Windenergie

Habeck will Gaskraftwerke kurzfristig durch Kohle ersetzen

Es ist eine weitere Kehrtwende, die noch vor Monaten undenkbar gewesen wäre: Robert Habeck, grüner Bundesminister für Energie und Klima, setzt auf Kohlestrom. Vorübergehend. Die Kohle soll die Stromproduktion aus Gas ersetzen, damit dieses stattdessen zur Vorsorge für den nächsten Winter in die Speicher fließen kann. Die Lage sei ernst, sagt Habeck. Der Kohleausstieg stehe dadurch aber nicht infrage.

Hintergrund ist die deutliche Verringerung des Gaszuflusses aus Russland durch die Ostseepipeline Nord Stream in den vergangenen Tagen. Die Industrie unterstützt Habecks Pläne, um die sinkenden Lieferungen zu kompensieren. Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte: „Wir müssen den Verbrauch von Gas so stark wie möglich reduzieren, jede Kilowattstunde zählt.“

Die Gasverstromung müsse gestoppt und sofort Kohlekraftwerke aus der Reserve geholt werden, sagte Russwurm. „Aktuell geht es um kurzfristige Überbrückungsmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung, nicht um einen Termin des Kohleausstiegs 2038 oder 2030.“ Die erneuerbaren Energien müssten massiv beschleunigt werden. „Deutschland muss sich endlich von lähmenden Klein-Klein-Debatten und Blockadehaltungen verabschieden und beim Erneuerbaren-Ausbau runter von der Bremse. Politik und Verwaltung müssen schleunigst den Turbo einschalten für die Ausweisung neuer Flächen für Windkraft- und Solarkraftanlagen und für schnellere Genehmigungen.“

Im ZDF heißt es zu den Plänen Habecks: Ausgerechnet ein grüner Wirtschaftsminister reaktiviert Kohlekraftwerke, vor allem Steinkohle. Sie sollen zwar befristet wieder ans Netz geholt werden, diese Befristung läuft aber immerhin noch bis März 2024. Habeck kommentiert leicht zerknirscht: Das ist bitter, aber es ist in dieser Lage schier notwendig, um den Gasverbrauch zu senken.

RWE-Chef Markus Krebber hält die zeitweise Reaktivierung von Kohlekraftwerken, um knappes und teures Erdgas zu sparen, für überfällig und begrüßt diesen Schritt. Die Lage spitze sich derzeit weiter zu, betont er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Es sei zu erwarten, dass Strom und Gas infolge des Angriffs Russlands auf die Ukraine noch jahrelang teuer bleiben. Den Weiterbetrieb der letzten Atomkraftwerke in Deutschland über Ende 2022 hinaus schließt Krebber indes aus. „Die Entscheidung hätte deutlich früher getroffen werden müssen“, so der RWE-Chef. „Jetzt halte ich die Debatte nicht mehr für sinnvoll.“

Im Sinne Habecks äußerst sich auch der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Er sagte dem Berliner Tagesspiegel, bei der Stromerzeugung übergangsweise verstärkt auf Kohlekraftwerke zu setzen, sei klimapolitisch keine leichte Entscheidung. „Um den Gasverbrauch bei der Stromerzeugung zu reduzieren, ist das aber notwendig.“

Quellen: Spiegel Online vom 20. Juni 2022, Süddeutsche Zeitung vom 20. Juni 2022, zdf.de vom 19. Juni 2022, dpa vom 19. Juni 2022

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