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Investmentbanker halten deutsche Kohleausstiegspläne für „völlig unrealistisch“

Deutlicher geht es kaum. Die Energieexperten der US-amerikanischen Investmentbank JP Morgan halten einen Kohleausstieg in Deutschland bis 2038 für „völlig unrealistisch“. In ihrem „Energy Outlook 2019“ die Investmentbanker die deutschen Energiewende-Ziele zerpflückt. In ihrer Analyse kommen sie zu dem Ergebnis, dass ein Verfolgen der Ziele mit drastischen Kostenbelastungen wäre

Deutschland könne das ausgegebene Ziel eines Erneuerbaren-Anteils von 65 Prozent am Bruttostromverbrauch bis zum Jahr 2030 zwar durchaus erreichen, heißt es in der jüngsten Analyse für institutionelle bzw. mit dem Energiehandel befasste professionelle Kunden. Doch das habe seinen Preis, berichtet die Zeitung für kommunale Wirtschaft. In Kauf genommen werden müssten zum einen ein weiterer erheblicher Anstieg der Strompreise und anderer ökonomischer Kosten.

Bedingung sei darüber hinaus, dass der politische Wille, den Ausbau der Übertragungsnetze zu beschleunigen, deutlich zunehme. Schließlich existierten 80 Prozent der benötigten Stromleitungen nach wie vor nur auf dem Reißbrett. Wie auch in den USA gebe es in Deutschland angesichts des Netzausbaus einen anhaltenden Bürgerprotest. Das verstärkte Zurückgreifen auf Erdkabel könne die Konflikte dämpfen, treibe aber gleichzeitig die Ausbaukosten weiter in die Höhe.

Entscheidend bei der Betrachtung der Energiewende sei die Frage, wie stark die Politik bereit sei, die immensen Kosten des Umbaus zu akzeptieren und politisch durchzusetzen. Schließlich rangiere Deutschland bei den Haushaltsstrompreisen im europäischen Vergleich lediglich hinter Dänemark auf dem zweiten Platz. Und dies sei schon vor dem endgültigen Atomausstieg, dem beschleunigten Netzausbau sowie der wachsenden Integration der Erneuerbaren in das Stromsystem so gewesen.

Als zusätzliche „Kostenfalle“ der Energiewende benennen die US-Investmentbanker wach- sende Redispatchkosten von bis zu 1 Milliarde Euro bis zum Jahr 2020. Die Überlastung des deutschen Stromnetzes belaste zudem die osteuropäische Infrastruktur an den Grenzen durch Störungen und das unerwünschte Fluten mit Ökostrom. Hier könnten neue Transitleitungen nach Belgien und Skandinavien Abhilfe schaffen.

In den Blick nimmt die Analyse von JP Morgan auch den Plan, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zu reduzieren (im Vergleich zu 2015). Hier seien erhebliche Zweifel angebracht. Schließlich sei der deutsche Primärenergieverbrauch seit dem Jahr 2000 weitgehend unverändert geblieben. Fortschritte bei der Stromerzeugung nützten angesichts der Stagnation im Verkehrs, Industrie- und Agrarbereich wenig. Im Straßenverkehr sei die verbesserte Effizienz der Fahrzeuge durch den Anstieg der gefahrenen Kilometer zunichte gemacht worden. Und die Stromerzeugung habe nur einen Anteil von 40 Prozent am Primärenergieverbrauch.

Auch das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel, die Treibhausgasmissionen bis zum Jahr 2030 mehr als zu halbieren, ziehen die Experten von JP Morgan in Zweifel. Das zu schaffen sei „höchst unwahrscheinlich“. Zu langsam entwickle sich der Prozess der Dekarbonisierung außerhalb des Stromsektors. Die Fortschritte bei der Energieeffizienz im Straßenverkehr, dem übrigen Transportwesen und vor allem auch bei der industriellen Produktion seien dafür einfach zu gering.

Zusammenfassend ist für die Energie-Experten der US-Investmentbank völlig klar: der jüngst von der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ fast einstimmig empfohlene vollständige Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2038 könne vor dem Hintergrund der skizzierten Entwicklungen nur als „völlig unrealistisch“ bezeichnet werden.

Quelle: Zeitung für kommunale Wirtschaft, zfk.de vom 20. März 2019

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