien grundlastfähig sind (siehe Grundlast im Teil2 von „Einfach erklärt“), wann auch immer das sein mag. Damit hat er Recht.

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4.3. Verzicht auf Atom- und Kohlestrom

Vor der Betrachtung verschiedener Szenarien für die Zukunft Lausitzer Braunkohle im Rahmen der Energiewende und den jeweiligen Ausführungen schauen wir uns noch einmal die Forderung der grünen Politik und der Umweltverbände nach einem Atom- und Kohleausstieg bei der Stromerzeugung an. Hier bemühen sich Greenpeace & Co. darum, insbesondere an der Lausitzer Braunkohle ein Exempel zu statuieren. Die Lausitz ist das Braunkohlerevier Deutschlands mit den meisten Reserven und dem modernsten Kraftwerkspark. Das Bemühen der Umweltverbände zielt darauf ab, aktuell anstehende Planungsverfahren für Tagebauerweiterungen zu stoppen, sodass in ca. 10 bis 15 Jahren die Tagebaue der Lausitz schließen und die Lausitzer Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Eine Entscheidung gegen Lausitzer Braunkohle wäre auch eine Entscheidung gegen die weiteren Braunkohlereviere im Mitteldeutschen und im Rheinischen Revier. Damit würde wenige Jahre nach dem Atomstrom, bei dem 2022 die letzten Kraftwerke stillgelegt werden, auch der Kohlestrom aus dem deutschen Energiesystem verschwinden. Das Problem: ausgerechnet Atom- und Kohlestrom sorgen heute für Stabilität im Stromnetz, für sicheren und jederzeit verfügbaren Strom und sie sind zudem auch die günstigsten Energieträger, die heute die Kostensteigerungen beim deutschen Strom wenigstens etwas abbremsen. Gaskraftwerke stehen in Deutschland zwar zur Verfügung oder könnten schnell gebaut werden, wir haben aber keine ausreichenden Gasvorkommen. Eine Abhängigkeit von russischem Erdgas stellt wie bereits beschrieben überhaupt keine Alternative dar. Das Problem der Erneuerbaren Energien mit ihren extremen Schwankungen, dem nicht gelösten Netzausbau und der unmöglichen Speicherung ist zur Genüge bekannt. Mit simpler Mathematik und etwas Beschäftigung mit der Thematik erkennt jeder Laie, dass nach dem Atom- nun auch ein Kohleausstieg in Deutschland gar nicht funktionieren kann. Die Diskussion um die Lausitzer Braunkohle erübrigt sich eigentlich aufgrund rein naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten. Es sei denn, Deutschland gibt die eigene Stromversorgung auf und begibt sich in Abhängigkeit der Nachbarländer oder anderer Stromlieferanten, was für eine Industrienation zum einen schlichtweg unrealistisch und zum anderen auch angesichts zu weniger grenzüberschreitender Höchstspannungsleitungen undenkbar ist. Deutschland würde sich als führende Industrienation aufgeben, viel Wohlstand wäre dahin. Wer sich mit den Fakten und Realitäten beschäftigt und dabei das Gemeinwohl im Sinn hat, der kann die Forderung nach Atom- und Kohleausstieg ganz unabhängig von eigenen umweltpolitischen Einstellungen unmöglich nachvollziehen.

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4.4. Situation in der Lausitz

Trotz der Fakten, die klar für die künftige Notwendigkeit Lausitzer Braunkohle sprechen, werden die Menschen durch zunehmenden Druck der Umweltverbände und eine entsprechende Berichterstattung in den Medien immer mehr verunsichert. Erschreckende Klimaberichte werden in Zusammenhang mit der Lausitzer Braunkohle gebracht, Deutschland soll einmal mehr voran gehen und der Welt ein gutes Beispiel geben. Noch steht die Lausitz mehrheitlich zu ihrem Revier, das haben bereits Studien und viele Aktionen gezeigt. Je länger die Diskussion andauert, desto stärker werden aber auch regionale Landesmedien in Brandenburg vom bundesweiten Trend der kritischen Berichterstattung zur Lausitzer Braunkohle beeinflusst. In den Medien werden lieber negative Einzelschicksale vom Bergbau Betroffener reflektiert. Wer sich laut gegen Lausitzer Braunkohle äußern möchte, findet dafür jederzeit eine Bühne. In den Medien macht sich allerdings niemand Gedanken darüber, was ein Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle tatsächlich nach sich ziehen würde – sowohl in den beschriebenen nationalen und internationalen Zusammenhängen, als auch für die Lausitz.

