Windenergie

Ukraine-Krieg führt vielerorts zur Rückbesinnung auf die Kohle

Das Ausrufen der 2. Stufe des Gasnotfallplans in Deutschland hat für Aufsehen gesorgt. Der Lausitzer Braunkohlekraftwerksbetreiber LEAG bringt Blöcke aus der Sicherheitsbereitschaft in Stellung. Wie auch in Chemnitz wird vielerorts geprüft, ob der Abschied von der Braunkohle noch etwas hinausgezögert werden kann. Selbst Nachbar Frankreich, der Strom vor allem mit Atomkraft erzeugt, bereitet das Wiederanfahren eines Kohlekraftwerkes vor.

Umdenken auch in Chemnitz: Drohende Engpässe in der Gasversorgung könnten das Chemnitzer Braunkohlekraftwerk auch nach 2023 am Netz halten. „Die Option einer Weiternutzung von Braunkohle über das Jahr 2023 hinaus ist aktuell in der Prüfung“, zitiert die Leipziger Volkszeitung Roland Warner, Geschäftsführer des Energieversorgers Eins. Dies hänge von den weiteren Weichenstellungen auf Bundesebene ab. Derzeit fehle es an klaren Vorgaben, erklärte er. Dies betreffe mehrere Optionen wie auch eine etwaige Nutzung der Kraftwerksblöcke als künftige Reserve.

In Chemnitz forciert das Unternehmen Eins seit Jahren den Umbau weg von Braunkohle. Dazu werden die Kohleblöcke des Heizkraftwerks durch gasbetriebene Motorenkraftwerke ersetzt. Sie sollen den Kohlendioxid-Ausstoß um 60 Prozent verringern und ungeachtet der jüngsten Entwicklungen am Gasmarkt bis Jahresende ans Netz gehen. „Am Bau und der Inbetriebnahme unserer Gasmotorenkraftwerke halten wir fest“, betonte Warner und ergänzt, dass angesichts der neuen Rahmenbedingungen verstärkt über Ergänzungen durch andere Technologien nachgedacht werde. Geprüft würden der Bau eines Abfallheizkraftwerkes sowie eines Kraftwerks für Holzhackschnitzel.

Der Lausitzer Energiekonzern LEAG bereitet die Wiederinbetriebnahme zweier Kraftwerksblöcke in Jänschwalde vor. Instandsetzungsarbeiten würden durchgeführt und neues Personal eingestellt, damit die Blöcke ab Oktober 2022 wieder Strom produzieren können. Es würden neben Kraftwerkern auch Bergarbeiter benötigt, sagt eine Unternehmenssprecherin dem mdr. Für die Wiederinbetriebnahme gebe es jedoch eine Voraussetzung: Die Bundesregierung müsse der LEAG zufolge die Kraftwerksblöcke von Vorgaben aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz befreien. Um die Emissionsgrenzwerte einhalten zu können, müssten die Blöcke mit Technik nachgerüstet werden, was wegen der langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren in der noch zur Verfügung stehenden Zeit nicht umsetzbar ist.

Außerdem fordert der Energiekonzern per Gesetz festzulegen, dass seine Tagebaue weiter betrieben werden dürfen. Das Unternehmen verweist auf Bestimmungen, die es so schon für Öl- und Steinkohlekraftwerke in Reserve gibt. Hintergrund ist ein Klage der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Liga gegen den Weiterbetrieb des Tagebaus Jänschwalde.

Auch in Grevenbroich-Neurath soll wegen der Gasmangellage die Braunkohle länger verbrannt werden als eigentlich geplant. RWE-Power wolle für den 300MW-Block Neurath C seine Personalplanung anpassen und mehrere hundert Stellen in der Region wieder besetzen, heißt es in News 89,4, dem Radio im Rhein-Kreis Neuss.

Selbst Frankreich, eher als Atomstromland bekannt, bereitet angesichts der Energie-Krise den Neustart des Kohlekraftwerks in Saint-Avoid bei Saarbrücken vor. Das erst Ende März vom Netz gegangene Kraftwerk solle im nächsten Winter angesichts der Spannungen auf dem Energiemarkt und der Situation in der Ukraine vorsorglich wieder in Betrieb genommen werden, teilte das Energieministerium mit. Für Frankreich spiele russisches Erdgas zwar keine große Rolle, heißt es in der Welt. Rund die Hälfte der Atomkraftwerke seien im Moment aber wegen Defekten oder Wartungen nicht am Netz.

Quellen: Die Welt vom 27. Juni 2022, Leipziger Volkszeitung vom 25. Juni 2022, Lausitzer Rundschau vom 25. Juni 2022, mdr.de vom 24. und 23. Juni 2022,

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