4. Der Nucleus Lausitz zum Gelingen der Energiewende

Die Lausitz ist eine Energieregion mit langer Tradition. Sie ist nahezu ein Musterbeispiel für den Aufbruch Deutschlands im Rahmen der Energiewende. Als Braunkohlerevier erzeugt die Lausitz mit ihrem Kraftwerkspark heute jede zehnte Kilowattstunde Strom für Deutschland. Gleichzeitig zählt insbesondere das Land Brandenburg zu den Vorreitern im dynamischen Ausbau der Erneuerbaren: Brandenburg ist sowohl bei Windkraft als auch bei Solar Spitzenreiter im föderalen Deutschland, rechnet man die installierte Leistung pro Kopf der Bevölkerung. Dadurch treten auch die Herausforderungen im Netzausbau und in der Regulierung der Netze viel deutlicher zu Tage. Die Auswirkungen der Energiewende sind schon heute in der Lausitz deutlich stärker spürbar als in vielen anderen Regionen, die später von den Erfahrungen der Lausitz profitieren können. Durch die Lage im Nord-Süd-Gefälle und die Grenze zu den zwei Nachbarländern Polen und Tschechien, die nach wie vor stark auf fossile Energieträger setzen, werden die Anforderungen an das Stromnetz in der Lausitz besonders deutlich. Mit Berlin und dem Wirtschaftsraum Dresden grenzen zwei wachsende Ballungszentren mit ihren zunehmenden Herausforderungen an zuverlässige Stromzufuhr unmittelbar an die Energieregion Lausitz und stehen exemplarisch für die Herausforderungen einer künftigen sicheren Stromversorgung im Gefälle zwischen ländlicher Region und urbanem Wirtschafts- und Lebensraum. Das Zukunftsthema Elektromobilität ist in der Region mit Leuchttürmen wie der weiter ausgebauten Mercedes-Benz-Tochter ACCUMOTIVE im Bereich von Batterien und somit Speichern sowie weiteren Branchenspezialisten im Wirtschaftsraum Dresden bereits fest verankert. Der Braunkohlekraftwerkspark der Lausitz gilt weltweit als der modernste seiner Art und verfügt schon heute über ein hohes Maß an Flexibilität. Vor allem aber existiert in der Lausitz ein enormes Know-how zu Energiethemen sowohl in den Wissenschaftsinstitutionen als auch in der Wirtschaft. Die Lausitz ist Prozessweltmeister und verfügt über ein einzigartiges Wissen in der Industrieautomatisierung. Dieses Wissens-Potenzial kann für eine Neuausrichtung der Energieregion Lausitz nutzbar gemacht werden. Aktuelle Überlegungen zur besonderen Förderung der Wirtschaftsregion Lausitz könnten Forschung, Entwicklung und Produktion in der Region nachhaltig begünstigen. Vor diesem Hintergrund ist die Lausitz als Nucleus aus fossiler Energie, Erneuerbaren, Forschung und Energiewirtschaft für die Energiewende optimal aufgestellt.

Vor allem die Forschung und der über Jahrzehnte eingespielte Technologietransfer zwischen der Lausitzer Hochschullandschaft und der Energiewirtschaft kann im Nucleus Lausitz ein Musterbeispiel für die Umsetzung einer Energiewende in einem realen Markt liefern. Vielfältige Forschungsprojekte mit den umliegenden Hochschulen wie der BTU Cottbus-Senftenberg, der Technischen Hochschule Wildau, der Hochschule Görlitz-Zittau, der TU Bergakademie Freiberg und der TU Dresden unterstreichen die vorhandene Durchlässigkeit zwischen Forschung, technologischen Innovationen und der Energiewirtschaft, mit einer optimalen Verankerung auch im regionalen industriellen Mittelstand.

Bereits mittelfristig müssen im Rahmen der Energiewende wichtige Aufgaben gelöst werden: die weitere Erhöhung der Flexibilität fossiler Stromerzeugung, die Sicherung der Netze und der Versorgungssicherheit, die Steigerung der Akzeptanz gegenüber notwendigen Maßnahmen in der Bevölkerung. Viele dieser Maßnahmen sind mit Forschung, Entwicklung, Technologietransfer und neuen technischen Komponenten sowie deren Produktion verbunden. Aus der Ausgangslage lässt sich ableiten, dass die Lausitz für dieses Zukunftsfeld der prädestinierte Standort ist.

