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Leipzig will sich von der Fernwärme aus Braunkohle abkoppeln

Das hat was von einem Schildbürgerstreich. Weil Braunkohle ein Schmuddelimage hat, erwägt die Stadt Leipzig, in einigen Jahren auf die Fernwärme aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf zu verzichten und dafür Wärme selbst zu produzieren. Statt die ohnehin anfallende Wärme aus der Kohleverstromung zu nutzen, würde so gegebenenfalls zusätzlich Gas verfeuert. Das Gefühl dabei mag positiv sein. Die Ökobilanz ist es nicht.

Sachsens größte Stadt will sich in vier Jahren selbst warmhalten und sich bis dahin von der Fernwärmeversorgung aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf abkoppeln. Schon fragen sich einige, ob damit das vorzeitige Aus für das Kraftwerk verbunden ist.

„Solche Gedankenspiele sind gegenüber den Menschen in der Region unverantwortlich“, empört sich der Fraktionsvize der CDU-Landtagsfraktion, Georg-Ludwig von Breitenbuch. „Es geht nicht nur um die 320 Jobs im Kraftwerk Lippendorf, sondern um Hunderte Kohlekumpel im Tagebau und um Tausende Arbeitskräfte in der Region Mitteldeutschland!“ Der „Alleingang von Oberbürgermeister Burkhard Jung“ durchkreuze die ¬Verhandlungen in der Kohlekommission und bringe „durch diese sicherlich auch ideologisch geprägte Entscheidung in der Stadt Leipzig das Kraftwerk und den Tagebau vor den Stadtgrenzen ohne Not vor das Aus“, so der CDU-Abgeordnete.

Das Kraftwerk Lippendorf deckt nach Angaben seines Betreibers, der Lausitzer Energie Kraftwerke AG (LEAG), rund 80 Prozent des Leipziger Fernwärmebedarfs. „Die jetzige Entscheidung inmitten der laufenden Gespräche mit den Stadtwerken können wir nicht nachvollziehen“, sagt Unternehmenssprecher Thoralf Schirmer.

Vom Aus für das Kraftwerk könne aber keine Rede sein. Auch bei völligem Leipziger Fernwärmeverzicht sei „die Wirtschaftlichkeit der betriebenen Anlagen weiterhin gegeben. Die Zahl der Beschäftigten wird davon nicht berührt, da das Kerngeschäft des Kraftwerks die Stromerzeugung ist“, erklärte Schirmer.

Die Leipziger Entscheidung sei allerdings „das Gegenteil von ökologischer Vernunft, weil die bislang zur Versorgung der Stadt Leipzig genutzte Abwärme nach 2023 ungenutzt bliebe, die Stromproduktion aber auf gleichbleibend hohem Niveau bleiben wird“, erklärte der LEAG-Sprecher.

¬Beifall erhält Leipzigs Oberbürgermeister Jung indes von den Grünen im Landtag. „Angesichts der unklaren Perspektiven des Kraftwerks Lippendorf ist es die einzig verantwortungsvolle Entscheidung, wenn Leipzig seine bestehende Abhängigkeit von dieser Fernwärmequelle rasch löst und seine Wärmeversorgung nachhaltig und klimaschutzgerecht sichert“, erklärte der Abgeordnete Gerd Lippold. Der Leipziger Kohleausstieg sei ein erster, wenn auch bedeutender Schritt, um die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende zu nutzen.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6. Dezember 2018

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