Geothermie soll Braunkohle im rheinischen Revier ablösen

Die Entwicklung der Braunkohle-Standorte beschäftigt alle deutschen Reviere. Die Energie soll ein weiterhin prägender, aber längst nicht mehr alleiniger Wirtschaftsfaktor sein. Im Rheinischen sollen unter anderem Potenziale der Geothermie für die Fernwärmeversorgung erforscht und genutzt werden. Dafür entsteht auf dem Gelände des Braunkohle-Kraftwerks in Weisweiler ein Projekt der auch in der Lausitz aktiven Forscher des Fraunhofer IEG.

Wie lässt sich die Erdwärme tief unter Weisweiler zur Energiegewinnung nutzen? Der Antwort wollen die Fachleute jetzt wieder ein Stück näherkommen. Sie bohren vor dem Braunkohle-Kraftwerk 500 Meter tief. Das ist die zweite Bohrung innerhalb weniger Monate. Diese soll das Wissen über den Untergrund und seine Eignung für die tiefe Geothermie im Rheinland erweitern. Zudem will das Forschungsteam dort eine tiefe Erdwärmesonde installieren, die als Wärmequelle für eine Wärmepumpe dienen soll. Damit will man dort mittelfristig Tiefenwärme zutage fördern, um damit die geplanten Forschungsgebäude zu beheizen.

Auch die zweite Bohrung ist Teil des internationalen Interreg-Forschungsprojekts DGE-Rollout. Der Geologische Dienst NRW hat dieses koordiniert. Für die ersten Bohrungen in Weisweiler sorgt der Kraftwerksbetreiber RWE Power. Die Erdwärmesonde ist eine Spezialanfertigung aus der Schweiz. Die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG betreut das Projekt. Deren Fachleute haben in das erste, 100 Meter tiefe Bohrloch seismologische Messgeräte eingebaut. „Mit diesem aufwändigen Projekt und unserem kommenden Standort in Weisweiler wollen wir weitere Untergrunddaten sammeln, die wir auf dem Weg zu Strukturwandel und Wärmewende im Rheinland brauchen“, sagt Fraunhofer-IEG-Leiter Rolf Bracke.

Auf der Grundlage der beiden Bohrungen soll später unter Regie von Fraunhofer IEG eine tiefe Erkundungsbohrung erfolgen, um Thermalwasser führende Erdschichten zu orten. Sie würde auf ihrem Weg in die Tiefe auch den sogenannten Kohlenkalk erreichen. „Wir vermuten dieses karbonatische Reservoirgestein ab einer Tiefe von etwa 1.300 Metern“, sagt Martin Salamon vom Geologischen Dienst in Krefeld. Geologische Erkundungen, wie Bohrungen und seismische Messungen, sind für die Erschließung zwingend erforderlich.

Studien des Fraunhofer IEG zeigen, dass Tiefengeothermie den aktuellen Wärmebedarf Deutschlands mindestens zu einem Viertel decken könnte. Das geothermische Potenzial von NRW ist besonders groß. Heißes Wasser aus der Tiefe wird zum Beispiel in Paris, Wien und München zur klimafreundlichen Wärmeversorgung genutzt. Ist das Thermalwasser in ausreichenden Mengen vorhanden und heiß genug, kann es bei der Fernwärme-Versorgung von Haushalten und der Industrie fossile Energieträger, wie Erdgas und Braunkohle, ersetzen.

„Vom Kraftwerk Weisweiler zieht sich eine Fernwärmeleitung von RWE bis nach Aachen. Wenn sie eines Tages mit Tiefengeothermie erzeugte und damit regenerative Fernwärme transportiert, sind Energiewende und Strukturwandel in unserer Region wieder ein gutes Stück weiter“, sagt RWE Power-Vorstandsmitglied Lars Kulik.

Quellen: Infoportal solarserver.de vom 6. Februar 2024, Mitteilung Fraunhofer IEG vom 5. Februar 2024

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