Energieverbrauch in Deutschland sinkt auf niedrigsten Stand seit 1990

Der Energieverbrauch in Deutschland fiel 2022 auf den niedrigsten Stand seit der Wende. Verantwortlich sei vor allem der starke Preisanstieg. Menschen und Betriebe haben gespart und in bessere Energieeffizienz investiert. Hier und da wurde aus Kostengründen die Produktion gedrosselt. Schließlich half noch die wärmere Witterung. Der große Rückgang beim Gas wurde auch durch eine deutliche Steigerung der Kohlenutzung aufgefangen.

Der Energieverbrauch in Deutschland erreichte 2022 eine Höhe von 11.829 Petajoule (PJ) beziehungsweise 403,6 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Das entspricht einem Rückgang um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Energieverbrauch erreichte damit nach den Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Der gegenüber dem Vorjahr deutliche Rückgang beim Energieverbrauch hat mehrere Ursachen: Trotz der sich im Jahresverlauf verstärkenden konjunkturellen Eintrübung ging von der Wirtschaft ein energieverbrauchssteigernder Effekt aus. Eine Erhöhung des Energieverbrauchs ergab sich auch aus dem Anstieg der Bevölkerungszahl: Allein bis August erhöhte sich die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen um knapp eine Million.

Andererseits kam es infolge der stark gestiegenen Energiepreise sowohl zu kurzfristigen verhaltensbedingten Einsparungen wie auch zu Energieeffizienzinvestitionen mit mittel- bis langfristiger Wirkung. Zu einer Minderung des Energieverbrauchs dürften auch preisbedingte Produktionskürzungen in einzelnen Wirtschaftsbranchen geführt haben, so die AG Energiebilanzen in ihrer vorläufigen Abschätzung der Entwicklung für das zu Ende gehende Jahr. Knapp ein Prozent des Gesamtrückgangs beim Energieverbrauch führt die AG Energiebilanzen auf die gegenüber 2021 wärmere Witterung zurück. Bereinigt um den Temperatureinfluss wäre der Energieverbrauch 2022 in Deutschland nur um 3,9 Prozent gesunken.

Der Verbrauch von Mineralöl erhöhte sich 2022 insgesamt um 3 Prozent auf 4.160 PJ (141,9  Mio. t SKE). Der Anteil des Mineralöls am gesamten Primärenergieverbrauch stieg auf 35,2 Prozent (Vorjahr 32,5 Prozent). Der Verbrauch von Ottokraftstoff erhöhte sich um rund 4 Prozent, beim Dieselkraftstoff gab es dagegen einen Rückgang um 1 Prozent. Der Absatz von leichtem Heizöl stieg um rund 14 Prozent, da viele Haushalte und Betriebe – unter anderem, um Erdgas zu substituieren – ihre Lagerbestände erhöht haben. Der Absatz von Flugkraftstoff stieg kräftig um 43 Prozent. Die Lieferungen von Rohbenzin an die chemische Industrie verringerten sich dagegen um 7,2 Prozent.

Der Erdgasverbrauch fiel 2022 um knapp 15 Prozent auf 2.814 PJ (96,0 Mio. t SKE). Das ist der niedrigste Stand seit 2014. Hauptursache für diese Entwicklung waren neben der zeitweise deutlich milderen Witterung die preis- und nachfragebedingten Absatzrückgänge in allen Verbrauchsbereichen. Der Anteil des Erdgases am gesamten Primärenergieverbrauch fiel von 26,6 auf 23,8 Prozent.

Der Verbrauch an Steinkohle stieg 2022 um knapp 5 Prozent und erreichte eine Höhe 1.161 PJ (39,6 Mio. t SKE). Der Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken erhöhte sich um mehr als 16 Prozent. In der Eisen- und Stahlindustrie wurden aufgrund der konjunkturellen Entwicklung etwa 6 Prozent weniger Steinkohle eingesetzt. Der Einsatz von Steinkohle in den Kraftwerken wurde begünstigt durch den Preisanstieg bei den Wettbewerbsenergien und die Wiederinbetriebnahme von Anlagen im Rahmen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Energiekrise. Der Anteil der Steinkohle am gesamten Primärenergieverbrauch erhöhte sich von 8,9 auf 9,8 Prozent.

Der Verbrauch von Braunkohle stieg um rund 5 Prozent auf 1.185 PJ (40,4 Mio. t SKE).  Rund 90 Prozent des Beitrages der Braunkohle zum Energieverbrauch entfällt auf die Stromerzeugung. Der Mehreinsatz glich verminderte Beiträge anderer Energieträger zur Erzeugung von Strom und Wärme aus. Braunkohle hatte 2022 einen Anteil von 10 Prozent (Vorjahr: 9,1 Prozent) am gesamten Primärenergieverbrauch.

Die Stromerzeugung der Kernenergie lag 2022 um knapp die Hälfte niedriger als 2021. Für die Halbierung der Stromerzeugung sorgte die Stilllegung der Anlagen in Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen mit zusammen 4.000 Megawatt (MW) Leistung. Zugleich verminderten die verbliebenen drei Kraftwerksblöcke ab Oktober ihre Produktion, um den beschlossenen Weiterbetrieb bis zum 15. April 2023 sicherstellen zu können. 2022 hatte die Kernenergie einen Anteil von 3,2 Prozent (Vorjahr: 6,1 Prozent) am gesamten Energieverbrauch in Deutschland.

Die erneuerbaren Energien steigerten ihren Beitrag zum Primärenergieverbrauch 2022 um 4,4 Prozent auf 2.034 PJ (69,4 Mio. t SKE). Der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Primärenergieverbrauch erreichte 2022 einen Anteil von 17,2 (Vorjahr: 15,7) Prozent. Die Biomasse, deren Anteil an den erneuerbaren Energien bei über 50 Prozent liegt, verzeichnete einen Verbrauchszuwachs um etwa 1 Prozent, da trotz milder, verbrauchssenkender Witterung mehr Biomasse als Heizenergie eingesetzt wurde und fossile Heizenergien substituierte. Die Wasserkraftwerke verminderten infolge der langanhaltenden Trockenheit ihren Beitrag um rund 13 Prozent. Bei der Windenergie kam es dagegen zu einem Anstieg der Stromerzeugung um 12 Prozent. Die Solarenergie legte um 21 Prozent zu. Beide profitierten insbesondere von einer außergewöhnlich günstigen Witterung.

2022 floss mehr Strom ins Ausland als umgekehrt nach Deutschland hinein. In Summe betrug der Stromaustauschsaldo minus 99 PJ (3,4 Mio. t SKE). Hauptgründe für diese Entwicklung sind Verschiebungen im europäischen Stromerzeugungsmix sowie die gestiegene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland.

Für das Gesamtjahr 2022 rechnet die AG Energiebilanzen mit einem Rückgang der energiebedingten CO₂-Emissionen um etwa 1 Prozent oder etwa 7 Millionen Tonnen. Die Substitutionseffekte im Energiemix führten zu einem Anstieg der CO₂-Emissionen. Dieser Zuwachs lag jedoch unter der Einsparung, die sich aus dem Rückgang des Gesamtverbrauchs ergibt, erklärte die AG Energiebilanzen.

Quelle: Pressemitteilung der AG Energiebilanzen vom 20. Dezember 2022

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