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Stromkunden in Deutschland drohen neue Milliardenkosten

Die Übertragungsnetze für Strom sind ein Nadelöhr der deutschen Energiewende. Wenn der Netzausbau nicht nachkommt, nutzt der massive Zubau von Anlagen zur Nutzung erneuerbaren Energien wenig. Jetzt haben die Stromnetzbetreiber eine neue Bedarfsanalyse vorgelegt. Die Botschaft: Schon die bisherigen Planungen, die mangels Akzeptanz nur langsam vorankommen, reichen nicht aus. Es wird nochmal deutlich teurer.

Kaum ist der Kompromiss zum Kohleausstieg mit zusätzlichen Kosten in Milliardenhöhe geschlossen, deuten sich nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung neue Ausgaben für die Energiewende in zweistelliger Milliardenhöhe an. Die Kosten des Ausbaus der Leitungen für den wachsenden Ökostromanteil dürften sich nach neuen Schätzungen der zuständigen vier Netzbetreiber bis zum Jahre 2030 von 32 auf 52 Milliarden Euro erhöhen. Das betrifft nur den Ausbau an Land. Je nach Szenario kommen für die Leitungen zu den Windparks vor den Küsten 18 bis 24 Milliarden Euro hinzu. Unter dem Strich sind das in den kommenden zwölf Jahren 70 bis 76 Milliarden Euro – oder 6 Milliarden Euro im Jahr. Bezahlen müssen das die Stromkunden.

Die Daten stehen im „Netzentwicklungsplan 2030“, den die Netzbetreiber für die Bundesnetzagentur anfertigen. In dem 600 Seiten starken Dokument haben die vier Betreiber des Höchstspannungsnetzes, Amprion, 50Hertz, Tennet und Transnet-BW, auftragsgemäß aufgeschrieben, wie das Stromnetz 2030 aussehen muss, damit das Ziel der Regierung erfüllt werden kann, bis dahin 65 Prozent des Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen zu beziehen. Das ist vor allem Windstrom. Da der vor der Küste und im Norden der Republik gewonnen wird, sind Leitungen nötig, um die Elektrizität in die süddeutschen Verbrauchszentren zu befördern.

Dafür reicht das derzeit geplante, wenn auch noch längst nicht gebaute Übertragungsnetz mit seinen vier Leitungen auf drei Trassen nicht aus. Deren Fertigstellungstermin wurde von 2022 auf das Jahr 2025 verschoben und dürfte laut Netzbetreibern auch dann nicht gehalten werden. Unzureichend ist auch ihre Transportkapazität von acht Gigawatt.

Deshalb schlagen die Netzbetreiber in dem neuen Dokument jetzt vor allem zwei Maßnahmen vor. In der schon geplanten östlichsten Leitung Suedost-Link von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern sollen Leerrohre verbaut werden, damit die Kapazität unkompliziert vergrößert werden kann. Vor allem aber geht es um den Neubau von zwei zusätzlichen Gleichstrom-Verbindungen im Westen. Sie sollen Elektrizität mit einer Kapazität von 4 Gigawatt, also etwa vier Kernkraftwerken, von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg transportieren. Die Gesamtlänge wird mit 1160 Kilometern angegeben.

Abzweige in Nordrhein-Westfalen, etwa am Kraftwerksstandort Hamm, sollen sicherstellen, dass dort der Strom mit dem verabredeten Abschalten der Kohlekraftwerke nicht knapp wird. Die Netzbetreiber weisen darauf hin, dass sie den Kohleausstieg bis 2030 weitgehend vorempfunden hätten. Nachjustierungen wegen der Beschlüsse der Kohlekommission machten demnach keine grundlegenden Änderungen mehr notwendig.

Neben den Neubaustrecken für die „Stromautobahnen“, die in der Regel keine Abzweigung haben, werden der Neubau von 450 Kilometer Wechselstromleitungen sowie die „Netzverstärkung“ auf einer Länge von 2900 Kilometern als notwendig erachtet – jenseits der bisher als notwendig erachteten Ausbaupläne, die alle den Zeitvorgaben weit hinterherhinken. Grund dafür sind starke Proteste der Anwohner und auch Forderungen der Bauern nach Entschädigung.

Die Regierung zeigt sich hier schon kompromissbereit. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bricht dieser Tage zu seiner dritten Netzreise auf, um mit Betroffenen zu reden und um Verständnis zu werben. Denn Kritiker weisen immer wieder auf technische Verbesserungen hin, die den Leitungsbau nicht oder nur zum Teil notwendig machten. Die Netzbetreiber weisen das mit dem Hinweis zurück, dass sie auftragsgemäß fortschrittliche Technologien wie den Einsatz von elektronischer Steuerung, Hochtemperaturseilen oder der besseren Kontrolle der Leitungen, die bei Kälte mehr Strom durchleiten können, berücksichtigt hätten, um den Ausbaubedarf „auf das geringst erforderliche Maß zu reduzieren“. Kaum reduzieren lässt sich der Kostenanstieg. Grund ist vor allem die teure Art der vom Gesetz vorgeschriebenen Verlegung in der Erde. Hinzu kommen steigenden Ausgaben für Kabel, Grundstücke, Entschädigungen sowie die Planungsarbeiten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine, faz.net, vom 4. Februar 2019

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