Erneuerbare zwischen kraftloser Gegenwart und verheißungsvoller Zukunft


Das Signal, das vom Branchentag der Erneuerbaren Energien Berlins und Brandenburgs ausgeht, ist ein doppeltes: Einerseits sei im ersten Quartal 2022 die Zahl neu genehmigter Windenergieanlagen gegenüber dem Vorjahr deutlich eingebrochen. Andererseits werde sich bis 2030 die Nachfrage nach grünem Strom nahezu verdoppeln. Beim Branchentag zeigten sich auch neue Industrie-Akteure aus der Lausitz.

 

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Erneuerbare Energien machen Brandenburg attraktiv für industrielle Neuansiedlungen. Aktuell werden jedoch nur noch wenige neue Windprojekte genehmigt. Damit die Branche Treiber des Strukturwandels in Brandenburg bleiben kann, muss das Land die Erzeugung klimafreundlicher Energien und den Ausbau der Netze an den steigenden Bedarf anpassen. Darauf hat der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in Berlin/Brandenburg anlässlich des Branchentages hingewiesen. „Im ersten Quartal 2022 wurden in Brandenburg nur 13 Windenergieanlagen neu genehmigt. Das ist weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr“, erklärt Jan Hinrich Glahr, Landesvorstand des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) Berlin/Brandenburg und Sprecher der BEE Landesvertretung Berlin/Brandenburg.

Nach dem positiven Trend in den beiden vergangenen Jahren droht damit erneut ein Einbruch beim Ausbau der Windenergie. „Was wir jetzt sehen, sind die Auswirkungen des Windmoratoriums. Brandenburg muss den Rückenwind aus der Bundespolitik nutzen, um Hindernisse bei Flächenausweisungen und Genehmigungen abzubauen!“, so Glahr. Der aktuelle Rückgang bei Neu-Genehmigungen wird sich ab 2023 in den Zubauzahlen der Windenergie niederschlagen. In den ersten drei Monaten 2022 sind in Brandenburg 21 Anlagen mit einer Leistung von über 90 MW ans Netz gegangen, auch für den Rest des Jahres rechnet der Verband aufgrund guter Ausschreibungsergebnisse 2021 mit einem Zubau auf hohem Niveau.

Neben der Windenergie sind Bioenergie und Photovoltaik tragende Säulen der Brandenburger Energiestrategie. „Es ist wichtig, dass die Gemeinden und Kommunen Flächen für Solarenergie ausweisen. Denn die Mengen Solarstrom, die wir in Brandenburg benötigen, können wir nur mit Freiflächensolaranlagen erzeugen“, erklärt Glahr.
„Auch die Bioenergie wird eine wichtige Säule in der Energieversorgung bleiben. Im Strombereich trägt sie zum Ausgleich der schwankenden Erzeugung von Wind- und Solarenergie bei. Im Gasbereich kann Biomethan aus Biogasanlagen eine wichtige Rolle bei dem Streben nach Unabhängigkeit von russischem Gas spielen“, ergänzt der Sprecher der BEE Landesvertretung.

Für viele Industrieansiedlungen in Brandenburg spielt inzwischen die Verfügbarkeit von Grünstrom eine entscheidende Rolle. Beispiel RockTech: Das Clean-Tech-Unternehmen will ab 2024 am Standort Guben in Brandenburg Lithium aufbereiten, das für Batterien in der E-Mobilität benötigt wird. „Für grüne Batterien brauchen wir auch grüne Batterierohstoffe, wie unser Lithiumhydroxid, die möglichst ohne CO2-Emissionen hergestellt werden. Das kann nur durch den Einsatz erneuerbarer Energien gelingen“, erklärt Dirk Harbecke, Chairman von Rock Tech Lithium. Das Unternehmen plant in Guben eine Investition von bis zu 470 Millionen Euro. Bei laufendem Betrieb kann die Anlage dann rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat im Rahmen seiner klima- und industriepolitischen Initiative „100 Prozent bis 2032 – neue Energie für eine starke Wirtschaft“ zwei Meta-Studien durchführen lassen, die die Entwicklung des Strom- und Wasserstoffbedarfs im Nordosten Deutschlands untersuchen. Die Initiative zielt darauf ab, das 50Hertz-Netzgebiet bis 2032 bilanziell komplett mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Dazu erklärt Kerstin Maria Rippel, Leiterin Kommunikation und Politik bei 50Hertz: „Die Ergebnisse, die wir im Frühjahr 2022 vorgestellt haben, sprechen eine deutliche Sprache: Die Bedarfe steigen in beiden Bereichen massiv. Grund sind die Neuansiedlungen von Rechenzentren, Batterieherstellern und Zuliefererfirmen, aber auch die Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Auch der Wasserstoffbedarf geht steil nach oben: Er erhöht sich im 50Hertz-Netzgebiet von heute etwa 0,5 TWh auf bis zu 7 TWh im Jahr 2030. In der Region Berlin-Brandenburg erwarten wir dann einen Wasserstoffbedarf von nahezu 2 TWh.“

Gleichzeitig werde die Verfügbarkeit von grünem Strom zu einem immer wichtigeren Standortfaktor bei Industrieansiedlungen. Um diese riesige Chance zu nutzen, brauchen wir massive Beschleunigungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien und beim Ausbau der Stromnetze – und das auf allen Ebenen. „Denn nur, wenn wir beides gemeinsam und zügig voranbringen, können wir die regionalen und nationalen Klimaschutzziele erreichen und damit die Grundlage für weitere Ansiedlungen in Berlin und Brandenburg schaffen. Mit diesem Zusammendenken von Industrie- und Klimapolitik, stärken wir den Industriestandort der Metropolregion Berlin-Brandenburg – und sorgen zugleich für eine Stärkung der Energiesouveränität unseres Landes“, so Rippel weiter.

Quelle: windkraft-journal.de vom 28. April 2022

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