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Ex-Kohle-Konzern Vattenfall fordert nun den Kohleausstieg

Jahrelang hat Vattenfall mit der Verstromung der Lausitzer Braunkohle gutes Geld verdient. Als die Rahmenbedingungen ungemütlich wurden, stieß der schwedische Staatskonzern das Geschäft ab. Jetzt reiht sich Vattenfall sogar in das Konzert derer ein, die den Kohleausstieg fordern. Das Kalkül: Wenn der lästigen Konkurrenz das Leben schwer gemacht wird, läuft das eigene besser. In diesem Sinn schimpft Vattenfall gleichermaßen gegen Öl.

„Umweltschützer bekommen neue Mitstreiter aus der Industrie“, heißt es in der Berliner Morgenpost. Der Vattenfall-Chef in Deutschland schlage sich auf die Seite der „Grünen“ und Ökobewussten: „Wenn die Bundesregierung es ernst meint mit der Energiewende, brauchen wir einen geregelten Kohleausstieg“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung von Vattenfall, Tuomo Hatakka, der Morgenpost-Redaktion. De facto verabschiede sich die Bundesrepublik ohnehin schon von dem fossilen Brennstoff: „Niemand baut mehr neue Kohlekraftwerke.“ Einer der letzten Akteure, die das getan haben, war Vattenfall.

Die Bundesregierung müsse den Ausstieg verantwortungsbewusst umsetzen und sozialverträglich gestalten, gibt der Manager der künftigen Regierung schon jetzt mit auf den Weg. Noch haben sich Union und SPD bei ihren Sondierungen nicht auf einen Zeitplan für den Kohleausstieg geeinigt – dieser soll bis Ende des Jahres festgelegt werden. Als Vorbild sieht Hatakka den deutschen Steinkohlebergbau, der über die Jahre langsam abgewickelt wurde.

Vattenfall selbst will innerhalb einer Generation als erster Strom- und Wärmekonzern fossilfrei werden und beispielsweise in der Bundeshauptstadt Berlin bis 2030 keine Steinkohle mehr verwenden. Bereits Ende 2016 hat der schwedische Staatskonzern sein Braunkohlegeschäft in der Lausitz und Sachsen an den tschechischen EPH-Konzern verkauft und im Mai 2017 seinen letzten Braunkohleblock in Berlin abgeschaltet und sich damit von der besonders Kohlendioxid-intensiven Braunkohle verabschiedet. 

Vor allem beim Ausbau der Windenergie wünscht sich Hatakka in Deutschland mehr Tempo. „Das Ausbauziel bis 2030 für Offshore-Anlagen sollte von derzeit 15 auf mindestens 20 Gigawatt Leistung erhöht werden.“ Vattenfall betreibt bereits die Anlagen Dan Tysk und Sandbank in der Nordsee und will weitere bauen. Strom aus Erneuerbaren Energien sei im Vergleich zu Strom aus herkömmlichen Kraftwerken inzwischen nahezu wettbewerbsfähig, sagt Hatakka. 

Um den Kohleausstieg hinzubekommen, will Vattenfall auch Fernwärme ohne fossile Brennstoffe erzeugen. Dafür plant das Unternehmen, Biomasse zu nutzen sowie industrielle Abwärme; und es will sogenannte Power-to-Heat-Anlagen bauen, die Strom in Wärme umwandeln. Aus der Wärme ließe sich wiederum Energie gewinnen – das Fernwärmenetz in Berlin oder Hamburg wäre dann ein Stromspeicher. 

Für solche Anlagen, eine entsteht gerade in Berlin, wünscht sich Hatakka vom Gesetzgeber eine Entlastung, das heißt weniger Steuern und Abgaben – entsprechend schneller wäre der Kohleausstieg möglich, weil natürlich auch andere Firmen die Chancen nutzen können. Insgesamt will Vattenfall in den kommenden fünf Jahren zwei Milliarden Euro ins Wärmegeschäft investieren. 

Der Vattenfall-Deutschland-Chef fordert auch, Ölheizungen in Privatwohnungen nicht länger zu fördern. „Das ist eine völlige Fehlsteuerung, wenn es um die Energiewende und weniger CO2-Ausstoß geht.“ Anlagen mit dem fossilen Brennstoff hätten noch einen Anteil von 28 Prozent am deutschen Wärmemarkt. Sie durch umweltfreundlichere zu ersetzen biete große Chancen für die Wirtschaft. 

Grundsätzlich ist das Jahr 2017  für Vattenfall gut gelaufen. „Wir wachsen in den drei Kernbereichen Erneuerbare Energien, Gas- und Stromvertrieb sowie bei Wärme. Und wir sind profitabel in allen Geschäftsbereichen“, sagt Hatakka. Die Tendenz sei positiv, aber es gebe bei der Wirtschaftlichkeit noch Handlungsbedarf. Seit dem Verkauf des Kohlegeschäfts sei die Verwaltung konzernweit überdimensioniert. Hier werden Stellen wegfallen.

Wenig Freude bereitet dem Konzern das Geschäft mit seiner deutschen Wasserkraft, beispielsweise dem Pumpspeicherwerk Goldisthal in Thüringen. „Solche Energiespeicher werden von der Politik nicht genug geschätzt“, sagt Hatakka und könnte sich eine Förderung vorstellen. „Die Flexibilitätsleistung, die Pumpspeicherwerke für das Energiesystem erbringen, muss endlich einen Preis bekommen“, fordert er. 

Bei einem Pumpspeicher wird Strom genutzt, um Wasser in einen Stausee zu pumpen. Mit dem Wasser lässt sich dann bei Bedarf ein Generator betreiben, der Strom erzeugt. Der Stausee wirkt wie eine riesige Batterie. 

„Wir haben ein Problem mit der Wirtschaftlichkeit.“ Das bedeutet: „Die Zahl der Mitarbeiter wird um 40 Prozent, wie immer sozialverträglich, sinken“, sagt der Vattenfall-Deutschland-Chef. In der Sparte, die einst aus der Lausitz heraus geführt wurde, arbeiten 400 Beschäftigte. Ein Verkauf ist nicht vorgesehen. Vattenfall hat Anlagen mit einer Leistung von etwa 3000 Megawatt, insgesamt gibt es in Deutschland Pumpspeicher mit einer Leistung zwischen 6000 und 7000 Megawatt.

Quelle: Berliner Morgenpost vom 15. Januar 2018

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