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Konkretisierte Planung für Stromautobahn stößt auf heftigen Protest

Ursprünglich sollten die großen Stromautobahnen in Betrieb gehen, wenn die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Aus dem Zieljahr 2022 ist mittlerweile 2025 geworden. Das hoffen Übertragungsnetzbetreiber bei der Vorstellung ihrer konkretisierten Planungen. Doch auch 2025 ist höchst ambitioniert. Denn wo immer die Stromtrasse jetzt langführen soll, herrscht eines: heftiger Protest.

Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW haben sich auf eine Trasse für die zentrale Stromautobahn durch Deutschland geeinigt. Das „Südlink“ genannte Milliardenprojekt soll Windenergie aus dem Norden nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren, um dort Atomkraft zu ersetzen. Der ursprüngliche Zeitplan ist jedoch Makulatur, schreibt die „Welt“ – was Fragen nach der Sicherheit der Stromversorgung in Süddeutschland aufwirft.

Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW hatten für die Gleichstrom-Verbindung bislang nur einen breiten Korridor mit verschiedenen Trassenoptionen entwickelt. Jetzt haben sich die Unternehmen anhand von mehr als 150 Kriterien auf eine einzige Variante geeinigt. Der Vorschlag wird nun der Bundesnetzagentur zur Prüfung eingereicht. Die Behörde legt im weiteren Verfahren einen 1000 Meter breiten Korridor fest. Erst in dem anschließenden Planfeststellungsverfahren entscheidet die Behörde über den genauen Erdkabel-Verlauf. Die Netzbetreiber rechnen Ende des Jahres damit.

Südlink ist ein Kernvorhaben der Energiewende und eine von drei großen Nord-Süd-Stromautobahnen. Die Leitung mit einer Leistung von 4 Gigawatt soll in Brunsbüttel beginnen und Endpunkte sowohl im bayerischen Grafenrheinfeld als auch in der Nähe von Heilbronn in Baden-Württemberg haben.

Das Projekt wird derzeit mit etwa zehn Milliarden Euro veranschlagt. Die Kosten werden auf die Stromkunden umgelegt. Die Netzgebühren machen rund ein Viertel des Preises für Privathaushalte aus. Die Netzbetreiber erklärten aber, es gebe bei Südlink gute Chancen, dass es deutlich günstiger werde, wenn eine neue Technik zum Einsatz kommen könne.

Ursprünglich war geplant, die Nord-Süd-Trassen pünktlich zur Abschaltung des letzten deutschen Atomkraftwerks Ende 2022 fertig zu haben. Doch aufgrund zahlreicher Proteste in den Ländern entschied die Politik, das Projekt von Freileitungen auf Erdkabel umzustellen, die rund 1,80 Meter tief im Boden verlegt werden. Das erforderte eine zeitaufwendige Neuplanung.

Inzwischen gehen die Planer davon aus, dass Südlink nicht vor 2025 fertig wird. Selbst das sei „ein extrem ambitioniertes Ziel“, sagte Christoph Schulze-Wischeler, Leiter Netzausbau bei Tennet. Dafür müsse alles reibungslos mit maximaler Beschleunigung und ohne Klagen verlaufen.

Das allerdings ist unwahrscheinlich: Schließlich müssen Tennet und TransnetBW mit etwa 50.000 Grundstückseigentümern verhandeln. Insbesondere Bauernverbände erklärten zuletzt, sie hielten eine einmalige Entschädigungszahlung für nicht ausreichend und forderten wiederkehrende Zahlungen, eine auch „Bauernmaut“ genannte Pacht für die Nutzung ihres Bodens.

Den größten Teil der Trasse trägt mit 315 Kilometern Niedersachsen, gefolgt von Bayern mit 135 Kilometern und Baden-Württemberg mit 97 Kilometern. Mit Widerstand rechnen die Netzbetreiber vor allem in Thüringen, wo etwa 80 Kilometer verlaufen werden. Hier hatten sich auch Landespolitiker immer wieder gegen den Stromtransit ausgesprochen. Die Trasse soll jetzt auch etwa 60 Kilometer durch Hessen führen.

Die Reaktionen allerdings auf die Vorstellung der Planungen ähneln sich. „Schock für die Wartburgregion“ titelt beispielsweise die Thüringische Landeszeitung und schreibt: „Der Aufschrei zwischen Rhön und Wartburg ist groß“. Die in Hessen erscheinenden Hersfelder Zeitung zitiert den zuständigen Landrat mit den Worten: Die Entscheidung sei „allein schon aus naturschutzfachlicher Sicht völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar“. Erhofft werde „Unterstützung von der hessischen Landesregierung und Minister Al-Wazir“. In der Hannoverschen Zeitung aus Niedersachsen heißt es, Bürgermeister und Bürgerinitiativen seien „kalt erwischt“ worden und „in den Ortschaften formieren sich die Proteste neu“.

Quellen: Die Welt vom 22. Februar 2019, Thüringische Landeszeitung, Hersfelder Zeitung und Hannoverschen Zeitung vom 22. Februar 2019

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