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Die nächste Pleite in der Solar-Wirtschaft: Solarworld insolvent

Mit Kräften versuchte sich der einstige Vorzeige-Konzern der Solarwirtschaft am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Vergeblich. Solarworld ist pleite. Tragisch ist das für die über 3000 Beschäftigten, darunter 1200 im sächsischen Freiberg. Zudem wird einmal mehr deutlich: Mit einer nachhaltigen Industriepolitik hat das EEG als Kern deutscher Energiepolitik nichts gemein.

„Der Vorstand wird unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen“, kündigte der Konzern in einer nur sieben Zeilen langen Pflichtmitteilung an. Der Vorstand um Frank Asbeck sehe angesichts des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen keinen anderen Ausweg mehr: Die Konzernspitze sei „nach umfassender Prüfung“ zu der Überzeugung gelangt, dass „keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht, die Gesellschaft damit überschuldet ist und somit eine Insolvenzantragspflicht besteht“, hieß es.

Der Antrag dürfte zunächst beim zuständigen Amtsgericht in Bonn gestellt werden, wo Solarworld seine Zentrale hat. Auch für alle Tochtergesellschaften werde nun geprüft, ob sie Insolvenz anmelden müssen.

Die Entwicklung schmerze, komme aber nicht ganz überraschend, erklärte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). „Wir setzen dennoch darauf, dass es eine Lösung für die Zukunft gibt, die eine Perspektive für die Beschäftigten bietet.“ Das Land werde unterstützend zur Seite stehen. Kurzfristig werde das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht, um die Situation zu analysieren und über das weitere Vorgehen zu beraten, sagte Tiefensee.

Der Konzern kämpft mit stetig sinkenden Preisen für Solarmodule und einer bedrohlichen Klage in den USA. 2016 gab es tiefrote Zahlen. Noch Ende März hatte Vorstandschef Asbeck aber angekündigt, mit einem scharfen Sparprogramm bis 2019 wieder aus der Verlustzone kommen zu wollen. Er wollte Millionen in hochwertige monokristalline Module investieren, um das Unternehmen „mit Qualität und Technologie weiter vom asiatischen Wettbewerb abzusetzen“.

Mit dem Abbau von 400 der insgesamt 3300 Stellen bis 2019 und zahlreichen Einzelmaßnahmen sollten die Kosten um ein Fünftel verringert werden. Ein Sozialplan wurde an den deutschen Standorten in Freiberg (Sachsen) und Arnstadt (Thüringen) bereits verhandelt. Von den 400 Stellen, die abgebaut würden, sollten 300 Stellen allein in Deutschland wegfallen. Ein Schwerpunkt soll in Freiberg liegen, dem größten Produktionsstandort des Konzerns.

Bisher hat Solarworld in Freiberg 1200 Beschäftigte, in Arnstadt sind es 700. Im vergangenen Jahr hatte sich das Unternehmen bereits von 500 Leiharbeitern getrennt, davon 300 in Freiberg und 200 in Arnstadt. Den Thüringer Standort hatte Solarworld 2014 von Bosch übernommen. Noch im Januar hatte der Konzern angekündigt, einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in das Freiberger Werk zu investieren. Neue Technik sollte die Qualität verbessern und die Kosten senken. Die Produktion sollte gebündelt werden: Kristallisation und Zellfertigung in Arnstadt sowie die Wafer- und Modulfertigung in Freiberg. Die kleineren Fertigungen für Module in Arnstadt und für Zellen in Freiberg sollten geschlossen werden.

2016 hatte das Unternehmen unter dem Strich knapp 92 Millionen Euro Verlust ausgewiesen. 2017 hatte Asbeck zuletzt zwar eine leichte Besserung in Aussicht gestellt. Schwarze Zahle erwartete das Unternehmen aber auch in diesem Jahr nicht. Es rechnet mit einem besseren, aber weiterhin negativen Ergebnis. Erst 2019 sollte wieder ein „sichtbar positiver“ Ertrag erreicht werden, hieß es bisher. Davon rückt der Vorstand nun ab.
China ist bei Solarmodulen weiter

Solarworld leidet unter dem 2016 um rund ein Fünftel abgestürzten Weltmarktpreis für Solarmodule. Hintergrund sind starke Überkapazitäten in China. Solarworld wirft der chinesischen Solarbranche extremes Preisdumping vor.

Zudem kämpft Solarworld in den USA mit einem Rechtsstreit: Der ehemalige US-Siliziumlieferant Hemlock hat die Deutschen auf umgerechnet rund 720 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Ein US-Gericht hatte die Hemlock-Forderung wegen nicht erfüllter Abnahmeverpflichtungen im Sommer 2016 bejaht, dagegen läuft eine Berufung von Solarworld. Der Prozess galt bislang als zentrales Risiko in der Bilanz, es gab keine Rückstellungen für die Forderung.

Die Insolvenz von Solarworld ist eine weitere spektakuläre Pleite in der deutschen Solarwirtschaft. Durch die hohen Förderanreize von zunächst Einspeisegesetz und jetzt Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wurden Produktionsstätten aus dem Boden gestampft, die gegenüber der günstigeren asiatischen Konkurrenz nicht überlebensfähig sind. Entsprechend titelt die Sächsische Zeitung: „Der Kampf um die Sonne ist längst verloren“.   

So habe auch Mitteldeutschland nach Einschätzung von Fachleuten seine Rolle als eine internationale Hochburg der Solarindustrie eingebüßt. 2011 wurden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen allein rund 47 Prozent des deutschen Produktionsumsatzes erwirtschaftet. In den drei Bundesländern arbeiteten damals 14 000 Beschäftigte bei Solarzellen- und Modulherstellern und weitere 2 500 bei Fotovoltaik-Ausrüstern. Heute ist davon nur ein Bruchteil übrig.

Quellen: Leipziger Volkszeitung vom 11. Mai 2017, Sächsische Zeitung vom 11. Mai 2017

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