tl_files/Aktuelles/Windkraft/000107_preview.jpg

Öko-Energien bleiben weltweit gegen Öl und Atomkraft chancenlos

Wer nur das Gute sehen will, wird von der neuen globalen Energiemarktprognose des BP-Konzerns leicht geblendet. Denn in ihrem Ausblick sehen die Briten eine geradezu boomartige Ausbreitung erneuerbarer Energien voraus. Doch das Tempo reicht für einen Erfolg im Klimaschutz offenbar nicht aus. Grund ist die immense Energienachfrage bestimmter Länder.

Der „BP Energy Outlook“ wird anders als viele andere Marktprognosen empirisch minutiös recherchiert. Die Ergebnisse des Reports gelten für Wissenschaftler, Unternehmen und Politiker weltweit seit Jahrzehnten als verlässliche Datenbasis. Jetzt hat das Expertenteam um den BP-Chefökonomen Spencer Dale für das Jahr 2040 gleich mehrere positive Nachrichten für Umwelt- und Klimaschützer im Gepäck.

So dürften sich in China, dem Land mit dem größten Wachstum schädlicher Emissionen, die Verhältnisse deutlich bessern, glauben die Briten: „Es scheint zunehmend wahrscheinlich, dass der Kohleverbrauch in China seinen Höchststand erreicht hat und sich stabilisieren wird“, heißt es im neuen „Outlook“: Damit erhöhe sich auch die globale Nachfrage nach Kohle insgesamt nicht weiter.

„China wird die größte Steigerungsrate bei erneuerbaren Energien erzielen und mehr Wachstum in dem Segment haben als sämtliche OECD-Staaten zusammen“, heißt es in dem Bericht weiter: „Indien wird bis 2030 das zweitgrößte Wachstum bei erneuerbaren Energien haben.“

„Der globale Energiemix wird bis 2040 so vielseitig sein wie nie zuvor“, erklärte Dale bei der Präsentation des Berichts in London: „Öl, Erdgas, Kohle und nicht fossile Energieträger werden jeweils einen Anteil von ungefähr 25 Prozent am weltweiten Energieverbrauch besitzen.“ Zudem würden „mehr als 40 Prozent des Wachstums der Energienachfrage durch erneuerbare Energien befriedigt werden“.

So weit, so ermutigend. Doch leider können die guten Nachrichten unter dem Strich die schlechten nicht aufwiegen. Denn zu den „25 Prozent nicht fossilen Energieträger“, von denen Dale spricht, gehört auch die Atomkraft.

Wenn zudem nur 40 Prozent des weltweiten Nachfrageanstiegs durch erneuerbare Energien befriedigt werden, heißt das zugleich, dass weiterhin der größte Teil der zusätzlichen Energienachfrage durch fossile und atomare Energieträger gedeckt werden wird: Die Öko-Energien verlieren den Wettlauf gegen fossile und atomare Energieträger. Grund laut BP-Prognose: „Das schnelle Wachstum in den Entwicklungsländern lässt die weltweite Energienachfrage um ein Drittel steigen.“

Tatsächlich gehen die BP-Auguren davon aus, dass die erneuerbaren Energien trotz ihres rasanten Wachstums im Jahre 2040 lediglich 14 Prozent der weltweit verbrauchten Primärenergie stellen werden.

Demgegenüber wird die globale Ölnachfrage auch in den nächsten 20 Jahren weiter ansteigen, wobei sich dieses Wachstum erst am Ende dieses Zeithorizonts „stabilisieren“ dürfte, wie es im Report heißt. Obwohl die Bedeutung von Kohle zurückgeht, werden mit Öl und Gas weiterhin zwei fossile Energieträger mehr als die Hälfte der weltweiten Energienachfrage decken.

