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Öko-Institut stellt mit fragwürdiger Studie Beschäftigungseffekt der Kohle infrage

Dass die Braunkohle zehntausenden von Menschen Lohn und Brot bietet, passt nicht so recht ins Konzept von Klimaschützern. Folglich braucht es eine Studie, die das Gegenteil behauptet. Eine solche hat jetzt das Öko-Institut vorgelegt. Ein beschleunigter Ausstieg aus der Braunkohle würde dem zufolge kaum betriebsbedingte Kündigungen in den Kohleregionen erfordern. Die Branche kritisiert dieses Vorgehen scharf.

„Der Strukturwandel verläuft vor allem im Braunkohlebergbau entlang der natürlichen Altersgrenzen“, heißt es in einer Mitteilung des Instituts, das die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im Auftrag des Umweltbundesamts berechnet hat. Wenn Deutschland den Braunkohle-Ausstieg so beschleunige, dass es seine Klimaschutz-Ziele erreiche, dann gebe es im Jahr 2030 noch insgesamt 8.000 Beschäftigte in der Förderung von Braunkohle und der Stromerzeugung. Bis dahin gingen fast zwei Drittel der Beschäftigten im Braunkohle-Bergbau in den Ruhestand. „Die Gefahr zahlloser Kündigungen ist sehr gering», betont Energie- und Klimaschutzexperte Hauke Hermann.

Für die Braunkohlewirtschaft ist dieses Vorgehen fahrlässig und inakzeptabel. „Diese Analyse legt willkürlich falsche Annahmen, beispielsweise zur Personalentwicklung in den Energieunternehmen, zu Grunde. Vor allem aber verkennt sie, indem sie ihre Betrachtung nur auf die Beschäftigten in der Braunkohlenindustrie begrenzt, die Tragweite der industriepolitischen und volkswirtschaftlichen Dimension eines raschen Kohlenausstiegs“, sagt Debriv-Vorstandvorsitzender Helmar Rendez. Hier werde ein Thema mit großer gesellschaftlicher Relevanz bewusst kleingeredet.

RWE Power reagiert mit gleichermaßen klaren Worten: „Wunschziel definieren – dann die passende Studie dazu verfassen: Es ist schon erstaunlich, zu welchen Mitteln gegriffen wird, nur um einen frühzeitigen Kohleausstieg herbeizureden“, schreibt Pressesprecher Lothar Lambertz. Auf Kosten der Beschäftigten, der betroffenen Regionen unter der Unternehmen werde versucht, das Thema Strukturwandel kleinzureden. „In Wahrheit geht es um Zehntausende Arbeitsplätze bei Lieferanten und Partnerunternehmen sowie um Hunderttausende bei der energieintensiven Industrie.“ Diese Effekte würden von der Studie ignoriert.

Für den Braunkohleverband Debriv ist die Studie realitätsfern und könne damit keine belastbare Grundlage für die Diskussion um die Zukunft der Reviere sein. Die Bedeutung der Braunkohlenindustrie werde von den Autoren der Studie systematisch unterschätzt: im Rheinland als Garant wettbewerbsfähiger Industriestrompreise, im mitteldeutschen Revier für den Verbund mit der Chemieindustrie und in der Lausitz als der zentrale industrielle Anker für die gesamte Wirtschaft der Region.

Damit werden auch Auswirkungen eines vorzeitigen Kohlenausstiegs auf andere Unternehmen und Wirtschaftszweige nach Ansicht des Debriv-Vorsitzenden Rendez in der Analyse des Öko-Instituts nur unzureichend berücksichtigt. Die Auswirkungen gerade auf die energie- und arbeitsplatzintensiven Industrien wären gravierend, so der Debriv:
Die Unternehmen der Braunkohlenindustrie in Deutschland vergeben im Zusammenhang mit der Instandhaltung und Modernisierung ihrer Tagebaue und Kraftwerke und den damit verbundenen hohen Umweltstandards jedes Jahr Aufträge mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro an andere Unternehmen. Ohne diese Aufträge sind viele Arbeitsplätze etwa bei Partnerfirmen und Zulieferern akut gefährdet.

Zu den fehlerhaften Annahmen des Öko-Instituts gehört laut dem Braunkohleverband zudem, dass es einen Wegfall von Neueinstellungen für die kommenden Jahre unterstellt. Das hat mit betrieblicher Praxis nichts tun, stellt Rendez klar. Kontinuierliche Ausbildung und Wissenstransfer an junge Beschäftigte sind für jedes Wirtschaftsunternehmen unerlässlich. Das gilt natürlich auch für die Braunkohlenindustrie. Zudem hätte ein Verzicht auf Neueinstellungen für die Region den Wegfall von Hunderten Ausbildungsplätzen für qualifizierte Berufe zur Folge. Das würde eine positive Strukturentwicklung in den Regionen erheblich erschweren und junge Menschen dazu zwingen, die Region zu verlassen.

Quellen: E&M Powernews vom 27. Juli 2018, Kölner Stadt-Anzeiger vom 26. Juli 2018

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