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Japan baut die Kohlenutzung aus

Vor neun Jahren hat die Katastrophe im japanischen Fukushima aller Welt die Gefahren der Kernenergie vor Augen geführt. Auf der Suche nach einer Alternative, die gleichermaßen zuverlässig Energie liefert wie die Kernkraft, setzt Japan verstärkt auf die Nutzung der Kohle. Kleinere Kraftwerke dürften sogar ohne Umweltprüfung errichtet werden, heißt es in einem Bericht der Tageszeitung „taz“.

Neue Kohlekraftwerke an der Pazifikküste stehen für eine „weltweit einzigartige Energiepolitik“, berichtet die taz. In den vergangenen zwei Jahren gingen 9 Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 2,4 Gigawatt in Betrieb. 13 weitere Meiler mit einer Gesamtleistung von 8,4 Gigawatt befinden sich im Bau. Kraftwerke unter 112,5 Megawatt dürfen ohne Umweltprüfung errichtet werden. Diese Kohlepolitik stößt international auf starke Ablehnung. Beim UN-Klimagipfel im September in New York durfte Premier Shinzo Abe deswegen keine Rede halten.

Das Festhalten an der Kohle als Energieträger ist laut der japanischen Regierung eine Folge der Fukushima-Katastrophe. Nach dem März 2011 wurden alle Atomkraftwerke aus Sicherheitsgründen nacheinander abgeschaltet und stillstehende Wärmekraftwerke hochgefahren. Der Anteil der fossilen Brennstoffe an der Stromerzeugung stieg um fast die Hälfte auf 90 Prozent.

Der Kohleanteil am Strommix habe schon vor dem Fukushima-Unfall 25 bis 28 Prozent betragen, heißt es. Nach der Atomkatastrophe blieb er relativ konstant. Im Vorjahr waren es 33 Prozent. Daran soll sich im neuen Jahrzehnt kaum etwas ändern: Für 2030 strebt Japan immer noch einen Kohleanteil von 26 Prozent an. Der Klimaaktivist und frühere US-Vizepräsident Al Gore nannte das Ziel im Oktober ein „totales Politikversagen“.

Japan, so die offizielle Argumentation, brauche zum einen die Kohle als sichere Energiequelle, um weniger von Öl und Gas aus dem Nahen Osten abhängig zu sein. Zum anderen ersetzten die neuen Kraftwerke ineffiziente Altanlagen und sparten dadurch viel Kohlendioxid ein. Die beiden Vorzeigemeiler von Nakoso und Hirono zum Beispiel verwandeln mit ihrer sogenannten integrierten Kohlevergasung die Kohle vor der Verbrennung in ein Gas und holen dabei 46 bis 48 Prozent der Energie heraus, bis zu 10 Prozentpunkte mehr als deutsche Steinkohlemeiler. Dadurch sinkt die ausgestoßene Menge an CO2 gegenüber konventionellen Anlagen um bis zu 15 Prozent.

Bis 2030 soll die Hälfte aller japanischen Kohlekraftwerke ähnlich wirksam arbeiten, so dass Japan sein Pariser Klimaziel trotzdem erreichen kann. „Wir machen einen Unterschied zwischen einer kohlefreien und einer kohlenstoffarmen Gesellschaft“, betont Satoshi Onoda, Präsident von Jera, Betreiber der Hälfte aller fossilen Kraftwerke in Japan.

Dass es auch anders ginge, meinen japanische Klimaschützer. Sie haben im November 2018 einen Plan vorgelegt, wie Japan binnen zwölf Jahren ganz aus der Kohle aussteigen könne.

Quelle: Tageszeitung taz.de vom 9. März 2020

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