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Ehrgeizige Klimaziele kosten Deutschland mehr als eine Billion Euro

Deutschland hat sich zu einem ehrgeizigen Ziel bekannt: Die Treibhausgas-Emissionen sollen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 reduziert werden. Auf die Frage, was es kostet, dieses Ziel zu erreichen, gibt es von der Politik bislang keine klaren Antworten. Die Wirtschaft hat nun nachrechnen lassen: Schon die minimale Einspar-Variante verschlingt 1,4 Billionen Euro, so die Experten.

Zu diesem Beeindruckenden Ergbnis kommen die Boston Consulting Group (BCG) und das Prognos-Institut. Ihren Berechnungen zufolge werden Investitionen in Höhe von 1,4 Billionen Euro erforderlich sein, um bis 2050 eine Treibhausgasreduktion von 80 Prozent zu erzielen.

Diese Investitionen schlüsseln BCG und Prognos nach vier Sektoren auf. Sie belaufen sich demnach in der Industrie auf etwa 160 Milliarden Euro, im Energiesektor auf 370 Milliarden Euro, im Verkehrssektor auf 450 Milliarden Euro und im Sektor „Privathaushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD)“ auf 400 Milliarden Euro.

Diese Beträge werden innerhalb der einzelnen Sektoren weiter unterteilt. Beispiel Verkehrssektor: Hier schlagen die Mehrkosten für neue Elektroantriebe und der Aufbau der Ladeinfrastruktur zu Buche. Im Bereich Privathaushalte/GHD sind es beispielsweise Mehrkosten für die Gebäudedämmung oder für zusätzliche Effizienzmaßnahmen bei Neubauten. Einsparungen etwa reduzierte Brennstoffkosten werden gegengerechnet.

Die Zahlen sind einem 32 Seiten umfassenden gemeinsamen Papier von BCG und Prognos entnommen, das dem Handelsblatt vorliegt. Sie stellen das Zwischenergebnis einer umfassenden Studie dar, deren Endergebnisse voraussichtlich Anfang 2018 vorgestellt werden sollen.

In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), unterstützt von einer Reihe namhafter Unternehmen, darunter BASF, BP, Thyssen-Krupp und RWE.

Die Zahl von 1,4 Billionen Euro birgt politischen Sprengstoff. Sie markiert allerdings nur das untere Ende der erforderlichen Investitionen. Denn mit einer Treibhausgasreduktion von 80 Prozent wäre nur das politische Minimalziel erreicht. Die Studie soll daher auch noch die Frage beantworten, was eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 95 Prozent kosten würde. „Es gehört nicht viel Fantasie zu der Vermutung, dass man dann locker über die Zwei Billionen-Grenze kommt", sagt ein Akteur, der den Prozess begleitet. Tatsächlich dürften die letzten Prozentpunkte die teuersten sein. „Da gelangt man in die Grenzbereiche dessen, was technisch überhaupt möglich ist", sagt ein mit dem Prozess Vertrauter.

Einerseits will die Wirtschaft mit der Studie ein Warnsignal senden. Andererseits soll sie als Handreichung für die nächste Bundesregierung dienen. „Wir wollen Realitätssinn und Kostenbewusstsein in die politische Debatte tragen“, sagt ein Beteiligter. In einem „Kurz-Wording zum Studienprojekt“ heißt es, bislang fehle in der Klimaschutzdebatte „eine solide Abschätzung der ökonomischen Folgen“. In der nun zu Ende gehenden Legislaturperiode hat sich die Wirtschaft in Sachen Klimaschutz mitunter von der Bundesregierung verschaukelt gefühlt.

Das gilt beispielsweise für die monatelange Debatte über den „Klimaschutzplan 2050“ aus dem Hause von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), der Wege zur Erreichung der Klimaschutzziele aufzeigen soll. Auch innerhalb der Bundesregierung war der Plan lange umstritten, er wurde aus dem Kanzleramt und dem Bundeswirtschaftsministerium angegriffen. Bis zuletzt hatten Wirtschaftsvertreter darauf dringen müssen, den Klimaschutzplan technologieoffen zu halten, neue Reduktionsziele und feste Enddaten für bestimmte Technologien zu vermeiden.

Bei dem Wert von 1,4 Billionen Euro handelt es sich ausschließlich um zusätzliche Investitionen. Bereits getätigte Investitionen in den Klimaschutz etwa in den Umbau der Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien sind daher nicht in dem Wert enthalten. Diese bereits getätigten Investitionen summieren sich auf dreistellige Milliardenbeträge.

Quelle: Handelsblatt vom 4. August 2017

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