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„Photovoltaik und Wind haben eine gesicherte Leistung von Null“

Mit dem Start der Kohlekommission werden die Scheinwerfer einmal mehr auf ambitionierte Kohleausstiegsforderung gerichtet. Spätestens 2030 müsse Schluss sein, heißt es aus dem Lager der grünen Interessenvertreter. Harald Schwarz, Energieexperte der BTU Cottbus-Senftenberg, hält das im Gespräch mit rbb24 für absolut illusorisch. Alle Kommissionsmitglieder sollten wissen: „Photovoltaik und Wind haben eine gesicherte Leistung von Null“.

rbb: Herr Schwarz, manche Experten sagen, dass die Hälfte der Kohlemeiler bis 2030 abgeschaltet werden kann, weil dann eine Versorgung mit Strom auch durch alternative Energieträger möglich ist. Wie müsste ihrer Meinung nach der Kohleausstieg in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten gestaltet werden, damit die Grundversorgung gewährleistet wird?

Harald Schwarz: Es ist erst einmal wichtig zu akzeptieren, dass die regenerativen Energien in Deutschland, sprich Photovoltaik und Wind, eine gesicherte Leistung von Null haben. Das ist das, was umgangssprachlich immer diese Dunkelflaute ist. Das heißt: Nur mit Wind und Fotovoltaik können Sie niemals eine gesicherte Stromversorgung in Deutschland aufbauen. Wenn man überwiegend regenerative Energien nehmen will, muss man entweder sehr große Speicher haben oder eine ergänzende Erzeugung. Das kann Kohle, Gas oder Kernkraft sein, was auch immer. Das muss als erstes in die Köpfe der Menschen, der Politik, auch der Kohlekommission rein und akzeptiert werden.
        
Wie kann der Ausstieg aus der Kohle gelingen?

In der Diskussion heißt es ja sehr viel, dass wir in Speichertechnologien investieren müssen. Wenn man ansieht, wie groß die Speicher sein müssen und wie schnell sich Speicher in Deutschland entwickeln, ist 2030 absolut illusorisch. Möglicherweise haben wir 2050 eine regenerative Erzeugung mit ausreichender Speicherkapazität, aber 2030 definitiv nicht. Das bedeutet, dass wir 2030 eine komplementäre, also ergänzende Erzeugung brauchen. Und da müssen sie bei einer Dunkelflaute genauso viel gesicherte Leistung über Kernenergie und Kohle haben, wie die Höchstlast in Deutschland ist. Das sind etwa 80 Gigawatt.

Wird es denn überhaupt möglich sein, in den nächsten 40, 50 Jahren auf Kohle zu verzichten?

Sie haben in Deutschland nur die Kohle-Alternativen Kernenergie und Gas. Aber da muss man sagen, dass Gaskraftwerke auch CO2 erzeugen. Es ist weniger als bei Kohle, weil der Wirkungsgrad höher ist. Aber es sind neue Gaskraftwerke, die wir neu bauen und bezahlen müssen. Es ist also auch die Frage, wieviel Geld wir investieren wollen und was die Kilowattstunde hinterher kosten darf.

Was wäre denn ein realistisches Ziel für den Kohleausstieg?

Wenn man sich anschaut, wie schnell die Entwicklungen bei moderner Speichertechnologie laufen, wie lange es dauert, in die nötigen Größenordnungen zu kommen: Da wäre 2050 eine Option.

Quelle: rbb24.de vom 6. Juni 2018

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