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Die Klimakatastrophe als einträgliches Geschäft

Nachrichten zur Klimakatastrophe fallen medial auf einen guten Boden. Das öffentliche Aufmerksamkeitsniveau ist hoch, ein steter Erregungsimpuls vorhanden. In der Bevölkerung ist weit verbreitet, wie bedrohlich das alles ist. Dass sich viele diese Aufmerksamkeit zu eigen machen und für ihre Interessen nutzen, wird dabei gern übersehen. Spiegel Online hat genauer hingeschaut und zeigt, dass die Katstrophe für viele ein gutes Geschäft ist.

Sturmschäden bei der Bahn? Versicherungen wieder teurer? Konzerne geben gerne dem Klimawandel die Schuld, selbst wenn es dafür keine Belege gibt. Auch Wissenschaftler lassen sich dafür einspannen.

Die jüngsten Herbst- und Winterstürme führten Bahnreisende an ihre Geduldsgrenzen. Mehrfach brachten umgestürzte Bäume weite Teile des deutschen Bahnverkehrs zum Erliegen. Die Kunden nahmen es hin, immerhin ist die Bahn ja Opfer der Wetterkapriolen, die wegen des Klimawandels immer extremer werden. Oder?

Der Bahn kommt diese Annahme entgegen. Sie verhindert, dass die Aufmerksamkeit auf die eigentlichen Ursachen für die vielen Behinderungen fällt, die bei der Bahn selbst zu suchen sind. Kein Wunder also, dass das Unternehmen die Interpretation „der Klimawandel ist Schuld“ eifrig befeuert.

Das Tricksen der Bahn ist aktuelles Beispiel dafür, wie der Klimawandel in der öffentlichen Debatte von einzelnen Akteuren instrumentalisiert wird. In der Wissenschaft ist das Vermarktungspotenzial des Themas schon lange erkannt. Immer wieder drängen einzelne Forscher mit steil formulierten Thesen zur Klimaentwicklung in die öffentliche Wahrnehmung.

Fakt ist: Es wird wärmer, der Meeresspiegel steigt, und der Anstieg scheint sich zu beschleunigen, höhere Sturmfluten sind zu erwarten. Gletscher und Meereis tauen, vielerorts verändern sich Witterung und Lebensräume. Physikalischen Überlegungen, geologischen Befunden und Computermodellierungen zufolge könnte sich das Klima gravierend ändern, sofern der Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch eingedämmt wird – mit örtlich heftigen Auswirkungen.

Das Problem: Die dramatischen Angaben zu Auswirkungen des Klimawandels sind Prognosen. Die Umwelt aber steht anscheinend erst am Anfang des Wandels - Daten belegen vielerorts noch keine Veränderung der Häufigkeit von Wetterphänomenen.
Klimadaten aus Deutschland, Skandinavien, Österreich, der Schweiz und vom Nordatlantik zeigen keine Zunahme von Stürmen in Nordwesteuropa, auch keine stärkeren Böen als früher; im Winter seien Stürme gar vielerorts schwächer geworden, konstatiert der aktuelle Uno-Klimareport auf Seite 220.

„Die Auswirkungen von Extremwetterlagen auf das System Schiene haben in den letzten Jahren zugenommen“, erklärt hingegen die Bahn auf Nachfrage. „Die Forschung ist sich einig, dass sich im Rahmen des Klimawandels Extremwetterlagen häufiger kumulieren“, weshalb mehr Bäume umfielen.

Das erstaunt. Denn tatsächlich rechnen viele Forscher in Mitteleuropa eher mit weniger Stürmen im Zuge des Klimawandels: Weil sich die Polarregionen stärker erwärmen als die Tropen, dürften die Temperaturunterschiede abnehmen, mithin weniger Wind entstehen.
Warum aber spielt sich die Deutsche Bahn als Klimaexperte auf? Weil der Bahnverkehrskollaps nicht so schicksalhaft ist, wie die Bahn es gern glauben machen möchte. Fachleute rügen schon lange, dass der Grünschnitt – das Böschungsmanagement – entlang der Bahnstrecken vernachlässigt werde.

