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Die Zustimmung der Deutschen zum CO2-Preis hängt an seiner Höhe

So ist das mit Studien: Die einen titeln sinngemäß „selbst 100 Euro die Tonne wären machbar“. Die anderen schreiben: „Keine Mehrheit für hohe CO2-Preise.“ Nüchtern betrachtet heißt das: Die Zustimmung zu CO2-Preisen hängt an deren Höhe. Und daran, was mit dem Geld gemacht wird. Mit dem Jahreswechsel werden solche CO2-Preise in Deutschland verbindlich eingeführt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung scheint brüchig.

Im Januar wird erstmals ein CO2-Preis für den Verkehrs- und Wärmesektor in Deutschland eingeführt. Er soll zunächst 25 Euro pro Tonne CO2 betragen und bis 2026 auf mindestens 55 Euro steigen. Eine Befragung unter rund 6.500 deutschen Haushalten im Auftrag des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der University of Oxford zeigt: Bislang wird nur ein relativ niedriger CO2-Preis von einer Mehrheit unterstützt, ein Preis von 50 Euro pro Tonne CO2 wird aktuell mehrheitlich abgelehnt.

Neben der Höhe hängt die Zustimmung ebenso vom jeweiligen Einkommen als auch von der Verwendung der Einnahmen ab, besagt die aktuelle Mitteilung des RWI. Würden die Einnahmen durch die CO2-Bepreisung in Form von pauschalen Transfers an die Bevölkerung zurückerstattet, könnte selbst ein CO2-Preis von 100 EUR pro Tonne mehrheitlich unterstützt werden.

Die wichtigsten Aussagen der Studie fasst das RWI wie folgt zusammen:
• Einen CO2-Preis von 10 Euro pro Tonne befürworten 57 Prozent der rund 6.500 befragten Haushalte. Ein Preis von 50 Euro wird dagegen nur von 45 Prozent, ein Preis von 100 Euro nur von 38 Prozent der Befragten unterstützt. Durch einen CO2-Preis von 50 Euro verteuert sich beispielsweise ein Liter Benzin um etwa 14 Cent pro Liter.
• Die Zustimmung zum CO2-Preis steigt mit dem Einkommen. Personen mit niedrigem Einkommen lehnen ihn mehrheitlich ab. Ebenfalls mehrheitlich gegen einen CO2-Preis sind Befragte, die dadurch besonders belastet werden – zum Beispiel, weil sie mit Öl heizen oder bereits hohe Energiekosten haben.
• Bei der Verwendung der Einnahmen aus einer CO2-Bepreisung sind „grüne“ Investitionen, wie die Förderung erneuerbarer Energien und klimafreundlicher Transportoptionen, insgesamt die beliebteste Option. Rund drei Viertel der Befragten unterstützen diese Ausgaben. Sie sind insbesondere bei jenen beliebt, die auch eine CO2-Bepreisung befürworten, ihre Zustimmung sinkt aber besonders stark bei höheren CO2-Preisen.
• Um eine höhere Zustimmung auch bei hohen CO2-Preisen zu erreichen, sind andere Optionen besser geeignet. Die höchste Zustimmung wird erreicht, wenn die Einnahmen durch einen pauschalen Transfer an die Bevölkerung zurückgezahlt werden.
• In Kombination mit einer pauschalen Rückzahlung sind rund 70 Prozent der Befragten bereit, einen Preis von 10 Euro pro Tonne CO2 zu unterstützen. Auch CO2-Preise von 50 Euro (62 Prozent) und 100 Euro (58 Prozent) werden in diesem Fall mehrheitlich unterstützt.
„Unsere Studie zeigt, dass höhere CO2-Preise mehrheitlich akzeptiert werden könnten, wenn die Einnahmen daraus pauschal an die Bevölkerung ausgezahlt werden“, sagt RWI-Energieexperte Stephan Sommer. „Bei immer ehrgeizigeren Klimazielen dürften Verteilungsfragen, die sich aus der Klimapolitik ergeben, an Bedeutung gewinnen. Von pauschalen Transfers würden untere Einkommensgruppen im Verhältnis stärker profitieren. Wenn die Einnahmen aus dem CO2-Preis dagegen in grüne Investitionen fließen, könnte dies zu einer weiteren Polarisierung der Bevölkerung in dieser Frage führen.“

Ko-Autor Michael Pahle, Klimaforscher am PIK, ergänzt: „Konkret relevant sind unsere Ergebnisse für die Weiterentwicklung des Brennstoffemissionshandels, der im nächsten Jahr an den Start geht. Langfristig werden hohe Zertifikats- bzw. CO2-Preise nur dann möglich sein, wenn die Verteilung der Kosten als fair erachtet wird. Das zeigt nicht zuletzt die Debatte darum, wer den CO2-Preis-Aufschlag auf die Heizkosten zahlen soll – Mieter oder Vermieter.“

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, idw-online.de, vom 7. Dezember 2020

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