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Trotz sinkender Netzentgelte könnte Strompreis für Verbraucher weiter steigen

Die Meldung wird gerade gern genommen: Die Strompreise, so heißt es, würden 2019 wohl sinken. Die Nachricht täte gut. Immerhin greifen die deutschen Verbraucher im europäischen Vergleich für Strom mittlerweile am tiefsten in die Tasche. Genauer betrachtet ist die Botschaft aber eine andere: Energiehungrige Unternehmen dürfen tatsächlich mit einer deutlichen Entlastung rechnen. Für Haushalte könnte es indes sogar teurer werden.

Der für den Norden und Osten Deutschlands zuständige Stromübertragungsnetzbetreiber 50 Hertz will seine Netzentgelte für 2019 im Vergleich zum laufenden Jahr um voraussichtlich 23 Prozent auf im Schnitt 2,56 Cent je Kilowattstunde senken. Das schreibt die Freie Presse mit Verweis auf das Unternehmen. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das demnach eine Entlastung um rund zehn Euro. Endgültig festgelegt werden die Tarife für das Jahr 2019 aber erst Ende dieses Jahres.

Unter dem Strich könnte der Strom für die Privathaushalte dann trotzdem teurer werden. Denn zum einen macht das Übertragungsnetzentgelt bei diesen Kunden nur etwa fünf Prozent an ihren Stromkosten aus. Zum anderen sind aber auch in dem neuen 50-Hertz-Netzentgelt die Kosten für die Anbindung der Windräder auf See und die Entschädigungszahlungen für das Abschalten dieser Offshore-Anlagen nicht mehr mit enthalten. Für diese Aufwendungen müssen die Verbraucher ab 2019 erstmals eine bundesweit einheitliche und gesonderte Offshore-Netzumlage zahlen. Wie hoch diese sein wird, soll am 15. Oktober bekanntgegeben werden.

Die Bundesregierung rechnet aber damit, dass die Offshore-Netzumlage mindestens so hoch wie die Umlage für die Kraft-Wärme-Kopplung sein wird. Die beträgt in diesem Jahr 0,345 Cent/kWh. Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch würde sich die Offshore-Netzumlage also auf mindestens 13,80 Euro im Jahr summieren. Dadurch würde die Beispielfamilie trotz der Absenkung des Übertragungsnetzentgelts am Ende 3,80 Euro im Jahr mehr als jetzt zahlen müssen.

„Das kann passieren“, sagt 50-Hertz-Sprecher Volker Kamm. „Muss es aber nicht.“ Denn der Strompreis setze sich aus mehreren Komponenten zusammen. So könnten ja zum Beispiel auch noch die Netzentgelte für die Verteilnetze, die Vertriebs- oder Anbieterpreise fallen. Die Netzentgelte der lokalen und regionalen Betreiber sowie der Übertragungsnetzbetreiber haben einen Anteil von insgesamt 24,7 Prozent am Endpreis. Hinzu kommen noch die Produktionskosten, Konzessionsabgaben, Steuern und die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien.

Energieintensive Unternehmen, die direkt ans Übertragungsnetz angeschlossen sind, werden hingegen stark von der Absenkung der Übertragungsnetzentgelte und der Einführung der Offshore-Netzumlage profitieren. So zahlt nach 50-Hertz-Berechnungen beispielsweise ein Industriekunde wie ein Stahl- oder Aluminiumwerk mit jährlich etwa 4000 Benutzungsstunden im kommenden Jahr 16 statt wie in diesem Jahr 20 Millionen Euro Netzentgelt an das Unternehmen. Zudem hat die EU-Kommission für stromintensive Betriebe und Bahnunternehmen Rabatte auf die Offshore-Netzumlage gewährt. Wie bei der Kraft-Wärme-Kopplung und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz werden diese Betriebe weitgehend von der Netzumlage befreit sein.

Die anderen drei großen Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland TransnetBW, Tennet und Amprion wollen ihre durchschnittlichen Netzentgelte voraussichtlich zwischen sechs und 16 Prozent senken. Nach vorläufigen Prognosen werden es dann bei Tennet 3,85 Cent je Kilowattstunde, bei TransnetBW 2,19 und bei Amprion 2,03 Euro sein.

Hintergrund für die geringere Absenkung als bei 50 Hertz ist zum einen die schrittweise bundesweite Angleichung der Übertragungsnetzentgelte bis zum Jahr 2023. Dadurch sollen die durch die Energiewende bedingten Kosten bundesweit fairer verteilt werden. 2019 wird erstmals ein bundeseinheitlicher Netzentgeltanteil von 20 Prozent bei den Entgelten der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber zum Ansatz gebracht. Zum anderen konnte 50 Hertz seine Kosten für das Hochfahren konventioneller Kraftwerke bei Wind- und Sonnenflaute oder für das Herunterfahren von Ökostromanlagen im Vergleich zum Vorjahr senken. Ein Grund dafür ist die in Betrieb genommene „Thüringer Strombrücke“, die den Abtransport von Strom in den Süden erleichtert.

Quelle: Freie Presse vom 2. Oktober 2018

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