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Schleppender Netzausbau macht schnellen Kohleausstieg zum Risiko-Projekt

Die Zahlen sind ernüchternd. Mindestens 7.700 Kilometer Stromleitungen müssen für den Ökostrom gebaut oder verstärkt werden. Trotz jahrelanger intensiver Arbeit ist nicht einmal ein Achtel geschafft.  Allerorts bremsen Bürgerinitiativen die Trassenplanung aus. Die Industrie warnt daher vor dem raschen Kohleausstieg und fordert: Erst Trassen bauen, dann Kraftwerke abschalten.

Deutschland will beim Ausstieg aus dem Kohlestrom jetzt richtig Dampf machen. Das Gros der Kraftwerke soll bis 2030 abgeschaltet werden, 2038 soll ganz Schluss sein mit dieser fossilen Energie. So hat es die Kohlekommission vorgeschlagen. Zugleich gehen in den nächsten vier Jahren auch die letzten sieben Atommeiler vom Netz.

Wind- und Sonnenstrom aus Nord- und Ostdeutschland muss dann immer mehr Kraftwerke in der Mitte und im Süden der Republik ersetzen. Aber der Bau der nötigen Stromtrassen kommt nicht voran. In Unternehmen und Industrieverbänden läuten deshalb die Alarmglocken – aus Sorge um die Versorgungssicherheit.

Ohne Energie keine Industrie und keine Arbeitsplätze, warnt Arndt G. Kirchhoff, Präsident der Unternehmerverbände Nordrhein-Westfalen. Er fordert: „Wir müssen erst Leitungen bauen, bevor wir die Kohlekraftwerke abschalten können.“ Denn beim Netzausbau hapert es ganz gewaltig. Für das dritte Quartal 2018 zieht die Bundesnetzagentur eine ernüchternde Bilanz.

Fertig sind: nur 950 Kilometer Stromleitungen! Das ist nur ein kleiner Teil der 7.700 Kilometer Trassen, die nach bisheriger Planung neu gebaut oder durch leistungsstärkere ersetzt werden müssen. Das dicke Problem: Selbst diese 7.700 Kilometer reichen nicht, wenn Deutschland schnell aus dem Kohlestrom aussteigen und dafür 2030 den Ökostrom-Anteil auf 65 Prozent steigern will. Dann müssen weitere 4.500 Kilometer Stromleitungen neu errichtet oder verstärkt werden. Das haben die Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW in ihrem Netzentwicklungsplan 2030 errechnet, den sie Anfang Februar vorgeschlagen haben.

Die Kosten für den Ausbau taxieren sie darin auf 70 Milliarden Euro. Doch weil Bürger gegen Trassen in ihrer Nachbarschaft protestieren, Landwirte um die Qualität ihrer Böden fürchten und Entschädigung fordern, wird derzeit so gut wie gar nicht investiert.

Die einen wünschen sich Erdverkabelung, die anderen wehren sich gerade dagegen. Allein gegen die beiden großen Südlink-Gleichstromtrassen von Brunsbüttel an der Elbe bis nach Großgartach in Baden-Württemberg, die einmal so viel Strom wie drei Kernkraftwerke liefern können, haben sich über 60 Bürgerinitiativen formiert. Mit einigen Tausend Grundstückseigentümern müssen die Planer verhandeln.

Für Planung, Genehmigung und Bau von 57 Kilometer Stromautobahn von Wesel bis zum niederländischen Netzanschluss brauchten Tennet und Amprion zehn Jahre. So kann es nicht weitergehen, findet Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Mit einem Gesetz will er den Ausbau jetzt beschleunigen. Die Verfahren sollen vereinfacht werden. Die Betreiber sollen zum Beispiel bereits bauen dürfen, wenn nur einzelne Teilabschnitte genehmigt sind.

Schon machen Engpässe im Stromnetz Probleme. Immer öfter müssen die Betreiber eingreifen, um den Blackout zu verhindern. Das kostete zuletzt 1,4 Milliarden Euro im Jahr – bezahlt von den Verbrauchern.

Quelle: aktiv-online.de, Ratgeber für Arbeitnehmer, vom 11. März 2019

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