„Da stehen riesige Bäume direkt neben Bahntrassen, und man schaut beim Wachsen zu“, sagte Hans Leister, Netzbeirat der Deutschen Bahn und Eisenbahnexperte, dem SPIEGEL. „Die Bahn hat ihr Personal sehr stark zentralisiert, um Kosten zu sparen“, ergänzte Martin Henke vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, ein gelernter Eisenbahner.
Henke bezieht sich auf eine folgenschwere Strategieänderung: Böschungsmanager müssen mittlerweile weit reisen, um eine Gleisstelle mit umgekipptem Baum zu erreichen. Als die Bahn hingegen noch eine Behörde war, beschäftigte sie Beamte, die einen zugeteilten Gleisabschnitt betriebssicher, also den Bewuchs niedrig zu halten hatten.

Das ist vorbei. Heutzutage bringen bereits wenige Züge, die aufgrund von Geäst auf den Gleisen stillstehen, den minutiös abgestimmten Fahrplan auf Tage durcheinander. Um Entschädigungen an Kunden zu entgehen, legt die Bahn deshalb lieber gleich den Betrieb still, bis ein Sturm vorüber ist. Mit dem Klimaargument hat sie die passende Ausrede gefunden.

Auch andere Unternehmen machen sich den Klimawandel zunutze. Eine Vorreiterrolle in dieser Hinsicht spielt die Münchner Rückversicherung, heute „Munich Re“. Sie veröffentlicht jährlich ihren Bericht über Schäden durch Naturkatastrophen: Das vergangene Jahr erklärte die Versicherung zum „teuersten Naturkatastrophenjahr“, Hochwasser- und Sturmkatastrophen seien seit 1980 häufiger geworden, hieß es in etlichen Medienmeldungen zur Veröffentlichung der jüngsten Schadenstatistik.

Wissenschaftler indes prüfen regelmäßig die Daten der Munich Re. Sie können einen Einfluss des Klimawandels auf die globalen Schäden durch Wetterkatastrophen bislang nicht erkennen – so steht es beispielsweise im zweiten Teil des aktuellen Uno-Klimaberichts auf Seite 680, an dem in leitender Funktion ein Munich-Re-Forscher mitgearbeitet hat.

In ihren eigenen Publikationen achtet die Munich Re darauf, Wetterschäden nicht ausdrücklich dem Klimawandel zuzuschreiben. Von Medien jedoch lassen sich die Experten der Munich Re fantasiereich zitieren: „Wir haben eine neue Normalität“, sagte der Klimaexperte der Munich Re laut Nachrichtenagentur Reuters anlässlich des neuen Schadensberichts. Auch, weil es mehr Unwetter gäbe, seien die Katastrophenschäden mittlerweile höher.

Ignoriert wird in diesen Berichten zudem gerne, dass die Weltbevölkerung seit den Achtzigerjahren um drei Milliarden Menschen gewachsen ist – dass bei einem Wetterereignis also Menschen Schäden zu beklagen haben, ist umso wahrscheinlicher. Auch, dass im Zuge der Inflation Versicherungsschäden teurer werden, findet meist keine Erwähnung.

Die Munich Re weiß das natürlich, auf Nachfrage des SPIEGEL äußert sie sich nachgerade beschwichtigend. „Die pauschale Aussage, dass wetterbedingte Schäden weltweit ein Klimasignal zeigten, lässt sich noch nicht treffen“, sagt ein Munich-Re-Klimaexperte. Manche Zitate der Munich Re, die im Umlauf sind, seien „nicht ideal“.

