Kohlegegner versprechen Grünen erbitterten Kampf um Lützerath

Die Grünen wechseln nicht nur die Perspektive, sie finden sich zugleich in einer neuen Rolle wieder. In den Mittelpunkt dabei rückt der Ort Lützerath im rheinischen Revier, den die Grünen gerade zum Abbaggern freigegeben haben. Dabei haben sie sich über den Tisch ziehen lassen, heißt es von Fridays for future. Und die Hardcore-Kohlegegner versprechen einen Kampf um Lützerath wie um den Hambacher Forst.

Einst konzentrierte sich der Protest gegen den Braunkohleabbau im Rheinischen Revier auf den Hambacher Forst. Nachdem „Hambi“ bleibt, geht es jetzt um Lützerath. Der Tagebau steht dort inzwischen vor der Tür. Zwar mit knapper aber immerhin mehrheitlich hat sich der Bundesparteitag der Grünen für ein Abbaggern des leer gezogenen Ortes ausgesprochen. Daran änderte auch das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ nichts, das vor dem Parteitag protestierte.

Auch ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), nachdem die Vereinbarung mit RWE, derzufolge der Energiekonzern in den kommenden Jahren mehr Braunkohle verstromen dürfe, dafür aber bereits 2030 die Kraftwerke ausschaltet, möglicherweise keine einzige Tonne CO2 einspare, blieb ungehört. Laut DIW beträgt die CO2-Einsparung durch den von 2038 auf 2030 vorgezogenen Kohleausstieg im Rheinland nicht 280 Millionen Tonnen CO2 – wie die Bundesregierung nach der jüngsten Einigung mit dem Betreiber RWE angegeben hatte –, sondern nur maximal 64 Millionen Tonnen. Als realistisch gilt für das Dörfer-Bündnis sogar ein Szenario, in dem es gar keine CO2-Einsparungen gegenüber dem bisherigen Abschaltplan gibt.

Das Urteil von Luisa Neubauer, deutsche Vertreterin von Fridays for future, fällt entsprechend deutlich aus: „Die Grünen haben sich über den Tisch ziehen lassen“, wird sie in der Wirtschaftswoche zitiert. Und auf dem Grünen-Parteitag fragt sie die Delegierten: „Seit wann argumentieren die Grünen mit gefakte Zahlen von RWE? Seit wann?“

In Lützerath rüsten sich derweil die Kohlegegner für das, was da nun kommen wird. „Willkommen in Lützerath“ steht auf einem Banner über der holprigen Straße. Von Hand gemalt ist auch das Schild zum „Weg der Radikalisierung“. Besucher sollen nicht ungefragt Fotos der Bewohner machen. Viele der jungen Leute nutzen Tarnnamen, manche haben das Gesicht maskiert. Es geht konspirativ zu bei den Aktivisten, die in besetzten Häusern inmitten von Feldern und Rübenäckern leben.

Ihr Credo heißt: „Lützerath Lebt“, ungeachtet der Tatsache, dass der Ort RWE gehört und die früheren Bewohner längst weggezogen sind. Sie sprechen von aktivem Widerstand. „Noch dieses Jahr könnten dem Dorf unruhige Wochen bevorstehen“, mutmaßen sie. Entsprechend schrill sind auch die Verheißungen der Kohlegegner von „Ende Gelände“: „Wir werden um Lützerath kämpfen, wie wir den Hambacher Wald verteidigt haben.“

Quellen: tag24.de vom 17. Oktober 2022, derwesten.de vom 16. Oktober 2022, klimareporter.de vom 16. Oktober 2022, wiwo.de vom 15. Oktober 2022

Zurück    Zum Seitenanfang

 

Unsere Themen. Ihre Erkenntnis

Aufforstung, Braunkohle, CO2-Emmissionen, Demokratie, EEG, Energiemix, Energieregion, Energiesystem, Energiewende, Erneuerbare Energien, Green Deal, Greenpeace, Grundlast, Grüne Liga, Heimatverlust, Industrie, Klimakiller, Klimawandel, Kohleausstieg, Kohlekommission, Kraftwerk, Lausitz, Lausitzer Braunkohle, Rekultivierung, Renaturierung, Rohstoff, Seenland, Sozialverträglichkeit, Strukturstärkung, Strukturwandel, Tagebau, Technologie, Umsiedlung, Versorgungssicherheit, Verstromung, Wertschöpfung

www.pro-lausitz.de