Ein Lausitzer Institut für Energiewende

Bislang werden Debatten zur Energiewende, wie auch ein sachlicher Blick auf die aktuelle AGORA-Studie beweist, vor allem auf ideologischer Basis und durch Wiederholung vermeintlicher Gegebenheiten geführt. Eine unabhängige, wissenschaftliche Betrachtung aller Facetten der Energiewende unter Einbindung der notwendigen Disziplinen und Kompetenzen mit einer entsprechenden Evaluierung existiert nicht.

Durch die Installation eines interdisziplinären Forschungsinstituts in der Lausitz ließen sich nicht nur die Herausforderungen der Energiewende bewältigen – die ganze Region würde vielmehr einen wichtigen Leuchtturm im laufenden Strukturwandel vom fossilen Revier hin zu einer neu ausgerichteten Energieregion erhalten. Es wäre eine Anerkennung der immensen Vorleistungen, die die Lausitz bereits für die Energiewende erbracht hat. Vor allem würde es aber den Technologievorsprung der Lausitz und damit Deutschlands auch im internationalen Interesse für das Erreichen von Klimazielen erhalten und weiter ausbauen.

Ein weiterer Vorteil ist der Rückgriff auf einen leistungsfähigen und innovativen Mittelstand in der Energiewirtschaft. Durch den bereits festgeschriebenen, schrittweisen Rückgang in der Braunkohleindustrie können die hier vorhandenen Kompetenzen und freigesetzten Kapazitäten für den Technologietransfer und die folgende Produktion technischer Komponenten in der Wissens- und Industrieregion Lausitz gebunden werden. Somit entsteht für eine traditionelle Energieregion als Motor für die Energiewende auch eine neue, zukunftsgerichtete Wertschöpfung.

Dabei könnte ein solches Institut in der Lausitz auf den auch in diesem Bereich erbrachten Vorleistungen der Region aufbauen. Die BTU Cottbus-Senftenberg verfügt mit dem Lehrstuhl für Kraftwerkstechnik und dem Fachgebiet Energieverteilung und Hochspannungstechnik bereits über die notwendigen Forschungsschwerpunkte für die zentralen Themen wie Flexibilität, Hochspannungstechnik, Energielogistik oder Energiesystemtechnik, die den Erfolg der Energiewende bestimmen werden. Es sind nicht ohne Grund die drittmittelstärksten Einrichtungen der Hochschule, was den regen Austausch mit der Lausitzer Energiewirtschaft unterstreicht. Zudem bietet die BTU Cottbus-Senftenberg den einzigartigen Vorteil, durch den erst kürzlich absolvierten Verschmelzungsprozess aus einer Universität und einer Fachhochschule zur heutigen Hochschule, vielfältige Synergien zwischen Wissenschaftsorientierung und Praxisbezug erschließen zu können. Ein Institut könnte hier also auf bundesweit einzigartige Kompetenzen und einen bestehenden Transfer zurückgreifen.

Die Bundespolitik hat mit der Lausitz die Chance, die Energiewende statt mit Technologieverbot und Strukturverlusten als progressives, technologieoffenes Pilotprojekt mit neuer Zukunft für eine ganze Region zu gestalten. Dazu muss der Nucleus Lausitz für den im Revierkonzept der LEAG bereits auf einen absehbaren Zeitraum festgeschriebenen Kontext erhalten bleiben und durch Schaffung einer unabhängigen, wissenschaftlichen Institution in der Lausitz mit der dringend benötigten Fachkompetenz im Bereich der Energiewende gestärkt werden.

Im Rahmen der Energiewende werden bereits viele, meist ideologisch eingefärbte Studien diskutiert, etliche Institutionen forschen diesbezüglich zu vielfältigen Themen. Die Planungen der Bundesländer zu Umsetzungen im Rahmen der Energiewende erfolgen individuell, eine Gesamtbetrachtung wird durch vielfältige Bemühungen erschwert. Ein Institut der großen Forschungsgesellschaften in der Lausitz, das sich sowohl den technischen als auch den sozialwissenschaftlichen Aspekten der Energiewende und der Stromversorgung der Zukunft widmet, beinhaltet die große Chance, das vorhandene Know-how unabhängig zu bewerten, zu bündeln und weiterzuentwickeln. Es könnte die zentrale Instanz zur Ausgestaltung und Verifizierung einer nachhaltigen politischen Gestaltung der Energiewende sein. Grundlage ist und bleibt für ein solches Modell aber der Nucleus Lausitz, zu dem auch der Erhalt der Lausitzer Braunkohle im aktuell geplanten Rahmen zählt.