Welches Interesse aber haben Versicherungen dann daran, dass diese Zitate im Umlauf sind? Ein geschäftliches liegt nahe: „Der Klimawandel hat uns in den letzten 20 Jahren in der Rückversicherung nicht unerwartet stark getroffen“, sagte der Chef der Hannover Rück, des weltweit drittgrößten Rückversicherers, vergangene Woche der Deutschen Presseagentur. „Damit kann auch die Preisgestaltung für das Naturkatastrophenrisiko graduell angepasst werden“, ergänzte er.

Wie sich mit der Gefahr Klimawandel sonst noch Geld verdienen lässt, zeigen Firmen, die Umwelttechnologien verkaufen wollen. Sie tarnen Werbetermine als Informationsveranstaltungen, spannen – oft gegen gutes Honorar – willige Forscher ein, um vom Nutzen ihrer Produkte zu überzeugen.

Zum Einstimmen auf die Internationale Fachmesse für Abwassertechnik (IFAT), wo üblicherweise mehr als 3000 Firmen Umwelttechnologie ausstellen und verkaufen wollen, luden die Veranstalter am 23. Januar zum „Zukunftsdialog“ nach München. Das Thema: „Wetterextreme - sind wir hilflos?“

Neben dem Leiter der Messe und verschiedenen Firmenvertretern saßen ein Klimaexperte der Munich Re und ein angesehener Klimaforscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung auf dem Podium. Die Experten referierten, welche Klimaextreme angeblich häufiger geworden seien, wobei sie es meist verschwiegen, wenn Behauptungen in der Fachwelt umstritten sind.

„Wir sehen eine Zunahme von Fluten und Stürmen“, konstatierte der Munich-Re-Mann, der hinterherschob, dass „die Zunahme zerstörbarer Werte eine Rolle spiele“ - ein kleinlauter Hinweis auf die Zunahme der Weltbevölkerung. Der Uno-Klimabericht indes, an dem er mitgearbeitet hatte, stellt in seinem ersten Teil auf Seiten 220 und 241 fest, dass kein Trend bei Fluten und Stürmen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung festgestellt werden könne.

Der Klimaforscher am IFAT-Tisch ergänzte: Es gebe „einen deutlichen Trend“ bei Extremregen und tropischen Wirbelstürmen. Der Uno-Klimabericht schenkt der Aussage, Extremregen habe zugenommen, auf Seite 931 lediglich „mittelgroßes Vertrauen“. Und der These, tropische Wirbelstürme träten häufiger oder heftiger auf, gab man nur „geringes Vertrauen“ (Seite 914).

Städte müssten sich anpassen, mahnte der Forscher noch. Wie praktisch, dass die Firmen auf der Messe dafür die passenden Waren bieten: Anlagen für erneuerbare Energien etwa, Abgasfilter oder Recyclingmaschinen.

Ob Bahn, Munich Re oder IFAT-Messe – das Muster verbindet: Entweder wird ein falsches Klimawandel-Vorurteil bestätigt, oder einzelne Studien herausgegriffen – andere jedoch, die nicht so gut in die Argumentation passen, verschwiegen.

Am schamlosesten aber greifen Energiekonzerne in die Debatte ein: Seit 30 Jahren befeuern sie eine Kampagne, die den Befund einer gefährlichen menschengemachten Erwärmung bekämpft – ihre Strategie: Zweifel säen und Abseitiges aufbauschen.

Die Klimadebatte, so stellt sich heraus, verläuft auch nicht aufrichtiger als Debatten zu anderen Großthemen. Wer sie für sein Image nutzen kann, tut es häufig, gerne auch unter dem Mantel der selbstlosen Warnung vor drohendem Wetterunheil.

Doch auch wenn Einzelne der Verlockung nicht widerstehen können – die Klimaforschung als Ganzes erweist sich als erstaunlich robust: Klimadaten sprechen meist für sich, Prognosen allerdings bleiben unsicher.

Die Öffentlichkeit wird lernen müssen, Ungewissheiten und Risiken abzuwägen.

Quelle: Spiegel Online vom 15. Februar 2018,

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