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Steigender CO2-Preis belegt funktionierenden Emissionshandel

Die Energiewirtschaft ist der Sektor, der seine CO2-Reduktionsziele erreicht. Das liegt auch am europäischen Emissionshandel. Er setzt dem CO2-Ausstoß des Kraftwerksparks eine wirksame Obergrenze. Kohlegegner behaupten dennoch, dass das System nicht funktioniert. Sie kritisieren den „zu niedrigen Preis“. Genau dieser Preis für Emissionsrechte hat sich zuletzt verdreifacht. Kritikwürdig sind indes nationale Alleingänge.

Der Emissionshandel in der EU hat einen schlechten Ruf. Zu günstig seien die gehandelten Zertifikate, die zum Ausstoß von CO2 berechtigen, lautet ein Vorwurf. Selbst der Chef des deutschen Energiekonzerns E.On, Johannes Teyssen, sagte Anfang 2018, das europäische Emissionshandelssystem (ETS) sei ein „gescheitertes Instrument“. Bei den niedrigen Preisen werde niemand in den Klimaschutz investieren.

Fast unbemerkt hat sich der Preis für solche CO2-Zertifikate über die letzten Monate jedoch auf gut 20 Euro verdreifacht, während er sich zuvor fünf Jahre lang zwischen 4 bis 8 Euro bewegt hatte. Das macht die „Neue Zürcher Zeitung“ zum Thema.

Der Preisanstieg mag überraschen, gab es am Markt Ende 2017 doch rund 1,7 Mrd. Gutscheine, die gar nicht genutzt wurden, sondern von Firmen oder Investoren gehalten werden. Dies entspricht fast der Menge, die pro Jahr neu an die Industrie und die Stromproduzenten ausgegeben, bzw. versteigert wird. Hinter der jüngsten Preishausse steckt nun die Reform des Emissionshandels für 2021 bis 2030, die die EU-Kommission im Mai veröffentlicht hat.

Damit ist klar, dass die EU auf einen ambitionierteren Pfad einschwenkt: Jedes Jahr wird eine Obergrenze für das CO2 festgelegt, das bei den Energieerzeugern und Industrieanlagen ausgestoßen werden darf. Dieses „Cap“ (Deckel) sinkt ab 2021 jährlich um 2,2 Prozent, während es von 2013 bis 2020 erst 1,74 Prozent sind. Damit will die EU ihr Ziel erreichen, den Ausstoß an Klimagasen bis 2030 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken.

Das ist aber nicht alles. Die EU wird schon ab dem kommenden Jahr jährlich 24 Prozent (ab 2024 dann noch 12 Prozent) der ungenutzten Zertifikate aus dem Markt in eine Reserve überführen. Wenn diese Reserve ein bestimmtes Niveau überschreitet, werden Zertifikate sogar gelöscht, was das Angebot zusätzlich verknappt. Dies könnte 2023 erstmals der Fall sein.

Diesen Eingriff hält Moritz Bonn, Ökonom am Centrum für europäische Politik (CEP) in Freiburg, für problematisch. Er sei jedenfalls nicht nötig, um das Reduktionsziel der EU zu erreichen. Werden Zertifikate gelöscht, entspricht dies einer Verschärfung des Ziels. Die Reserve und mögliche Löschungen sorgen für Unsicherheit und sind eine mögliche weitere Ursache für den Preisanstieg.

Die jüngste Reform des Emissionshandels dürfte auch manchem Unternehmer die Augen geöffnet haben, sagt Bonn. Denn die Kosten, CO2 zu vermeiden, würden anziehen, wenn das Reduktionsziel immer anspruchsvoller werde. 2050 will die EU sogar weitestgehend „klimaneutral“ sein. Firmen stellten deshalb Gedankenspiele der Art an: „Ich sichere mir jetzt noch eine gewisse Anzahl CO2-Zertifikate, solange sie bezahlbar sind.“ Die Gutscheine können nämlich auf spätere Jahre übertragen und dann genutzt werden. So hat Europas größter Emittent, RWE, vorgesorgt und CO2-Gutscheine gekauft, die bis 2022 reichen.

Der jüngste Preisanstieg dürfte die Kritiker des Emissionshandels etwas besänftigen. Doch auch ein niedriger Zertifikatepreis ist kein Signal dafür, dass der Emissionshandel gescheitert ist. Er sagt vielmehr aus, dass die Obergrenze bisher mit relativ geringen Vermeidungskosten eingehalten wurde. Dies ist eigentlich eine gute Nachricht. Der große Vorteil des Emissionshandels ist gerade, dass CO2 EU-weit dort eingespart wird, wo es am günstigsten ist. Man mag der Ansicht sein, dass der Cap zu hoch sei, doch mit einem Versagen des Instrumentes selbst hat das nichts zu tun.

Aus diesem Grund sind auch nationale Alleingänge eine schlechte Idee. Wenn Berlin Strom aus Wind und Sonne mit Milliarden stützt, werden dadurch CO2-Zertifikate frei, was tendenziell den Preis drückt. Für das Klima ist ohnehin nichts gewonnen: Spart Deutschland mit gefördertem Wind- und Sonnenstrom zusätzlich CO2 ein, wird es andernorts in der EU wieder emittiert. Das liegt in der Natur einer EU-weiten Obergrenze.

Ein staatlich erzwungenes Abstellen der Braunkohlekraftwerke in Deutschland ändert am EU-weiten Cap jedoch nichts und zerstört Kapital. Das in der Verstromung der Braunkohle entstehende CO2 ist auch nicht „schlechter“ als dasjenige aus anderen Emissionsquellen. Der Klimaschutz wird jedenfalls durch nationale Extrawürste unnötig teuer. Stromkonsumenten bezahlen in Deutschland mittlerweile die höchsten Preise in Europa.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 30. August 2018




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