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Leag will die Lausitz zum innovativen Energiedrehkreuz machen

Der Energiekonzern Leag will für die Zeit nach der Braunkohle gerüstet sein. Dafür soll in der Lausitz ein industrieller Großspeicher gebaut werden. Als Partner des Projekts, das für den Erfolg der Energiewende bedeutend ist, wurde kein geringerer als Siemens gewonnen. Baubeginn ist voraussichtlich schon im kommenden Jahr. Mit solchen Schritten will die LEAG die Lausitz zu einem Energiedrehkreuz im Herzen Europas entwickeln.

Ostdeutschlands größter Energieversorger, der Konzern Leag, will eine aktivere Rolle in der Energiewende übernehmen. Wie das Unternehmen ankündigte, soll an einem der brandenburgischen Kraftwerksstandorte, Jänschwalde oder Schwarze Pumpe, ein industrieller Großspeicher gebaut werden - zunächst mit 45 bis 50 Megawatt Leistung. Dieser soll Spitzenlasten auffangen, wenn zum Beispiel an sonnigen und windigen Tagen zuviel Strom im Netz ist und diese wieder einspeisen, sobald die Nachfrage steigt.

Die fehlende Speicherbarkeit in industriell nutzbarem Maßstab, verbunden mit einem relativ unflexiblen Stromnetz, gilt als zentrale Schwachstelle der deutschen Energiewende. Hier möchte Leag künftig stärker mitmischen.

„Wir sehen hier eine Möglichkeit, uns mit unserem Knowhow stärker im Stromnetz der Zukunft engagieren zu können, zunächst auf Basis unseres Kerngeschäfts Braunkohle“, sagte Leag-Vorstandschef Helmar Rendez dem rbb.

Damit zeigt die Leag gut zwei Monate nach Bekanntgabe des neuen Revierkonzeptes für die Lausitz, wohin die Reise strategisch gehen soll. Unter den neuen tschechischen Eigentümern steigt das Lausitzer Unternehmen als assoziierter Partner in die Entwicklung neuer Technologien zur Bewältigung der Energiewende ein.

Im Verbundprojekt Windnode, das rund 60 Beteiligte in allen ostdeutschen Bundesländern umfasst, wird die Leag zusammen mit Siemens den Speicher entwickeln. Das Projekt trägt den Namen „BigBatt“ für große Batterie, die Kosten werden bei etwa 20 Millionen Euro liegen.

Der genaue Standort für das Vorhaben werde noch geprüft, so Frank Mehlow, Leiter des Bereiches Energiewirtschaft bei der Leag. Alle Kraftwerkstandorte des Unternehmens verfügten jedoch über die nötige Infrastruktur und ausreichend Platz. Der Speicher soll durch die Vernetzung mit der Braunkohlestromerzeugung die Flexibilität der Kraftwerke weiter erhöhen. Außerdem könnte er Systemdienstleistungen für Netzbetreiber liefern. Das bedeutet, zur Stabilisierung des Stromnetzes kann in kritischen Situationen Elektroenergie schnell zu- oder abgeführt werden.

Darüber hinaus sollen neue Technologien der Betriebsführungs- und Leitsysteme entwickelt werden, kündigte Rendez an: „Wir wollen den Transformationsprozess des Energieversorgungssystems zielgerichtet und langfristig begleiten.“ Das Unternehmen werde neue Produkte entwickeln und sich Geschäftspartnern öffnen. „Wir haben Regelungssysteme für einen flexiblen Kraftwerkspark, die könnten auch für andere von Interesse sein“, so Rendez. Schon jetzt würden Know-how und digitale Systeme der Leag im Drittkundengeschäft genutzt.

Flexibilität sei das zentrale Thema der Energiewende. Der geplante Großspeicher für Strom mit 40 bis 50 MW sei dabei für die Leag aber nur ein „Sahnehäubchen“, so der Vorstandschef. Das Unternehmen verfügt über einen Braunkohlekraftwerkspark mit 8000 MW Leistung. Dort werde deshalb auch in Zukunft der wesentliche Teil der Flexibilität im Stromangebot erbracht werden müssen.

Damit sieht es nach Angaben von Rendez nicht schlecht aus. Als Beispiel nennt er den 1. Mai diesen Jahres. An diesem Tag sei die Stromproduktion des Braunkohlekraftwerksparks der Leag von 6000 MW auf 3000 MW herunter- und wieder hochgefahren worden. Beide Prozesse hätten jeweils nur fünf bis sechs Stunden gebraucht. Insgesamt könnten die Anlagen auf 30 Prozent der Kapazität gedrosselt werden. Ziel des Unternehmens sei es, eine Reduzierung bis auf 20 Prozent zu schaffen.

Wenn der geplante Strom-Großspeicher erfolgreich funktioniert, könnte sich Leag-Chef Rendez vorstellen, auch für andere Firmen solche Speicher zu steuern und zu vermarkten. Das eröffne ein neues Geschäftsfeld: „Wir treiben damit die Digitalisierung der Energiewirtschaft voran.“ Die Lausitz könnte zu einem „innovativen Energiedrehkreuz“ werden.

Wie sehr der Braunkohlekonzern auf weitere Digitalisierung setzt, zeigt eine andere Entscheidung. Kürzlich wurde ein spezielles Team mit zehn Mitarbeitern gebildet, das sich mit Vorschlägen dazu befasst.

Ganz offensichtlich befasst sich die Leag nicht nur damit, so lange wie möglich Braunkohlestrom zu produzieren. „Wir planen nicht nur für die nächsten 25 bis 30 Jahre, sondern auch für die Transformation des Energiesektors und die Zeit danach“, sagte Rendez.

Quellen: rbb-online vom 9. Juni 2017, lr-online vom 9. Juni 2017

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