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Die „digitale Welt“ zählt zu den größten Stromverbrauchern

Die Digitalisierung ist einer der zentralen Hoffnungsträger unseres modernen Lebens. Auch im Kampf gegen den Klimawandel werden große Stücke auf sie gesetzt. Dabei wird aber regelmäßig übersehen, dass auch der Datenverkehr im Netz Strom braucht. Und zwar Unmengen. Greenpeace hat ausgerechnet: Wäre die digitale Welt ein Land, dann stünde sie im internationalen Vergleich mit einem Anteil von acht bis zehn Prozent an sechster Stelle.

Wer online surft, verbraucht viel Strom – und zwar nicht nur, weil irgendwann der Akku des Smartphones leer ist. Mobilfunkantennen leiten die Internet-Anfragen weiter, mehrere Rechenzentren verarbeiten sie. All das geht nicht ohne Energie. So ist es kein Wunder, dass die meisten Menschen den Ressourcenverbrauch ihres digitalen Handelns unterschätzen. Die Umweltorganisation Greenpeace rechnet vor: Wäre die digitale Welt ein Land, dann würde sie beim Stromverbrauch mit einem Anteil von acht bis zehn Prozent an sechster Stelle stehen.

Die französische Non-Profit-Organisation The Shift Project schätzt, dass der gesamte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) etwa 3,7 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit verursacht und damit mehr als doppelt so viel wie die zivile Luftfahrt. 47 Milliarden Kilowattstunden Strom verbrauchen inzwischen allein in Deutschland Computer, elektronische Geräte wie Mobiltelefone, Tablets, Fernseher sowie die für den Einzelnen kaum sichtbaren Kommunikationsnetze und Rechenzentren. Auf sie entfielen 2017 bundesweit rund 13,2 Milliarden Kilowattstunden – damit verbrauchten sie ähnlich viel wie die Stadt Berlin.

53 000 Rechenzentren zählten die Statistiker damals in Deutschland. Besonders viele davon gibt es in Frankfurt am Main, allein schon weil dort der Deutsche Commercial Internet Exchange (Decix) seinen Sitz hat: ein Internetknoten, über den besonders viele Daten laufen. Die Rechenzentren verbrauchen jüngsten Zahlen zufolge 20 Prozent des Stroms in der Stadt und haben damit bereits den Frankfurter Flughafen überholt.

Dabei ist der Energieverbrauch das eine. Da die Server sich bei ihrem Betrieb erhitzen, müssen Betreiber sie kontinuierlich kühlen. Dabei entsteht wiederum Wärme, die momentan jedoch ungenutzt verpufft. Darauf weisen das Netzwerk energieeffizienter Rechenzentren (NeRZ) und der Verband der Internetwirtschaft Eco hin. Wie es besser geht, zeigt Schweden. Dort gibt es bereits 30 Rechenzentren, die ihre Abwärme in das Fernwärmenetz einspeisen. Bis 2035 soll diese Abwärme sogar ein Zehntel des Heizbedarfs von Stockholm decken. In Deutschland hingegen sind Rechenzentren, die die Abwärme weitergeben, noch die Ausnahme.

Das Potential der Wärmegewinnung ist durchaus bekannt: Bei einer Umfrage des NeRZ gab die Hälfte der befragten Rechenzentrumsbetreiber an, dass eine Nutzung der Abwärme „mittlere bis sehr hohe Einsparpotenziale“ berge. Ganze Wohnblocks ließen sich auf diese Weise beheizen. Mehr als die Hälfte der befragten Betreiber sehe jedoch nicht, wie sie das Verfahren wirtschaftlich nutzen könnten.

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert zwar die Kosten für Effizienzverbesserungen von Unternehmen zu 30 bis 40 Prozent. Das eigentliche Problem der Betreiber seien jedoch nicht die Investitionskosten, sagt Ralph Hintemann, leitender Forscher am Borderstep Institut. Vielmehr scheuten sie die hohen laufenden Kosten. Im internationalen Vergleich sind die Strompreise in Deutschland hoch, weshalb andere europäische Länder für die Rechenzentrumsbetreiber sowieso attraktiver sind. Dazu kommt, dass die allermeisten Rechenzentren in Deutschland noch mit Luft gekühlt werden. Im Vergleich zu einer neuen Methode mit Wasser ist diese Kühlung ineffizienter.

Derweil wird der digitale Konsum und damit der Stromverbrauch wohl weiter zunehmen – etwa durch datenintensive Anwendungen wie das Internet der Dinge oder den neuen Mobilfunkstandard 5G. Allein schon beim Training einer Künstlichen Intelligenz (KI) zur Spracherkennung fällt fünfmal so viel CO2 an, wie ein Auto während seiner gesamten Lebensdauer ausstößt. Das haben Forscher der University of Massachusetts berechnet.

Quelle: Tagesspiegel vom 3. November 2019

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