„Der Verkehrssektor wird die globale Ölnachfrage weiter dominieren – auf ihn wird mehr als die Hälfte des Gesamtwachstums entfallen“, heißt es im „BP Energy Outlook“: „Der größte Teil der Nachfrageerhöhung im Verkehrssektor entsteht durch nicht straßengebundene Verkehrsmittel – hauptsächlich in der Luftfahrt, in der Seefahrt und im Schienenverkehr – sowie durch Lkw.“ Bei Pkw und Motorrädern erwarten die BP-Experten nur leichte Steigerungen der Nachfrage.

In der Prognose geht BP davon aus, dass sich die Transportnachfrage global bis 2040 verdoppeln wird. Da jedoch die Fahrzeuge zugleich immer effizienter werden, steigt die Energienachfrage im Verkehr „nur“ um 25 Prozent. Trotz alternativer Antriebsarten sei davon auszugehen, dass auch 2040 noch 85 Prozent der Energienachfrage im Verkehr auf Basis von Erdöl gedeckt werden.

Die Elektromobilität wird nach Einschätzung der Experten das Bild nicht wesentlich aufhellen. Sie gehen davon aus, dass es im Jahre 2040 weltweit einen Bestand von zwei Milliarden Fahrzeugen geben wird, von denen 300 Millionen, also rund 15 Prozent, elektrisch betrieben sein dürften. Allerdings sei bei Elektrofahrzeugen eine „erhöhte Nutzungsintensität“ zu erwarten, sodass Elektrofahrzeuge bei der zurückgelegten Kilometerleistung sogar auf einen Anteil von 30 Prozent kämen.

„Die Annahme, dass ein schneller Anstieg der Zahl von Elektrofahrzeugen die Ölnachfrage kollabieren lässt, wird durch die vorliegenden Zahlen einfach nicht unterstützt – selbst bei einem sehr schnellen Anstieg nicht“, führt Spencer Dale aus. „Auch in einem Szenario eines Verkaufsverbots für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und angesichts sehr hoher Effizienzstandards wird die Ölnachfrage 2040 immer noch höher sein als heute.“

Insgesamt bedeuten die Energietrends der nächsten beiden Jahrzehnte, dass die im Weltklimavertrag von Paris vereinbarten Ziele zur CO2-Minderung mit ziemlicher Sicherheit verfehlt werden dürften. In Paris hatten sich die Vereinten Nationen auf die Schaffung einer CO2-neutralen Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verständigt, um den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten.

Dieses Ziel der Dekarbonisierung würde die baldige Vermeidung fast aller Verbrennungsprozesse in Kraftwerken, Heizungen, Motoren sowie landwirtschaftlichen und industriellen Prozessen erfordern. Die aber zeichnet sich in den Energietrends nicht ab: „Der ,Outlook‘ kommt zu dem Schluss, dass der CO2-Ausstoß weltweit bis 2040 um zehn Prozent steigen wird“, heißt es in der neuen Studie: „Auch wenn dieser Wert weit unterhalb der Steigerungsraten in den zurückliegenden 25 Jahren ist, liegt diese Entwicklung hinter dem, was als notwendig erwachtet wird, um die in Paris vereinbarten Klimaziele zu erreichen.“

Quelle: welt.de vom 20. Februar 2018

Zurück    Zum Seitenanfang

 

Unsere Themen. Ihre Erkenntnis

Lausitz, Braunkohle, Verstromung, CO2-Emmission, Tagebau, Kraftwerk, Energiesystem, Energiewende, Rekultivierung, Umsiedlung, Grundlast, Energiemix, EEG, Erneuerbare Energien, Aufforstung, Sozialverträglichkeit, Wertschöpfung, Technologie, Energieregion, Jänschwalde, LEAG, Strukturwandel, Rohstoff, Renaturierung, Klimawandel, Seenland, Lausitzer Braunkohle, Grüne Liga, Greenpeace, Klimakiller, Heimatverlust, Welzow-Süd

www.pro-lausitz.dePRO LAUSITZER BRAUNKOHLEwww.pro-lausitz.de