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TÜV-Experten warnen vor alten Windkraftanlagen als „tickende Zeitbomben“

Havarien von Windenergieanlagen sind spektakulär. Bilder von umherfliegenden Rotorblattteilen halten sich lang im Gedächtnis. Während die Windbranche selbst von Einzelfällen spricht, warnen Windkraftkritiker vor einer zunehmenden Gefährdung. Unterstützung erhalten sie jetzt von TÜV-Experten. Von „tickenden Zeitbomben“ ist die Rede und von der Notwendigkeit strengerer Prüfpflichten.

Anfang Januar im Landkreis Schaumburg: In einer Windkraftanlage fällt die Steuerungselektronik aus, der Rotor kann sich nicht mehr nach dem Wind ausrichten. „Nachdem zuerst einige Teile eines Rotorblattes zerbrachen, knickte der Turm des circa 70 Meter hohen Windrades gegen 13.30 Uhr ein und die gesamte Anlage stürzte zu Boden“, heißt es im Bericht der Polizeiinspektion Nienburg. „Durch die angemessene Entfernung zu menschlichen Behausungen gab es zu keiner Zeit eine Gefährdung von Leben und Gesundheit der nächsten Anwohner.“

Zwei Wochen später bei Bad Driburg: An einem Windrad brechen zwei Rotorblätter ab, eines liegt hundert Meter entfernt im Wald. „Ein dickes Rohr hat sich wie ein Pfeil in die Erde gebohrt“, berichtet die „Neue Westfälische“: „Im dichten Nebel sieht die Landschaft um das zerstörte Windrad aus wie ein Kriegsschauplatz.“

Acht Wochen darauf im westfälischen Borchen: Bei einer 115 Meter hohen Anlage ist die Bremstechnik nicht installiert. Der Rotor dreht sich immer schneller, bis zwei der 56 Meter langen Flügel „in einer Wolke aus Glas, Kunststoff und Füllmaterial zerfetzen“, wie das „Westfalen-Blatt“ schreibt. „Messerscharfe Glasfasersplitter“ fliegen 800 Meter weit.

„Wenn Tiere die Teile beim Grasen aufnehmen, kann es schon in der Maulhöhle zu Verletzungen kommen“, warnt die Tierärztliche Hochschule Hannover. Bei Rindern sei die Perforation des Magens möglich. Rund 60 Landwirte können ihre Äcker und Weiden vorerst nicht mehr bewirtschaften. „Eine so großflächige Verunreinigung durch einen Windradunfall hat es, soweit ich weiß, in Deutschland noch nicht gegeben“, zitiert das Blatt einen Experten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Berichte wie diese werden vom windkraftkritischen Verein „Vernunftkraft“ gesammelt. Inzwischen umfasst die Liste der Windrad-Havarien mehrere DIN-A4-Seiten. Menschen sind bislang nicht zu Schaden gekommen, der Bundesverband Windenergie spricht von „Einzelfällen“.

Doch unabhängige Prüforganisationen plädieren dafür, Windräder künftig als das zu behandeln, was sie sind: Industrieanlagen, die normalerweise einer sehr strengen technischen Kontrolle unterliegen. „Wir halten eine umfassende Prüfung auch für Windenergieanlagen auf Basis der Betriebssicherheitsverordnung für dringend geboten“, sagt Joachim Bühler, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied beim Verband der TÜV.
„Trotz erheblicher Gefahren und zahlreicher Unfälle werden bislang nur einzelne Teile nach völlig unterschiedlich geregelten Vorgaben geprüft.“ Dabei könne es nicht bleiben, findet der TÜV-Verbandschef: „Die Politik muss eine gesetzlich geregelte, unabhängige Drittprüfung der Gesamtanlage einführen.“ Immerhin drehten sich in Deutschland bereits rund 30.000 Windkraftanlagen.

Von einer „tickenden Zeitbombe“ spricht TÜV-Experte Dieter Roas, der einem Arbeitskreis aller Zugelassenen Überwachungsstellen vorsteht. Viele Windräder näherten sich einer Betriebszeit von 20 oder gar 25 Jahren. Grundsätzlich sind die Anlagen auf 20 Jahre ausgelegt, für eine Verlängerung der Betriebserlaubnis sind zusätzliche Prüfungen erforderlich.

„Aber was Strukturfestigkeit und Materialermüdung angeht, wissen wir nicht, woran wir sind“, warnt Roas. „Da schwelen erhebliche Gefahren.“ Aufseiten der Betreiber wünsche er sich ein „ausgeprägteres Risikobewusstsein.“ Das könnte auch der Staat mit einer Prüfpflicht wecken.

Quelle: welt.de vom 27. Mai 2018


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