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Berliner Feuerwehr rüstet sich für den Blackout

Die Energiewende ist ein Umbruch. Sie erfordert den Umbau des energiewirtschaftlichen Systems – und zwar im laufenden Betrieb. Während Politiker gern verheißen, dass das alles ganz einfach funktionieren wird, sehen Verantwortliche für ein Sicherheitsmanagement die vielen Risiken. Der Stresszustand in den Netzen ist zur Normalität geworden, weiß die Berliner Feuerwehr. Darauf müsse man vorbereitet sein.

Als im Februar dieses Jahres in Köpenick bei Bauarbeiten eine Stromleitung gekappt wurde, saßen Zehntausende Menschen für 30 Stunden im Dunkeln. Damals versorgte das Technische Hilfswerk (THW) die Menschen in Köpenick mit Elektrizität. Über Notstromaggregate versorgte das THW auch zwei Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Abwasserpumpwerke und ein Umschaltwerk der Berliner S-Bahn. Wegen des Blackouts gingen auch zwei Blockheizkraftwerke in Köpenick und Friedrichshagen vom Netz.

In der Nachbetrachtung, sagen Experten bei der Feuerwehr, sei alles glimpflich verlaufen. Und: Der Stromausfall sei eine gute Möglichkeit gewesen, um Abläufe zu trainieren. Denn das, was da in Köpenick passierte, gehört auch zu den Zukunftsszenarien, auf die sich die Feuerwehr in Berlin vorbereitet. Denn neben der Zunahme von Extremwetterlagen, sind Experten der Ansicht, dass durch ein instabiler werdendes Stromnetz auch das Risiko von Stromausfällen steige.

Einer dieser Experten ist Stephan Boy. Der 49-Jährige ist Leiter beim Berliner Eigenbetrieb integriertes sektorenübergreifendes Sicherheitsmanagement und Vorstand beim „Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit“. Privat ist er seit 1982 bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und berät den Landesfeuerwehrverband. „Die Feuerwehr steht vor enormen Herausforderungen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Herausforderungen sind der Klimawandel und der Stresszustand der Stromnetze“, sagt Boy der Berliner Morgenpost.

Probleme, die es heute gebe, habe es vor zehn Jahren noch nicht gegeben. Durch die Energiewende befinde man sich jetzt in einer Transformation, die 20 bis 25 Jahre dauern werde und mit vielen Risiken verbunden sei. Boy, der selbst kein Gegner der Energiewende ist, warnt aber vor den Risiken, die man beachten müsse: „Mit Atom- und Kohleausstieg werden die Netze instabiler und Problemlagen hybrider“, sagt er.

Was meint er damit? Betreiber des Berliner Netzes ist die Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin GmbH. Seit Jahren wird viel Geld in Netze und Umspannwerke investiert. Das Berliner Netz ist aber nur ein kleiner Teil im Stromnetzsystem. Das Westeuropäische Verbundsystem ist hochgradig vernetzt und digitalisiert. Wenn an der Ems, wie bereits geschehen, eine 380.000-Volt-Leitung ausfällt, hat das Auswirkungen bis nach Berlin. Hinzu kommt: Im Stromnetz gibt es im Extremfall Schwankungen von 35 Gigawatt in der Nacht und 85 Gigawatt zu Weihnachten. Mit konventionellen Kraftwerken ging das Stromproduzieren auf Knopfdruck. „Der Stresszustand in den Netzen ist zur Normalität geworden“, sagt Boy und weiter: „Darauf muss sich die Berliner Feuerwehr vorbereiten“.

Kürzlich hatte sich der Landesfeuerwehrverband an alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien gewandt. In einer Ausarbeitung, die der Berliner Morgenpost vorliegt, zeigt der Verband wie wichtig die Freiwilligen Feuerwehren für Berlin sind und wo die Gefahren der Zukunft liegen. Entsprechend müsse die Ausstattung verbessert werden.

Boy, der sich beruflich mit Katastrophenszenarien beschäftigen muss, sagt: „In Krisenszenarien muss die Feuerwehr sich auf einen großflächigen Stromausfall vorbereiten und Szenarien durchspielen“. Zudem müsse Fortbildungen zum Thema Stromausfall geben. Ein Großteil sei Organisation, über die man aber sprechen müsse.

Mit seinen Warnungen ist der Landesfeuerwehrverband auch nicht allein. Wie die „Bild“ kürzlich berichtete, bekommt das THW 33,5 Millionen Euro für die Anschaffung von 670 Notstromaggregaten. Das Blatt zitiert eine Einschätzung des Bundesinnenministeriums: „Vor dem Hintergrund des THW-Rahmenkonzeptes und der Gefahr eines großen Blackouts ist eine derartige Ausstattung der Ortsverbände dringend geboten.“ THW-Chef Albrecht Broemme, der von 1992 bis 2006 auch Leiter der Berliner Feuerwehr war, sagte der „Bild“: „Dem THW bereiten großflächige, lang andauernde Stromausfälle Sorgen.“

Quelle: Berliner Morgenpost vom 9. Dezember 2019

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