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Führt himmlisches Spektakel zu irdischem Debakel?

Im März verdunkelt der Mond die Sonne. Für viele ist das ein himmlisches Spektakel. Da aber die Solarenergie mittlerweile bei guten Bedingungen einen nennenswerten Beitrag zur Stromversorgung leisten, bangen die Stromnetzbetreiber. Sie müssen dafür sorgen, dass das himmlische Spektakel nicht zu einem irdischen Debakel wird.

Der Ausbau der Fotovoltaik ist in Deutschland zwar ins Stocken geraten. Doch in dieser Woche feierte die Agentur für erneuerbare Energien noch einmal die gewaltigen Ausmaße der Solarstromproduktion, die Deutschland mithilfe üppiger Subventionen inzwischen aufgebaut hat, berichtet „Die Welt“.

„Mit einer Gesamtleistung von rund 38 Gigawatt kann die Solarenergie in Deutschland an sonnenreichen Tagen im Sommer bereits mehr als die Hälfte der Verbrauchsspitzen zur Mittagszeit decken“, erklärte die in Berlin ansässige Agentur zur Förderung des Ökostroms. Vor allem in Süddeutschland entwickele sich Solarenergie „zur tragenden Säule der Stromversorgung“.

Am 20. März dieses Jahres knickt diese tragende Säule allerdings kurz mal ein: Denn die für diesen Tag erwartete Sonnenfinsternis wird in Deutschland und ganz Europa so viele Fotovoltaikanlagen schlagartig außer Betrieb setzen, dass die Netzbetreiber um die Stabilität der Stromversorgung fürchten.

Seit über einem Jahr bereiten sich die Unternehmen deshalb auf die Eklipse vor. Der Gefährdungsgrad hängt dabei vom Wetter ab: Ist der Tag wolkig oder neblig, wird es relativ leicht sein, das Stromnetz stabil zu halten. „Wenn der 20. März aber ein sonniger Tag wird, wird es stressig“, sagte ein Mitarbeiter eines großen deutschen Energienetzbetreibers der „Welt“.

Nach Berechnungen des Oldenburger Instituts energy & meteo systems im Auftrag der Netzbetreiber könnte bei Beginn der Sonnenfinsternis gegen 8.30 Uhr Solarstromkapazität von bis zu zehn Gigawatt schlagartig ausfallen. Wenn dies ein sonniger Tag ist, wäre das in etwa so, als würden zehn Atomkraftwerke gleichzeitig vom Netz gehen.

Noch größer wird das Problem allerdings zweieinhalb Stunden später sein, wenn sich die Sonne gegen 11 Uhr wieder hinter dem Mond hervorschiebt. Weil die Sonne dann höher steht, könnten in ganz kurzer Zeit sogar bis zu 20 Gigawatt Solarleistung zurück ins Stromnetz drängen. Für die Stromnetzbetreiber ist das so, als würden 20 Atomkraftwerke innerhalb kürzester Zeit angeknipst: Ein Rein und Raus von Kilowattstunden in dieser Größenordnung und in diesem kurzen Zeitfenster ist ohne Vorbild im Management des europäischen Stromnetzes.

Auf Stromlieferungen aus dem Ausland können die deutschen Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und Transnet BW nur bedingt vertrauen: Dort scheint die Sonne ja auch nicht. Mit 18 Gigawatt hat Italien ebenfalls längst eine riesige Solarstromproduktion aufgebaut und muss in diesen Tagen des März um die eigene Versorgungssicherheit kämpfen. Auch Frankreich und Spanien leiden mit jeweils fünf Gigawatt Solarleistung unter der Sonnenverschattung.

Der Verband europäischer Stromnetzbetreiber, ENTSO-E in Brüssel, spricht deshalb in einer vorbereiteten Presseerklärung von einer „nie dagewesenen Herausforderung“ für das Leitungsmanagement. In ganz Europa würden bei einem klaren Frühlingshimmel am 20. März bis zu 35 Gigawatt schrittweise aus der Stromversorgung herausfallen, „eine Größenordnung, die der von 150 bis 200 konventionellen Kraftwerken mittlerer Größe entspricht“.

„Sonnenfinsternisse hat es auch früher schon gegeben“, heißt es in dem Entwurf der Pressemitteilung des europäischen Verbandes: „Aber wegen des Wachstums der installierten Fotovoltaik besteht heute ein ernsthaftes Risiko.“

Grundsätzlich haben sich die einzelnen europäischen Stromnetzbetreiber darauf verständigt, dass jeder die Folgen des Solarstrom-Einbruchs in seiner eigenen Regelzone beherrschen muss. Die Berliner 50 Hertz Transmission GmbH wäre damit für die Stabilität des Stromnetzes im Osten Deutschlands verantwortlich, die Dortmunder Amprion für den hochindustrialisierten Westen, Tennet für einen langen Streifen in der Mitte, der von Bayern bis hoch nach Schleswig-Holstein reicht.

Gleichzeitig wollen die Netzbetreiber jedoch über die europäischen Grenzen hinweg ständig in Kontakt bleiben, wenn die Sonne wegbleibt: „Geplant sind permanente Telefonkonferenzen zwischen den Kontrollräumen der Netzbetreiber vor und während der Sonnenfinsternis“, heißt es beim Verband ENTSO-E. Zudem werden die Leitwarten der Netzbetreiber an diesem Tag personell aufgestockt.

Die Netzbetreiber sind zuversichtlich, die Situation im Griff zu haben. Immerhin haben sie mit der Bundesnetzagentur in Bonn vereinbart, dass die Menge an Regelenergie für den 20. März deutschlandweit erhöht wird.

Wie ernst die Situation wirklich wird, weiß man aber erst wenige Tage vorher, wenn ein verlässlicher Wetterbericht vorliegt. Wenn die Prognosen auch recht gut geworden sind: Ein Rest Unsicherheit wird bis zum Schluss darin liegen, ob Nebel, Saharastaub oder Schnee auf den Solarpanelen liegen wird, denn solche Einschränkungen der Stromproduktion sind kaum vorhersehbar.

„Die Sonnenfinsternis ist die perfekte Illustration der Tatsache, dass es eine immer größere Herausforderung wird, die Systemstabilität bei einer mehr und mehr volatilen und dezentralen Stromproduktion aufrechtzuerhalten“, warnt der europäische Netzbetreiberverband ENTSO-E.

Quelle: www.welt.de. 20. Februar 2015

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