Das Problem vor allem für die Menschen in der Lausitz: sie haben nur die Monowirtschaft rund um die Lausitzer Braunkohle. Es gibt keinen weiteren ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor in der Region. Der Tourismus mit seinen vorwiegend schlecht bezahlten Arbeitsplätzen spielt als Ersatz keine Rolle. Im Land Brandenburg wurde seit der Wende noch nie eine ganze Wirtschaftsregion durch einen neuen Wirtschaftsfaktor belebt. Das wissen die Menschen in der Lausitz. Die Braunkohle schafft nicht nur Arbeit und Kaufkraft, sie finanziert auch Kultur, Vereine, Sport und vieles mehr. Ohne Braunkohle steht die Region vor dem Aus. Wer will den Menschen da verübeln, für die Zukunft mit einem Energieträger zu sein, den viele für problematisch halten?

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Das sinnlose Opfer

Die erschreckendste Wahrheit für alle, die der grünen Politik und den Umweltverbänden im Feldzug gegen Lausitzer Braunkohle folgen, ist dabei die Sinnlosigkeit des Ausstiegs aus Lausitzer Braunkohle für Natur, Menschen und das Weltklima. Klimaschädliche Emissionen werden europaweit über Zertifikate geregelt, deren Anzahl durch die EU festgelegt ist. Legt man die Lausitzer Braunkohlekraftwerke still, ändert das überhaupt nichts an der Anzahl der Zertifikate auf europäischer Ebene. Somit könnten andere Länder der EU wie z.B. Polen oder Tschechien die durch die Schließung der Lausitzer Kraftwerke frei werdenden Zertifikate erwerben und in ihren Ländern umso mehr Energie aus Braunkohle produzieren. Für das Klima ist das ein Null-Summenspiel. Nur die Lausitz wäre tot. Selbst bei den Themen Landschaft und Heimatverlust wäre nichts gewonnen – nur dass wir das Problem nicht vor der eigenen Haustür hätten, sondern es zu unseren europäischen Nachbarn delegieren würden. Auch darin ist ein ethisches Problem zu sehen. Sind wir Deutschen etwa besser, ist vor der eigenen Haustür der Landschaftswandel und die Umsiedlung von Dörfern anders einzustufen als bei unseren europäischen Nachbarn?

Unterm Strich ist also klar, dass ein Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle in allen von Umweltverbänden kritisierten Belangen völlig wirkungslos bleibt. Auch Greenpeace & Co. wissen das. Dabei haben wir hier nur die Situation in Europa betrachtet und noch nicht einmal in die Welt geschaut. Wie gehen China und die USA mit Braunkohle um, wie Indien und Australien oder dynamische Entwicklungsländer wie Indonesien? Dieser Blick lohnt, um die Sinnlosigkeit eines Lausitzer Opfers noch besser zu verstehen. So scheint es eher, als nutzten grüne Politik und die Umweltverbände die aktuelle Meinungsbildung zur eigenen Profilierung auf Kosten des Gemeinwohls in unserem Land.

