Kohle-Gegner drohen mit härterem Protest als im Hambacher Forst

Während sich die großen politischen Debatten um Kriegsfolgen, Energieknappheit, Hunger und drohender Armut kreisen, haben Kohlegegner einen neuen Ort für ihren Widerstand auserkoren: der Ort Lützerath am Rand des Tagebaus Garzweiler II. Nach mehreren Protestaktionen sind acht Widerständler in Gewahrsam. Ungeachtet dessen verspricht die Bewegung eine härtere Gegenwehr als im benachbarten Hambacher Forst.

Zuletzt hatten rund 30 Kohlegegner versucht, in der Nähe des vom Abriss bedrohten Dorfes Lützerath RWE-Mitarbeiter daran zu hindern, am Rande des Tagebaus einen Erdwall aufzuschütten. Der Wall sollte die neue Grenze des Tagebaus markieren, der ausgeweitet wird. Beim Versuch von Sicherheitsleuten, die Aktion zu verhindern, ist es nach Medienberichten zu Rangeleien gekommen. Die Polizei beruhigte die Situation.

Gegen 17 Teilnehmer der Aktion werde wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt, teilte die Pressestelle der Polizei der Städteregion Aachen mit. Einer davon, ein Jugendlicher, wurde dem Jugendamt Erkelenz übergeben. Die anderen 16 Personen wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen, um ihre Identitäten zu ermitteln. Dies war zum Teil nicht möglich, da mehrere der Personen ihre Fingerkuppen manipuliert hatten. Die Polizei beantragte deshalb beim Amtsgericht, die Aktivisten in längerfristiges Gewahrsam zu nehmen. Daraufhin machten acht Personen die gewünschten Angaben und durften gehen.
Für acht weitere Demonstranten ordnete ein Richter dagegen Langzeitgewahrsam an. Sie hatten sich nach Darstellung der Polizei vermummt, wollten ihre Namen nicht nennen oder hatten die Fingerkuppen verklebt, um die Abnahme von Fingerabdrücken zu verhindern. Sie wurden nach dem richterlichen Beschluss in den Polizeipräsidien Aachen und Mönchengladbach untergebracht.

Die Bündnisse „Fridays for Future“, „Alle Dörfer bleiben“ und „Lützerath lebt“ haben unterdessen den Energiekonzern scharf kritisiert – er schaffe Fakten, bevor politische Entscheidungen getroffen werden. Nach mehreren Gerichtsurteilen und dem Willen der schwarz-grünen Landesregierung ist der Abriss Lützeraths hingegen längst beschlossene Sache.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dringt auf zügige Vereinbarungen zwischen der nordrhein-westfälischen Landesregierung und dem Energiekonzern RWE zur Begrenzung des Braunkohlenabbaus, die auch das umkämpfte Dorf Lützerath berücksichtigen. „Wir brauchen dringend ein Moratorium, das garantiert, dass keine Vorfestlegungen für eine endgültige Zerstörung Lützeraths getroffen werden“, sagte der Geschäftsführer des Umweltverbandes in Nordrhein-Westfalen, Dirk Jansen, dem Evangelischen Pressedienst.

In dem zur Stadt Erkelenz gehörenden verlassenen Ort Lützerath gibt es noch zwei Bauernhöfe, ein paar Häuser, große Wiesen und Bäume. Doch der kleine Weiler am Rande des Tagebaus Garzweiler ist längst zu etwas Größerem geworden: zu einem Symbol für den Widerstand gegen die Bagger des Energiekonzerns RWE und die Nutzung der Braunkohle überhaupt. Mittlerweile leben dort Gegner des Braunkohleabbaus in Wohnwagen, besetzten Häusern, Zelten und Baumhäusern. Sie wollen das Abbaggern verhindern, um das Klima zu schützen.

Quellen: epd vom 8. August 2022, Die Welt, welt.de, vom 6. August 2022, Westdeutsche Allgemeine vom 5. August 2022, Rheinische Post online vom 4. August 2022, Aachener Zeitung Online vom 4. August 2022, zdf.de vom 3. August 2022

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