CCS – mehr Mut zu Technologie und Innovation

Der Beitrag der Lausitz könnte auch deutlich über den im Nucleus Lausitz skizzierten Ansatz hinausreichen. Heute ist weltweit unstrittig, dass die internationalen Klimaziele nur mit innovativen Technologien erreicht werden können. Dabei gilt vor allem die CCS-Technologie als Hoffnungsmodell, dessen Möglichkeiten bereits wissenschaftlich fundiert und praktisch erprobt sind. Mittels CCS soll das CO2 in industriellen Prozessen vereinfacht dargestellt aus den Emissionen gefiltert und dann unterirdisch gelagert werden, um das industrielle CO2 später wieder zu nutzen. Speicherkapazitäten gibt es weltweit ausreichend, auch in Deutschland.

Gerade in diesem Jahr wurde ein seit 2004 laufendes Pilotprojekt im brandenburgischen Ketzin erfolgreich abgeschlossen. Die CO2-Einspeisung selbst wurde dort seit 2008 vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) betrieben und im Jahr 2013 beendet. Während dieser Periode wurden 67.271 t CO2 im Reservoir gespeichert. Im Jahr 2017 wurde das Projekt erfolgreich beendet und die Sicherheit der Technologie, des Speicherkomplexes und für die Umwelt bestätigt. Nicht nur mit dem Praxisbeweis im Pilotprojekt ist das Land Brandenburg Vorreiter, auch mit den Planungen und technologischen Grundlagen zu einem CCS-Braunkohlekraftwerk in der Lausitz wurden viele Vorleistungen erbracht. Ein CCS-Projekt mit der Lausitzer Kohle könnte für Deutschland den Weg zu einer weltweit dringend benötigten Technologie bahnen. Im Wettlauf um die Zeit könnte gerade die Lausitz mit ihrem bundesweit einzigartigen, interdisziplinären und gebündelten Know-how in industriellen Prozessen einen wesentlichen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten. Mit einem Blick auf das weltweite Wachstum der Verstromung aus fossilen Energieträgern kann die CCS-Technologie gerade in der emissionsstarken Braunkohle- bzw. Kohleverstromung die stärksten Klimaeffekte erzielen. In keinem weiteren industriellen Bereich kann CCS derart entscheidend zur Emissionsminderung beitragen. Dies verdeutlicht die mögliche, noch weiterreichende Bedeutung der Lausitzer Kohle auf Grundlage bereits erbrachter Vorleistungen. Diese Lösung wäre für Deutschland im Vorteil zum Subventionsbetrieb für Erneuerbare sogar finanziell sicher und klar kalkulierbar, da für ein deutsches CCS-Projekt in Brüssel nach wie vor EU-Mittel in Höhe von ca. 3 Milliarden Euro bereitstehen.

Die Politik steht ebenso wie die deutsche Wirtschaft ohnehin in der Verantwortung, CCS künftig zur Emissionsvermeidung in Anwendung zu bringen. Auch Umweltschützer fordern die Technologie, sie ist international bereits akzeptierter Konsens zum Klimaschutz. Insoweit ist es ein Auftrag der deutschen Politik, auch zum Thema CCS-Technologie mehr Aufklärung zu betreiben und dem Thema CO2-Abspaltung und -verpressung das Schreckgespenst zu nehmen. Die wenigsten Deutschen wissen heute, dass CO2 ein ungiftiges und geruchloses Gas ist. Lediglich seine Anreicherung in der Atmosphäre verursacht Klimaeffekte, unterirdisch eingelagert kann es durch künftige Technologien hingegen als Rohstoff dienen. Die meist unsachlich geführte Auseinandersetzung sollte sich endlich darauf konzentrieren, die weitere CO2-Anreicherung in der Atmosphäre durch die richtigen Maßnahmen im globalen Kontext zu vermeiden. Einen möglichen Weg haben wir hier aufgezeigt.

 

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