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Ausstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten

Die Darstellungen zum sinnlosen Opfer zeigen natürlich auch zwei Möglichkeiten zum Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle, die auch in der Lausitz schnell eine Mehrheit finden würden.
Die eine Lösung wäre ein relevanter Ersatz für den Wirtschaftsstandort, also ein Industriefaktor mit ähnlicher Kraft und Nachhaltigkeit wie die Braunkohleindustrie und weniger „Nebenwirkungen“. Eine andere Branche, die auch jährlich eine Milliarde in die regionale Wirtschaft investiert, die den Menschen gut bezahlte Arbeit gibt, gute Ausbildung, die auf Jahrzehnte gesichert ist, und die einen Teil ihres Gewinns in die soziale und kulturelle Infrastruktur investiert. Ganz sicher würde den Menschen in der Lausitz der Abschied von der Braunkohle, deren Probleme hier niemand leugnet, dann leichter fallen.

Die andere Lösung wäre eine weltweite ganz klare Vorgehensweise in der Energie- und Klimapolitik. Würde aufgrund der vermeintlich klimaschädlichen Effekte z.B. der weltweite Ausstieg aus der Braunkohle als Energieträger festgeschrieben, würde die Lausitz ein Opfer für die Allgemeinheit erbringen, das als nicht sinnlos empfunden werden kann. Die Industrieregion würde zwar genauso sterben, die Menschen würden aber wenigstens einen Sinn darin erkennen, es sollte etwas für das Weltklima und künftige Generationen erreicht werden. Die traurige Wahrheit ist hier aber: Es gibt weltweit nicht mal im Ansatz einen Emissionshandel, geschweige denn würden sich andere Länder irgendwelche Ausstiegsszenarien vorschreiben lassen!

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Hoffnungsträger Forschung

Ein weiteres Szenario bleibt aktuell kaum beachtet. In den Medien wird beständig über Forschungsprojekte im Bereich Erneuerbarer Energien berichtet, selbst wenn technologische Beschränkungen heute schon klar machen, dass dies und jenes bei der Energiewende nicht nennenswert helfen kann. Selbst kleinste Projekte mit äußerst geringen Wirkungsgraden erfahren große Aufmerksamkeit. Oft gerade deswegen, weil viele Fördergelder in diese Projekte fließen. Dabei können Forschungen zur Verwertung klimaschädlicher Emissionen genauso die entscheidende Lösung bringen. Das emittierte CO2 in den Kohlekraftwerken ist ja kein Gift, es ist ein Rohstoff. Mit der CCS-Technologie gab es erste Ansätze, den Kohlenstoff aus dem Gas zu filtern und einzulagern. Genauso wie im Bereich der Speichertechnologien könnte der Durchbruch mit einer neuen Technologie gelingen, die das CO2 erfolgreich filtert und als Rohstoff nutzbar macht. Insoweit wissen wir heute gar nicht, ob die Energieerzeugung aus Lausitzer Braunkohle in Zukunft nicht auch ohne große Emissionen erfolgen kann.

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5. Fazit

Die deutsche Energiewende führt ins Nichts. Ein Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom ist unmöglich. Es sei denn, Deutschland will keine Industrienation mehr sein und seinen Wohlstand opfern. Die öffentliche Berichterstattung und Meinungsbildung wird durch viele Interessengruppen geprägt und hat längst ökonomische Gegebenheiten und naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten aus den Augen verloren. Bedeutende Wissenschaftler wie Hans-Werner Sinn warnen immer deutlicher vor dieser Entwicklung, bleiben aber (noch) ungehört. Indes nimmt die kritische Berichterstattung zur Lausitzer Braunkohle zu und verunsichert die Menschen. Das Meinungsbild in Deutschland richtet sich aus Unkenntnis der Zusammenhänge und der Folgen klar gegen die Lausitzer Braunkohle, in der Region stehen die Menschen zu ihrem Revier. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob eine Industrieregion sinnlos geopfert wird und Deutschland damit den Weg zur Deindustrialisierung einschlägt. Die Lausitz wäre dann nur der Anfang, denn mit ihrem Untergang und dem Untergang der Braunkohle würden die Strompreise deutlich steigen und Unsicherheiten zunehmen, die sowohl die deutsche Wirtschaft als auch die gesamte Bevölkerung treffen würden. Hoffen wir, dass diese Einsicht nicht zu spät kommt.

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