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Corona-Krise: Windbranche fordert Auffanglösung für Alt-Anlagen

Der regulierte deutsche Strommarkt sorgt für immer neue Kuriositäten. Dem Verbraucher drohen Preiserhöhungen infolge einer steigenden EEG-Umlage. Die Umlage steigt, weil die Stromnachfrage infolge der Corona-Krise eingebrochen ist und damit die Großhandelspreise deutlich gesunken sind. Genau damit kämpft jetzt wieder die Windenergie. Sie sieht die Energiewende bedroht und fordert ein Auffanglösung für Alt-Anlagen.  

Etwa 5.000 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3,7 Gigawatt (GW) werden zum Jahresende aus der 20-jährigen EEG-Förderung fallen. Jetzt haben die Betreiber noch ein weiteres Problem: Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Preise an der Strombörse drastisch gesunken, wodurch den allermeisten Altanlagen die Perspektive für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb fehlt. Ihnen droht die kurzfristige Abschaltung und dem deutschen Strommix damit der Verlust erheblicher Ökostrommengen.

Eigentlich könnten die Strommengen der alten Windräder an der Börse oder direkt an Energieversorger verkauft werden. Aufgrund der Corona-Krise und des sinkenden Erdgaspreises im Großhandel kam es in den letzten Monaten jedoch zu einem deutlichen Preisverfall an der Strombörse. Kostete eine Megawattstunde Strom im vergangenen Juli noch über 53 Euro, waren es am 23. März nur noch knapp 34 Euro. Die Kosten für den Weiterbetrieb der Anlagen können damit selbst an den günstigsten Standorten kaum noch eingespielt werden, es drohen massenweise Abschaltungen.

„Wenn viele dieser günstig produzierenden Altanlagen 2021 aus dem Markt gehen, steht unter dem Strich womöglich ein Rückbau der Windenergie in Deutschland“, warnt Naturstrom-Vorstand Oliver Hummel. Der Ökostrom-Pionier hatte im letzten Jahr bekanntgegeben, bereits zahlreiche Direktverträge mit alten Windrädern abgeschlossen zu haben. Im Rahmen von Power purchase agreements (PPAs) können Industriebetriebe Verträge mit Energieversorgern und Windparks abschließen und sich so die gesamte Stromerzeugung der Windräder sichern.

Ein Rückbau der Windenergie mache aber weder ökonomisch noch ökologisch Sinn. „Nicht zuletzt mit Blick auf den wachsenden Strombedarf durch Elektromobilität und Wärmepumpen benötigen wir schnell mehr statt weniger Ökostrom in Deutschland“, so Hummel. „In solch einer Situation Altanlagen einfach den Corona-Verwerfungen zu überlassen und abzuschalten, wäre das Gegenteil des Notwendigen.“

Deshalb schlägt der Öko-Energieversorger anschließend an die bisherige Förderung eine befristete Auffanglösung zur Überbrückung der aktuellen Situation vor. Die Altanlagen sollen demnach weiterhin über das EEG-System für eingespeisten Strom vergütet werden – jedoch nur noch mit 3,2 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh), was ein Bruchteil der bisherigen Vergütung wäre. Dadurch könnten geradeso die Betriebskosten einer durchschnittlichen Altanlage gedeckt werden.

Wie schlecht es in den nächsten beiden Jahren um den Zubau der Windenergie in Deutschland bestellt sein wird, bestätigt auch der Bundesverband Windenergie (BWE) in Sachsen. Von der engagierten Zielvorgabe noch in dieser Legislaturperiode 200 bis 250 neue Windkraftanlagen zu errichten sei man meilenwert entfernt. „Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass bis 2022 sogar weniger Windenergie in Sachsen ans Netz angeschlossen sein wird als heute“, sagt der sächsische BWE-Chef Martin Maslaton.

Abgesehen davon, dass bis Ende 2024 wohl 626 Anlagen mit einer Leistung von 637 Megawatt (MW) aus der EEG-Vergütung fallen, entwickelt sich der Zubau in Sachsen ebenfalls sehr schlecht. So haben nur drei Gebote mit einem Gesamtvolumen von 5,5 MW einen Zuschlag in den bundesweiten Ausschreibungen erhalten. „Derzeit gibt es in Sachsen kaum Windprojekte, die die nötigen Genehmigungen haben, um überhaupt an den Ausschreibungen teilzunehmen“, erklärt Maslaton.

Quellen: energiezukunft.de vom 9. Juni 2020, w3.windmesse.de vom 8. Juni 2020

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