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Lausitzer Kohle-Beschäftigte stellen bei lautstarkem Protest die Gretchen-Frage

Wie hältst du es mit dem Kohlekompromiss? Diese Frage mussten die Teilnehmer der 1. Lausitz-Konferenz in Schwarze Pumpe beantworten – und zwar durch die Wahl ihres Weges in das Konferenzgebäude. Angeboten hatten die Kollegen aus Kraftwerken und Kohlegruben zwei Zugangs-Tore, eines mit dem Jahr 2030, eines mit 2038 überschrieben. Zugleich erinnerten rund 1500 Demonstranten an den stehenden Tagebau Jänschwalde.

Selbst heftiger Dauerregen änderte nichts an ihrer Entschlossenheit: Mit Trommeln und Pfeifen empfingen rund 1500 Bergleute und Kraftwerker aus dem Lausitzer Revier die Politiker und weiteren Teilnehmer der Lausitz-Konferenz. Mit Regenschirmen, orangefarbenen Westen und roten Plakaten standen sie am Morgen am Veranstaltungsort, dem Leag-Klubhaus im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe. Auf den Plakaten hieß es: „Es gilt, was vereinbart ist: 2038“ und „Gesellschaftlicher Kompromiss – gilt euer Wort?“.

Die Demonstranten hatten zwei Torbögen mit den Zahlen 2030 und 2038 aufgebaut, durch die die Teilnehmer gehen mussten. Hinter dem Bogen mit der Aufschrift 2030 hatten sie Kohlebriketts gelegt. Wer sich nicht entscheiden wollte, musste einen Weg durch die Demonstranten hindurch nehmen. Das tat beispielsweise Grünen-Chefin Annalena Baerbock. In ihrer Rede in der Konferenz erklärte sie, dass sie sich in dieser Form auf die Frage nach dem Ausstiegsdatum nicht einlassen wollte. Grundsätzlich stünden die Grünen zu dem Kompromiss der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung. Gleichwohl würde man gern daran arbeiten, dass ein früherer Ausstieg möglich wird.

Die Beschäftigten aus Tagebauen und Kraftwerken machten mit ihrer Aktion zugleich ihren Unmut am augenblicklichen Stillstand des Tagebaus Jänschwalde deutlich. Dieser musste aufgrund eines Gerichtsentscheids infolge einer Klage der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Liga den Betrieb zum 1. September einstellen. Seitdem brennt dort rund um die Uhr ein Mahnfeuer, das die Kollegen vor Ort am Brennen halten. Die Jänschwalder Kumpel können sich der Solidarität der Region sicher sein. Unter anderem stattete ihnen Christine Herntier, Sprecherin der Lausitzrunde und Bürgermeisterin Sprembergs, einen Besuch ab.

Im Vorfeld der Lausitz-Konferenz hatte die Lausitzrunde zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Cottbus und der Handwerkskammer Cottbus einen Lausitzer Appell unterzeichnet. Darin appellierten sie mit Nachdruck an die Verantwortung aller Beteiligten, dass der Tagebau schnellstmöglich seinen Betrieb wieder aufnehmen kann.

In der Konferenz selbst ging es um Forschung und Entwicklung, Firmenansiedlungen und eine ökologisch-wirtschaftliche Zukunftsausrichtung. Verwirrend mag mancher empfunden haben, dass unter anderem das Land Brandenburg als Mitveranstalter zu dieser vermeintlich „ersten“ Lausitz-Konferenz eingeladen hat. Das griff Christian Hoßbach, Berlin-Brandenburger Landeschef des DGB, augenzwinkernd in der Podiumsdiskussion auf. Höflich bedankte er sich für die Einladung zu dieser „ersten Lausitz-Konferenz“ und erinnerte daran, dass der DGB gerade vor drei Wochen eine erfolgreiche 15. Lausitz-Konferenz durchgeführt hat.  

Quellen: Lausitzer Rundschau vom 10. September 2019, Freie Presse vom 10. September 2019

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