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Die weiße Weste der Erneuerbaren bekommt weitere Flecken

Mit dem Rohstoffbewusstsein ist es in Deutschland nicht allzu weit her. Zwar nutzt jeder ein Handy. Aber kaum einer weiß (oder googelt), welche Rohstoffe ein Mobiltelefon braucht, damit es überhaupt funktioniert – und wo diese Rohstoffe herkommen. Gleichermaßen schwimmen Wind- und Sonnenenergie auf einer breiten Sympathiewelle. Doch deren Rohstoffe stammen mitunter aus ökologisch und menschenrechtlich fragwürdigen Quellen.


Unter dem Titel „Die Schattenseite des Ökobooms“ geht Spiegel Online der Frage nach, woher die Rohstoffe für Windräder und Solaranlagen kommen? Deutsche Ökostromfirmen können laut einer Umfrage nicht komplett ausschließen, dass sie aus problematischen Quellen stammen. Damit bekommt die vermeintlich weiße Weste der erneuerbaren Energien immer weitere Flecken.

Laut dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor haben Erfolgsnachrichten zum Ausbau der  Erneuerbaren Energien mitunter einen schalen Beigeschmack. Denn die Kosten für Windräder und Solaranlagen könnten womöglich nur deshalb so stark fallen, weil die für den Bau dieser Anlagen nötigen Materialien teils unter umweltschädlichen und menschenrechtlich bedenklichen Umständen gewonnen werden. Das zumindest legen die Ergebnisse einer Umfrage des Hilfswerks der römisch-katholischen Kirche nahe.

Der Erhebung zufolge werden für die Herstellung von Windrädern und Photovoltaikanlagen hohe Mengen an Eisenerz aus Brasilien, Kupfer aus Peru und Chile, Silber aus Mexiko und Argentinien, Bauxit aus Guinea sowie Seltene Erden aus China benötigt. Und beim Abbau dieser Rohstoffe kommt es regelmäßig zu Problemen. „Durch die Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden werden Anwohnerinnen und Anwohnern die Lebensgrundlagen entzogen“, sagt Pirmin Spiegel, der Hauptgeschäftsführer von Misereor. „Bei Entscheidungen über Bergbauprojekte werden Mitbestimmungsrechte indigener und bäuerlicher Gemeinschaften verletzt. Umweltschützer und Menschenrechtsverteidiger werden oft kriminalisiert, verfolgt und manchmal ermordet.“

Beweise, dass unter solchen Umständen gewonnene Materialien letztlich auch in Wind- und Photovoltaikanlagen verbaut werden, kann Misereor nicht vorlegen. Das Hilfswerk hat für seine Erhebung 21 Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien dazu befragt, was sie tun, um genau dies zu verhindern. Lediglich neun Firmen haben geantwortet.

Aus diesen Antworten ergebe sich, dass nur die wenigsten Firmen einen kompletten Überblick über ihre gesamte Produktions- und Lieferkette hätten; dass nur die wenigsten also komplett ausschließen können, nicht irgendwie doch Rohstoffe aus menschenrechtlich oder ökologisch bedenklichen Quellen zu beziehen. Der Verdacht, dass dies so sei, liege daher nahe, mutmaßt Misereor.

Nach Ansicht des Hilfswerk sei es auch bei den Lieferketten für Anlagen der Erneuerbaren Energien wie bei fast allen globalisierten Wirtschaftsprozessen: Die nachhaltig orientierten Energieverbraucher des Westens bekämen ihren Ökostrom demnach auch deshalb so kostengünstig, weil in Schwellen- und Entwicklungsländern Natur und Menschen ausgebeutet werden. Sie hätten auch deshalb ein reines grünes Gewissen, weil die hässlichen Folgen ihrer Energiewende auf der anderen Seite der Erdkugel stattfänden.

Und das Ausmaß der Ausbeutung würde rasch größer werden, denn der Bedarf an entsprechenden Rohstoffen steigt rasant. Die globale Kapazität an Photovoltaikanlagen zum Beispiel lag 2004 erst bei knapp 4 Gigawatt; 2016 waren es schon knapp 296 Gigawatt.

Entsprechend wichtig wäre es, frühzeitig auszuschließen, dass grüne Energien ein System wirtschaftlicher Ausbeutung nutzen. „Die Energiewende“, fordert Hauptgeschäftsführer Spiegel von Misereor, müsse „mehr umfassen als nur den Austausch der Energiequellen“.

Quelle: Spiegel Online vom 27. April 2018

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