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IW entzaubert deutsche Klimaschutz-Erfolge


Efficency first – Energieeffizienz zuerst: Das ist das neue Motto der Bundeswirtschaftsministeriums für eine erfolgreiche Energiewende. Dass es egrade mit den Effizienzfortschritten nicht weit her ist, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie herausgearbeitet. Demnach hängt die vermeintlich positve Bilanz vor allem an der Wachstumsschwäche der energieintensiven Branchen.

Mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris hat sich die Bundesregierung viel vorgenommen. Jetzt ist es Staatsziel, Deutschland bis 2050 zu „dekarbonisieren“. Nicht nur die Stromversorgung, auch der gesamte Verkehr, die Heizungen und möglichst viele Industrieprozesse sollen nach dem „Klimaschutzplan 2050“ auf Ökostrom umgestellt werden.

Nur: So viel erneuerbare Energie kann Deutschland selbst gar nicht produzieren. Das geben die Energiewendeplaner der Bundesregierung inzwischen offen zu. Schon konservative Annahmen gehen davon aus, dass die Windkraftleistung in Deutschland gegen alle Widerstände in der Bevölkerung noch mindestens vervierfacht werden müsste – und selbst das reicht für die erfolgreiche Dekarbonisierung dann immer noch nicht aus.

Aus dieser Erkenntnis heraus hat das Bundeswirtschaftsministerium für die Energiewende inzwischen das Motto „Efficiency First“ ausgegeben. Mindestens die Hälfte des Energiebedarfs soll bis 2050 weggespart werden. „Die Energiewende wird nur gelingen, wenn wir die Energieeffizienz auch in Zukunft deutlich und dauerhaft steigern“, heißt es im „Klimaschutzplan 2050“ der Regierung. Energieeffizienz sei geradezu „der Schlüssel zum Erfolg“, heißt es auch in der sogenannten Big-Picture-Studie der Denkfabrik Agora Energiewende.

Nur gestaltet sich die Steigerung der volkswirtschaftlichen Energieeffizienz offenbar schwieriger als gedacht. Die Regierungskommission zum Monitoring der Energiewende stellte bereits zu Jahresbeginn eine „unbefriedigende Entwicklung“ in Sachen Effizienzsteigerung fest, die „Kernziele“ der Energiewende würden mit den bisherigen Fortschritten nicht erreicht. Jetzt stellt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln sogar die bisherigen Effizienzerfolge zum Teil infrage. Die Untersuchung liegt der WELT exklusiv vor.

Das Forscherteam um den wissenschaftlichen IW-Leiter Hubertus Bardt hat sich die Energiesparerfolge in der Industrie der vergangenen Jahre genauer angeschaut. Und die sehen leider nur auf den ersten Blick gut aus.

Die Effizienz der Unternehmen, gemessen als „Energieintensität“, ist seit 2005 zwar um 2,2 Prozent pro Jahr besser geworden. Die Wertschöpfung in der Wirtschaft ist gestiegen, der Energieverbrauch dabei geringer geworden. Doch fast die Hälfte dieses Erfolgs führen die IW-Forscher auf reine „Struktureffekte“ zurück. Das heißt: Energie wurde nur gespart, weil sich die energieintensiven Industrien nicht so dynamisch entwickelt hatten wie etwa der energiearme Dienstleistungssektor.

Denn vor allem die energieintensiven Branchen wie etwa Chemie-Industrie und Metallerzeugung litten zuletzt unter Wachstumsschwäche. Zieht man diesen Effekt ab, bleiben als tatsächlicher Effizienzfortschritt, der auf Leistung der Unternehmen beruht, nur 1,3 Prozent übrig.

„Der Strukturwandel“, stellt IW-Studienleiter Bardt fest, „überzeichnet die Erfolge der Energieeffizienz.“ Damit eigne sich diese Messgröße „nicht als Erfolgsindikator für eine wirtschaftlich verträgliche Energiepolitik“.

Für die Energie- und Klimapolitik bedeutet die Entzauberung des angeblichen Effizienzfortschritts nichts Gutes: Die Herkulesaufgabe der Dekarbonisierung ist für sie damit noch ein Stückchen größer geworden.

Quelle: Die Welt 18. Juli 2017

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