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Kohle bleibt wichtigster Energieträger für Kohleausstiegsland Berlin

Zelebriert wurde die Nachricht wie ein Fest: Berlin vollzieht den Kohleausstieg. Der Applaus aller Kohlekritiker war den Hauptstadt-Politikern sicher. Haltbar ist diese These allerdings nur dann, wenn Fakten ignoriert werden. Berlin lebt von Stromimporten. Heute – und auch morgen und übermorgen. Und dieser Strom stammt zu großen Teilen aus Kohle. Der Verzicht auf diese Importe ist jedoch nicht Teil des Ausstiegsprogramms.

Berlins regierender Bürgermeister, Michael Müller, gibt sich umweltfreundlich und erklärt, die Bundeshauptstadt komme seit der Umstellung des Kraftwerks Klingenberg im Stadtteil Rummelsburg von Braunkohle auf Erdgas im Mai 2017 ohne Braunkohle aus. Tatsächlich bleibt aber Kohle für Berlin der wichtigste Energieträger in der Stromversorgung.

Im Jahr 2014 verbrauchte Berlin 13,4 Terawattstunden (TWh) Strom. In der Bundeshauptstadt selbst erzeugt wurden davon allerdings nur 58 %. Im Wesentlichen stammte der in Berlin produzierte Strom zu 53 % aus Steinkohle und zu 31 % aus Erdgas. Der Anteil der Braunkohle lag bei knapp 9 %. Der Anteil der Erneuerbaren an der Berliner Stromerzeugung betrug 4 %. Der Braunkohlestrom wurde im Kraftwerk Klingenberg erzeugt.

Da der Stromverbrauch (13,4 TWh) in der Bundeshauptstadt durch eigene Kraftwerke nicht vollständig gedeckt werden kann, ist Berlin in hohem Maße auf Stromimporte angewiesen. 2014 wurden 42 % des Bedarfs durch Lieferungen aus Brandenburg gedeckt. Brandenburg hingegen verbraucht nur 30 % (16,3 TWh) seines produzierten Stroms selbst.

Der Strommix Brandenburgs setzte sich 2014 zu 62 % aus Braunkohle und zu 27 % aus erneuerbaren Energien zusammen. Sonstige Energieträger machten 6 %, Erdgas 5 % aus.

Bei der Gesamtbetrachtung von Eigenerzeugung und Stromlieferungen aus Brandenburg deckte Braunkohle 2014 insgesamt 31 % des Berliner Strombedarfs. Stein- und Braunkohle kamen zusammen auf einen Anteil von 62 %. Erneuerbare Energien hatten einen Anteil von 13 %. Diese Berechnung unterstellt, dass die Stromlieferungen aus Brandenburg dem durchschnittlichen Energiemix des Bundeslandes entsprechen. Denkbar ist jedoch, dass das Angebot von Strom aus erneuerbaren Energien in Folge des gesetzlichen Einspeisevorrangs in Brandenburg komplett selbst verbraucht wird. Damit würde sich der Energieträgermix bei den Stromexporten Brandenburgs deutlich zugunsten der Braunkohle verändern.

Nutzt Brandenburg seinen EE-Strom vollständig selbst, so steigt der Anteil der Braunkohle des exportierten Stroms auf 85 %. Der Braunkohleanteil am gesamten Stromverbrauch in Berlin erhöht sich damit auf 41 %. Den Steinkohleanteil Berlins hinzugerechnet, basieren fast drei Viertel des Berliner Stromverbrauchs auf Stein- und Braunkohle.

Durch den Ersatz des Kohlestroms aus dem Kraftwerk Klingenberg durch Erdgasstrom verringert sich dieser Anteil der CO2-Emissionen um etwa die Hälfte. Allerdings bleiben bei der Klimabilanz des Erdgases die Methan- und CO2-Emissionen unberücksichtigt, die bei Förderung, Aufbereitung und Transport des Brennstoffes entstehen. Bei Berücksichtigung der vorgelagerten Emissionen liegen alle konventionellen Kraftwerkstechnologien nahe beieinander. Ferner entfällt durch den Einsatz von Importerdgas z. B. aus Russland die Wertschöpfung im Lausitzer Braunkohlenrevier.

Der bei der Brennstoffumstellung im Kraftwerk Klingenberg suggerierte Technologiewechsel in der Berliner Stromversorgung ist damit nicht erkennbar. Auch das Zubau-Potenzial bei den regenerativen Energien ist aufgrund der dichten Siedlungsstruktur begrenzt. Erste Zahlen für 2015 ergeben einen Zuwachs von 6 % von 0,311 TWh auf 0,329 TWh bei den Erneuerbaren.

Die Betrachtung zeigt, dass Kohle in Berlin auf absehbare Zeit eine verlässliche Säule für die sichere Strom- und Wärmeversorgung bleiben wird.

Quelle: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 67. Jg. (2017) Heft 11

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